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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 62 (1997) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 62 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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ERINNERUNG AN DIE OBERSCHLESISCHEN JUDEN ZULZ-„ORT DER GERECHTEN“ Auch wenn die Zülzer Jüdische Gemeinde nach dem preussischen Emanzipationsedikt von 1812 durch Migrationen nach Breslau und In die sich rasant entwickelnden Städte des oberschlesischen Industriegebiets allmählich verschwand, blieb die Erinnerung an den „Ort der Gerechten” lebendig, der die Geschichte der oberschlesischen Juden in den vergangenen Jahrhunderten prägte. Der hebräische Name von Zülz „Makom Zadik” („Ort der Gerechten”) geht auf die historische Entwicklung der Zülzer Jüdischen Gemeinde in der Zeit der österreichischen Herrschaft zurück. Sie erfuhr seit ihrer Entstehung im 14. Jahrhundert keine Vertreibungsmassnahmen. Neben Zülz kann nur Glogau in Niederschlesien eine änliche Geschichte bezeugen. Bereits im Mittelalter, als viele Juden nach Pogromen in Westeuropa in die polnischen Kronländer flüchteten und sich auch in Schiesien niederliessen, sahen sie sich ständig mit diskriminierender Gesetzgebung, Judenabzeichen, Verfolgungen durch Geisselbrüder, Hussiten und katholische Fanatiker (Johannes de Capestrano) konfrontiert. Oberschlesische Städte wie Neisse, Troppau, Ratibor, Oberglogau Leobschütz und Neustadt verbrannten mit dem „ius de non tolerandis iudaeis” ihre jüdischen Anwohner und verwehrten Neuankömmlingen das Niederlassungsrecht. Damals schon bildete Zülz eine ruhmreiche Ausnahme. Der auch in Schlesien im 16. Jahrdundert entbrannte Religionskampf zwischen Katholiken und Protestanten und das Erstarken schlesischer Stände, Fürstentümer und Städte liess in bezug auf die Juden Motive religiöser Unduldsamkeit, gesellschaftlicher Intoleraz und wirtschaftlicher Konkurrenz in den Vordergrund treten. Von diesem Hintergrund sind die Forderungen der schlesischen Fürstentage nach Austreibung der Juden im 16. Jahrhundert zu sehen. Kaiser Rudolf II. schwankte lange in der Judenfrage, gab aber schliesslich mit dem Erlass vom 26. März 1582 nach, laut dem alle in Schlesien ansässigen Juden das Land verlassen mussten. Um 1600 lebten in Schlesien nur noch runci 120 Juden in den privilegierten Gemeinden ven Zülz und Glogau. Hier duldeten die Landesherren die ansässige jüdische Bevölkerung mit dem Verweis auf eine lange, ununterbrochene jüdische Präsenz und auf die ökonomische Bedeutung der jüdischen Händler, auf deren Tätigkeit sie angewiesen waren. Diese beiden Freiplätze des schlesischen Judentums erlangten mühsam, aber erfolgreich einen ähnlichen Ausnahmestatus wie 100 Jahre später die privilegierten evangelischen Gemeinden und Friedenskirchen inmitten katholischer Gebiete. Das kleine Landstädchen Zülz gehörte den katholischen Freiherren und späteren Grafen von Proskowsky zunächst als Pfandbesitz und nach dem Erwerb im Jahre 1606 als erbliches Land. Ungeachtet aller Beschwerden der schlesischen Fürstentage stellten sie sich nicht nur schützend vor ihre jüdischen Untertanen, sondern duldeten sogar ihren beachtlichen Zuzug nach Zülz. Auf den Austreibungserlass reagierte Christian von Proskowsky mit einer Bitte an den Kaiser: „Da die Juden 200 Jahre hier gewohnt haben, so bitte ich, dass sie auch weiter bleiben dürfen.” So erreichte er eine rechtliche Sonderstellung der Zülzer Juden mit einem unbefristeten Wohnrecht in Schlesien, die durch eine kaiserliche Instruktion bestätigt wurde. Zwar konnte die Rechtstellung der Juden in Zülz niemals befriedigend geklärt werden, aber sie genossen seit 1601 einen allgemeinen Schutz. Selbstverständlich profitierten sie auch auf der Gegenseite von dem aufstrebenden jüdischen Handel und verschmähten die fiskalischen Vorteile nicht. Ais sie 1699 sogar die Privilegien der Prager Juden erhielten, waren sie den christlichen Kaufleuten gleichgestellt. Im 17. Jahrhundert boten die jüdischen Gemeinden in Zülz und Glogau für viele polnische und Wiener Juden Zuflucht. Zülz, das durch seine Neuankömmlinge rasch anwuchs, mag in Schlesien so etwas wie ein östliches jüdisches Schtetl gewesen sein, eine durchaus „exotische Ausnahme” in der christlich geprägten schlesischen Landschaft. Im 18. Jahrhundert wurde es die einzige Stadt im Heiligen Römischen Reich, in der mehr Juden als Christen lebten (im Jahr 1782 gab es in Zülz 1061 Juden gegenüber 961 Christen). Die