Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1997
- Issue
- No. 62 (1997)
- Date
- 1997-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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„DER JUDENBLOCK BLEIBT STEHEN” (Fortsetzung von Seite 6) Lager ausgeschlossen. Wo möglich, entledigte sich die Lagerleitung durch verschiedene Selektionsaktionen vieler Juden im Lager; stärker als alle anderen waren sie ausserdem ständig der Willkür der SS ausgeliefert. Im Vergleich zu der seit den Anfängen der nationalsozialistischen Konzentrationslager weitgehend festgelegten Tendenz in der Behandlung jüdischer „Schutzhäftlinge" hat das Vorgehen der SS in Gross-Rosen gegenüber den Juden noch radikalere Formen angenommen. Es stellt sich mithin auch angesichts des untersuchten Zeitrahmens die Frage, ob die zunehmende Radikalisierung im Zuge der beginnenden „Endlösung der Judenfrage" zu sehen ist. Während in der Forschung die Ansicht zu finden ist „dass die Judenvernichtungen für das Konzentrationslagersystem überhaupt grössere Bedeutung erlangte, lag daran, dass ein Teil der Juden von der sofortigen Vernichtung ausgenommen wurde und vorerst zum Arbeitseinsatz gelangte", erscheint dies für die ersten Kriegsjahre nur bedingt richtig. Der Fall Gross-Rosen zeigt, dass bis 1942 weder bei der Einweisung noch während der Lagerhaft die verstärkte Nutzung der Arbeitskraft der Juden im Vordergrund stand. Es war vielmehr eine gegebene Tatsache, dass sic sich zum Teil bereits schon seit Jahren als ein kleinerer Prozentsatz der Gesamthäftlingszahl aus obengenannten Verhaftungsgründen in Konzentrationslagern befanden. Die Gründe für ihre Inhaftierung sind vornehmlich in ihrer Ausgrenzung und Einschüchterung zu suchen. In Gross-Rosen wurden sie in den härtesten Arbeitskommandos eingesetzt, doch dominierte ihre Schikanierung stets ihre Produktionsleistung. Nach Aussage vieler Lagcrinsassen war das einzige Ziel, sie möglichst schnell „fertigzumachen", denn jede Form der sinnvollen Nutzung und Erhaltung ihrer Arbeitskraft wurde ihnen verwehrt. Einmal in der Gewalt der SS, bestand ausserdem keine „Dringlichkeit", sie 1941 sofort in die Vernichtungslager zu deportieren. Vermutet werden muss, dass gerade weil die Juden nicht unter besonderen Bedingungen und verstärktem Produktionsdruck nach Gross- Rosen kamen, sich ab der zweiten Hälfte des Jahres 1941 die Bestrebungen zur „Endlösung" auf die Haltung ihnen gegenüber im Konzentrationslager Gross-Rosen auswirken konnte. Ganz verändert war die Lage schon ein Jahr später: Das Scheitern des „Blitzkrieges" gegen die Sowjetunion machte extreme Rüstungsanstrengungen erforderlich, für die kein ausreichendes Arbeitskräftepotential mehr vorhanden war. Deshalb musste man vom Konzept der „judenfreien" Konzentrationslager Im Reich abrücken und Judentransporte in Auschwitz und anderen Lagern von der sofortigen Vernichtung ausnehmen um sie ins Altreich zu überstellen. Die Rüstungsproduktion war nun zum vorrangigen Ziel geworden, Rücksicht auf Gesundheit und Leben der Häftlinge wurde nicht mehr genommen. Nachschub an menschlicher Arbeitskraft, so erschien es, war unbegrenzt vorhanden. Die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlige besonders in „kriegsentscheidenden” Sektoren der Rüstungsindustrie sollte von nun an „im wahren Sinn des Wortes erschöpfend sein, um ein Höchstmass an Leistung zu erreichen". Im November 1943 bestimmte der Chef des WVHA, Pohl, in einem Runderlass an die Lagerkommandanten: „Die heute in bedeutendem Umfange mit Häftlingen zur Durchführung kommenden kriegswichtigen und siegentscheidenden Arbeiten lassen es keinesfalls zu, dass die tägliche reine Arbeitszeit unter 11 Stunden liegt.” Ab Oktober 1943 kamen wieder Transporte jüdischer Häftlinge nach Gross-Rosen, die in neugegründeten Nebenlagern überwiegend bei Rüstungsbetrieben eingesetzt wurden. Durch die Übernahme von mindestens 25 jüdischen Zwangsarbeitslagern der Organisation Schmelt und weitere Transporte hauptsächlich ungarischer, aber auch polnischer Juden aus Auschwitz und verschiedenen Ghettos stieg der Anteil jüdischer Häftlinge schnell an; unter ihnen war ausserdem ein im Vergleich mit anderen Kcnzentrationslagern erheblicher Prozentsatz weiblicher Häftlinge. Von insgesamt fast 60 000 jüdischen Häftlingen (etwa die Hälfte aller in Gross-Rosen eingelieferten) waren ca. 26 000 Frauen. Sie wurden vor allem in