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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 62 (1997) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 62 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Unvergessene Junge Freunde Waisenhaeuser waren immer eine Notwendigkeit und die Breslauer juedische Geimeinde verfuegte ueber ein schoenes Haus in der Graebschenerstrasse 61/65, das diesem Zweck gewidmet war .Es war eine Stiftung namens „Israelitische Waisen-Verpflegungs- Anstalt". 1938 gab es noch im linken Erdgeschoss des Hauses, den mit Holz getaefelten Sitzungssaal, mit einer grossen Ehrentafel, die die Namen der Stifter des Hauses verewigte und ueber jedem Bett war eine ovale Tafel mit dem Namen des Stifters des Bettes angebracht. Die kleinen Kinder trugen auch noch Anstaltskleidung. Das grosse dreistoeckige Haus hatte zwei getrennte Treppenhaeuser, zur Linken fuer Maedchen und zur Rechten fuer Jungen. Im Hochparterre befanden sich zwei Esssaele, im ersten Stock waren die Aufenthaltsraeume, die Bibliothek, Gebetsraueme und die Kleiderkammer. Im zweiten Stock waren 4 Schlafsaele und die Waschraeume untergebracht. Der Fortschritt der Medizin verminderte die Notwendigkeit fuer Waisenhaeuser und so legte die Gemeinde das Breslauer juedische Museum in und um den Betsaal dieses Hauses. Meine Beziehung zu dem Waisenhaus fing am 5.7.1939 an und die genauen Einzelheiten der Geschichte des Hauses bis zu diesem Zeitpunkt benoetigt weitere Nachforschung. Am 9. November 1938 wurde das „Schuhhaus — Ideal" in der Neuen Taschenstrasse 7, das mein Vater zu dieser Zeit leitete, in der Kristallnacht zerstoert. Er wurde mit anderen Breslauer Juden als Tiefbauarbeiter nach Werlte bei Hannover zum Autobahnbau verschickt. Bei der Firma Nicolai fanden sich Breslauer, Wiener und Berliner Juden zum Autobahnbau zusammen. Da juedische Kinder zu diese Zeit nur noch juedische Schulen besuchen durften, war es noetig, Kinder aus der schlesischen Provinz und aus dem Sudetenland in Breslau unterzu'bringen, um in Breslau am Schulunterricht teilnehmen zu koennen. Und so wurde aus dem „Waisenhaus" das „Kinderheim Breslau der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland". Ein Teil des Personals des Hauses wanderte noch aus und so musste die Gemeinde das Haus umbrganisieren. Mein Vater wollte von Hannover nach Breslau zurueckkommen und bewarb sich fuer den Posten des Erziehers der grossen Jungen. Er war kein Lehrer, aber das Abitur vom Elisabeth Gymnasium, vier Jahre Soldat im ersten Weltkrieg, und Ruderlehrer der Jungmannschaften des juedischen Ruderklubs „Welle Poseidon" in Berlin, und vielleicht auch die vielen Jahre in der LesslngjLoge und in der Neuen Synagoge, sowie seine kaufmaennischen Erfahrungen, halfen der Gemeinde in der Entscheidung. Am 5.7.1939 gaben wir unsere Wohnung in der Gabitzstrasse 136 auf und zogen in die Hausmeisterwohnung im Erdgeschoss des Waisenhauses. Die neue Leitung des Hauses war: Ida Ledermann: Heimlejterin; Rudolf Aufrichtig (mein Vater): Erzieher der grossen Jungen und Hausmeister; Herr Julius: Erzieher der kleinen Jungen; von KLAUS AUFRICHTIG-ARKWRIGHT Frl. Schlesinger: Erzieherin der grossen Maedchen; Frau Freudenthal: Erzieherin der kleinen Maedchen und Waeschebeschliesserin; Frida Aufrichtig (meine Mutter): Hauswartin, Kuechenleiterin, und Haushaelterin. Zu diesen Zeit wohnten im Haus 33 Jungen und 29 Maedchen. ich schlief in unserer Wohnung, aber sonst teilte ich mein Leben mit den Kindern des Heimes. Grosse Veraenderungen fanden statt. Aus der „Verpflegungsanstalt" wurde ein „Heim". Die Stiftungsschilder ueber den Betten und die Anstaltskleidung wurden abgeschafft. Jungen und Maedchen teilten den gleichen Essraum. Die Arbeitsraeume wurden gemueflich gemacht. Wir Jungen hielten den Freitagsabendgottesdienst im Essraum ab. Sabbathmorgen gingen die 60 Kinder in den „Storch". Im Hof wurden Ballspiele gemacht zum Leid der „Aelteren juedischen Maedchen", die den Garten mitbenutzten. So viele Erinnerungen! Wir wurden eine Familie! Wehe dem, der in der Rhedigerschule, in der Pause, unsere kleinen Jungen oder kleine Maedchen haenselte! Der Geruch des angebran.nnten Griesbreis im Haus ist unvergesslich und unvergesslich ist auch das Aroma, wenn 60 Kinder nach dem Essen, jeder, eine halbe Zitrone auskatchten. Und dann mussten wir Frau Zuckermann helfen jeden Tag einen Zentner Kartoffeln zu schaeien. Am Sabbafhausgang haben wir zu „Hamavdil" Horrah getanzt. (Mit den Maedschen vom anderen Treppenhaus — ein richtiges Abenteuer.) Namen draengen sich auf: Werner Tuch, Kurt Reif, Albert Jacob, Nelly Schueftan, die Brueder Hernstat, ■ Max Mueller (der kleine Junge mit dem Wasserkopf, der von allen verwoehnt wurde), Irmgard Fuss und so viele mehr. Wer kennt sie noch? Wie sind sie umgekommen? Ich hoere noch ihre Stimmen. Fuer mich sind sie Kinder geblieben, selbst nach 60 Jahren. Anfang 1941 hatten wir eine freudige Ueberraschung. Die Gestapo entfernte den Siegel vom Schluesseloch des juedischen Museums und wir durften den Betraum mit den schoenen Kronleuchtern und Yorahvorhaengen benutzen. Ich war an der Reihe vorzubeten. Es war eine besondere Erfahrung, eine fuer lange Zeit nicht benuetzte Synagoge, wieder einzuweihen. Wir waren mehr an das Umgekehrte gewoehni. Wenn ich daran zurueckdenke, tut es mir immer noch leid, dass Albert Jacob und Werner Tuch, die mir das Vorbeten beirebracht haben, es damals nicht taten. Mir ceffnete das Leben noch viele Tore. Fuer die meisten Kinder des Hauses war es; „Eh, das Tor sich uns schliess; — b'et n'ilat scha-ar." Das Oeffnen des Betsaales war der Anfang vom Ende. Das Waisenhaus musste innerhalb 24 Sufnden am 10.9.1940 geraeumt werden. Es wurde ein Heim fuer Volksdeutsche. Wir wurden eine Nacht in einer Villa in der (Fortsetzung auf Seite 9) * (Waisenhaus Gräbschenerstr.) MmM jvjf* - . wASKi: Slglffg! 8

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