Erweiterung der Privilegien für Glogau und Zülz hatte die Möglichkeit von Nebenwohnsitzen in ganz Schlesien geschaffen, und der begehrteste Platz für die Stützpunkte einer neu gewonnenen Niederlassungsfreiheit war die schlesische Hauptstadt und Handelsmetropole Breslau. So kehrten immer mehr Zülzer Juden ihrem friedlichen, aber nrmen und abgelegenen Heimatstädtchen den Rücken und Hessen sich in Breslau nieder. Zu ihrem geistigen und religiösen Mittelpunkt gehörte im 19. Jahrhundert die Zülzer Synagoge am Breslauer Karlsplatz. Da die in Breslau lebenden Juden erst in preussischen Zeiten die Anerkennung als Kultusgemeinde mit (Fortsetzung von Seite 8) Kurfuerstenstrasse untergebracht. Die Villa wurde sofort auch beschlagnahmt. Vom 11.9.1940 bis zum 3.10.1940 wurden wir auf Strohsaecken im Freundesaal untergebracht. Inzwischen wurde ein Teil des juedischen Altersheims in der Kirschallee vom Kammerjaeger eniwantzt. Am 4.10.1940 zogen wir ein. Die Wanzen waren aber leider nicht anisemitisch und bis zum 4.11.1940 litten wir durch schlaflose Naechte. An diesem Tag beschlagnahmte die Gestapo das Haus in der Kirschallee. Das Waisenhaus ging bis zur Deportation in das Gemeindehaus in der Wallstrasse. Wir zogen in ein Zimmer in der Kopischstrasse. Mein Vater blieb als Erzieher im Waisenhaus bis zum 30.4.1941 taetig. Der erste Osttransport mit ca. 1100 Menschen verliess Breslau vom Schiesswerdersaal am 25.11.1941. Nach den Veroeffentiichungen der Universitaet Wroclaw war er fuer Riga bestimmt, aber die 1100 juedischen Menschen wurden in Kovno, auf dem Wege nach Riga, erschossen. Ich bin nicht ganz sicher mit welchem Rabbiner, Synagoge und Friedhof erlangten, wurden sie wie auch andere Breslauer Juden immer noch in Zülz beerdigt. Als die preussischen Behörden eine Zählung durchführten, um die Zahl der steuerpflichtigen Juden zu ermitteln, erhielten die Zülzer ais „Stammjuden” neben Glogau eine steuerrechtliche Sonderposition. Das Emanzipationsedikt vom 11 . März 1812, das die Juden als vollwertige preussische Bürger anerkannte, führte zu einer Auflösung der bestehenden jüdischen Gemeindeverbände. Bereits 1840 entstand in Gleiwitz der oberschlesische Gemeindeverband, dem jetzt auch die Zülzer Gemeinde angehörte. Obwohl durch das preussische Edikt von 1812 emanzipiert, mussten schlesische Juden noch eine lange Zeit gegen bestehende rechtliche Schranken und gesellschaftliche Hindernisse ankämpfen, bis sie 1871 durch das Gleichberechtigungsgesetz der rechtlichen Lage anderen deutschen Bürgern gleichgestellt wurden, Die im Laufe des 19. Jahrhundert gewonnenen Freiheiten, die den Juden nicht nur Freizügigkeit und Handelsrechte, sondern auch bisher unerreichte Positionen in Staat und Gesellschaft zugänglich machten, waren das Ergebnis eines jahrhundertelangen Kampfes. Mit der Emanzipation und der industriellen Entwicklung Breslaus und vor allem des oberschlesischen Industriegebietes kündigte sich ein friedliches, aber unaufhaltsames Ende der Zülzer Jüdischen Gemeinde an. So hielt die freiwillige Abwanderung in die schlesischen Grossstädte, aber auch in andere Gebiete Deutschlands, ununterbrochen an. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wohnten In Zülz rund 500 Juden, im Jahr 1910 ganze 20 und in den 20er Jahren nur noch zwei Familien mit neun Personen. So endet die Geschichte der Juden in Zülz, dem „gerechten Ort” der schlesischen Juden, einem unbedeutenden oberschlesischen Städtchen, in dem die verwaiste Synagoge das „Dritte Reich” nicht überlebte aber auch heute nur noch ein verwahrloster Friedhof an die Zeiten einer anderen Kultur erinnert. Andrzej Kaluza Aufbau 3.1.97 Transport die Kinder des Waisenhauses deportiert wurden. Mein Vater musste dann Zwangsarbeit in der Papierfabrik in Sakrau leisten. Meine Mutter musste nachts die Breslauer Srassenbahnwagen reinigen und ich hatte Zwangsarbeit in der chemischen Fabrik Carl Boeger und Co in der Alsenstrasse zu verrichten. Der Abschiedsbrief der Jundendabteilung des Breslauer juedischen Waisenhauses an meinen Vater dokumentiert das Walten der „Kavanah" in der deutschen juedischen Gemeindschaft in jenen dunklen Zeiten. Es ist zu hoffen, dass unsere tiefe Freundschaft sie auf ihrem letzten Weg begleitet hat. Secher Zadikim L'vracha. Suchanzeige Alle Angehörigen der Familie Laqueur möchten sich mit Prof. W. Laqueur CSIS, 1800 K Street N. W. Washington DC 20006, zwecks Familienforschung in Verbindung setzen. Unvergessene Junge Freunde 9

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