der Textilwarenindustrie, aber auch in der Rüstungsfertigung und bei Schanz- und Strassenbauarbeiten eingesetzt. Die männlichen Häftlinge kamen in der Rüstungsfertigung, der Flugzeugindustrie und beim Stollenbau zur Herstellung unterirdischer Fertigungsstätten zum Einsatz. Eine eingehendere Darstellung des Masseneinsatzes von Juden in Gross-Rosener Nebenlagern in den letzten Kriegsjahren kann in diesem Rahmen nicht geleistet werden. Der wesentliche Unterschied zur Anfangsphase, in der, wie gezeigt wurde, Juden als Staatsfeinde und willkommene Misshandlungsopfer betrachtet wurden und ständig von Ausgrenzung, Unterdrückung und Schikane bis hin zur Vernichtung bedroht waren, bestand darin, dass nun die Produktion von scheinbar kriegsentscheidendem Material die Gefangenenbehandlung bestimmte. Besonders Juden wurden als ersetzbares „Menschenmaterial" eingestuft mit fatalen Folgen für körperlich hart arbeitende Häftlinge; einzig ausgebildete, nicht ersetzbare Facharbeiter hatten bessere Überlebenschancen. Die Motive des Bewacnungsappaiates hatten sich also gewandelt, an der „Lebens”-Situation ihrer Opfer änderte sich dadurch nur wenig. Den Abschluss soll ein kurzer Ausschnitt aus einem der wohl bewegendsten Erlebnisberichte über NS-Konzentrationslager bilden. Ruth Klüger schildert ihre Eindrücke während des Transports aus Auschwitz zum Arbeitseinsatz Gross-Rosen: „Aus dem Vernichtungslager kommend, schaute ich auf die normale Landschaft hinaus, als sei sie unwirklich geworden. Auf dem Hinweg hatte ich sie nicht gesehen, und jetzt lag das Land, von dem die Schlesier noch heute schwärmen, in Postkartenanmut so friedlich da, als hätte die Zeit stillgestanden und ich käme nicht direkt aus Auschwitz. Radfahrer auf stillen Landwegen, zwischen sonnenbeschienenen Feldern. Ich sehnte mich dahinaus. Die Weit hatte sich nicht verändert, Auschwitz war nicht auf einem fremden Planeten gewesen, sondern eingebettet in das Leben da vor uns, das weitergegangen war wie vorher.” Menora 5, Jahrbuch für Deutsch-Jüdische Geschichte, 1994 HANS'WERNER WOLLENBERG: UND DER ALPTRAUM WURDE ZUM ALLTAG Aucbiographischer Bericht eines jüdischen Arztes über NS-Zwangarbeitslager in Schienen (1942—1945). Hrsg, von Manfred Brüsten. Pfaffenweiler: Centaurus-Verlagsgesellschaf; 1992). (Bibliothek der Historischen Forschung 1) Die autobiographischen „Lagererinnerungen" des jüdischen Arztes Hans-Werner Wollenberg dokumentieren und analysieren einen bisiang unbearbeitet gebliebenen Mosaikstein des nationalsozialistischen Lagersysems. Im Gegensatz zu den bereits bekannten Berichten über die Massenvernichtung der Juden in grossen Konzentrations- und Vernichtungslagern gibt er Einblick in den Terror der bislang weitgehend unbekannt gebliebenen Zwangsarbeitslager und KZ-Aussenkommandos, in denen ein Millionenheer von Häftlingen als Sklaven für SS-Betriebe und die deutsche Industrie ausgebeutetund zu Tode gequält wurde. BfS fcjjou wsrb mai bsbbct oem gbBH SUCHANZEIGE Forschungsstelle Ostmitteleuropa, welche der Universität Dortmund angegliedert ist, ist an folgenden Nummern der „Mitteilungen ehemaliger Breslauer" interessiert: 1—30, 33—36, 44—45, 48—52, 54. Wer diese Exemplare, auch gegen Entgelt, zur Verfügung stellen kann wird gebeten sich zu wenden an: Oberrat Johannes Hoffmann, wiss. Leiter, Universität Dortmund, D — 44221 Dortmund. Die hier erstmalig veröffentlichten Aufzeichnungen, bereits 1947 abgeschlossen, aber erst 1988 zufällig in Australien wiederentdeckt, geben ausserdem Auskunft über das bisher unbekannle Schicksal hunderter Personen. Ergänzt werden die Aufzeichnungen durch persönliche Erinnerungen an den Autor und dessen Familie sowie durch umfangreiche Recherchen und Anmerkungen des Herausgebers zum Verständnis und zur Beurteilung des Textes. „Schlesischer Kulturspiegel", 1 95 Januar-März Frau ANITA KEMPINSKY-HELLER aus Huntigten, N. Y. schreibt uns: Es freut mich sehr zu hören, dass Dr. Siegmund Hadda den Holocaust überlebt hat und in die Schweiz flüchten konnte. Er hat mir 1926 oder 1927 durch schnelle Operation das Leben gerettet. * SUSANNA UND FRIEDLÄNDER, Bet-Jizchak 42920, Tel. 09-823154, 1) wünschen Kontakt mit D'ganit (lese) Hadda (Adresse oder Telephon). 2) Suchen jemanden der die Liste von den Schülern hat, welche 1932 in die Rhediger- Volksschule eingeschult wurden, und ab 1937 die Sexta und Quinta des Rhediger- Gymnasiums absolvierten. 7