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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1997-01-01 · No. 62 (1997) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1997
Issue
No. 62 (1997)
Date
1997-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Geschichte der Breslauer Juden von 1850-1944 (Breslauer Juden, 1850—1944, von Maciej Lagiewski) Die Ausstellung „Breslauer Juden 1850— 1944" wurde am 10. März 1989 in den Räumen des Breslauer Architekturmuseums eröffnet, und bis zu ihrer Schliessung am 15. April 1989 von einigen Tausend Personen besucht. Dann begann die Tournee und in den Jahren 1990—1992 wurde die Ausstellung in 10 deutschen Städten gezeigt. Diese Ausstellung ist jetzt in Buchform erschienen und vor uns liegt der prachtvoll ausgestattete Band „Maciej Lagiewski — Breslauer Juden 1850—1944". Auf dem vorderen Buchdeckel ist ein Thoraschild aus der Sklowerschul abgebildet. Auf der Innenseite des Einbands und der darauf folgenden Seite ist ein teilweiser Stadtplan mit den damaligen Namen der Strassen. Nach einer kurzen Einleitung, gibt das Kapitel „Ein vergessener Abschnitt der Geschichte" einen kurzen Überblick über fast 100 Jahre jüdischer Geschichte von Breslau, seinen jüdischen Bürgern, Synagogen, Rabbiner, Institutionen u.s.w. Wir lesen über die diversen Rabbinen (orthodox und liberal), die Dozenten und Leiter des Rabbinerseminars und die verschiedenen Persönlichkeiten in Wirtschaft und Politik, Kunst und Wissenschaft. Wir lesen, wie der liberale Flügel der Gemeinde den militanten Reformrabbiner Abraham Geiger (welcher damals in Breslau amitierie) nicht als Rabbiner wollte und er Breslau verlassen musste. An dessen Stelle trat der vielmehr gemässigie und traditionsgebundene Rabbiner Manuel Joel, welcher mit dem orthodoxen Rabbiner Gedalja Tiktin freundschaftlich verbunden war. Trodzdem der liberale Flügel der Gemeinde der Grössere war, wurde der orthodoxe Rabbiner Tiktin von Friedrich Wilhelm IV zum „Königlichen Landesrabbiner von Schlesien" ernannt. |n der Gemeinde bildeten sich zwei Fraktionen — eine orthodoxe und eine liberale — an deren Spitze je ein Rabbiner stand, und so wurde die Breslauer Gemeinde ein Beispiel für Eintracht und Toleranz. Es ist interessant zu lesen, dass die „Storch Synagoge" bis 1872 dis liberale Synagoge war, während die orthodoxen Gemeindemitglieder in der kleineren aber sehr schönen Synagoge „Zum Tempel" auf der Antonienst,'. 30 beteten. Als 1872 die liberale „Neue Synagoge" am Anger 8 eröffnet wurde, wurde der „Storch" die orthodoxe Hauptsynagoge. Eine Galerie von jüdischen Gelehrten — Juristen, Mediziner, Professoren, -— Industrielle, Kaufleute, Politiker wie Ferdinand Lassalle, und der Ministerialdirektor im!nnenmin:sterium Hermann Badt. Hermann Badt hatte an der Tür seines Zimmers im Ministerium eine Mesusa. Er behauptete sein Name ist eine Abkürzung von Ben-David. Als er einmal das Ministerium vor dem Reichsgericht zu vertreten hatte und der Termin auf den Tag festgesetzt wurde, auf welchen Jom Kippur fiel, weigerte er sich zu erscheinen und so erschien eine spezielle Verordnung welche Badt davon befreite am Jom Kippur vor Gericht zu erscheinen. (Diese Verordnung ist unter dem Namen „lex Badt" bekannt). Danach kommen die Bilder, welche auf der Ausstellung gezeigt wurden. 409 Bilder welche alle Phasen des jüdischen Lebens in Breslau zeigen. Auf Bild 7 sehen wir die koschere Fleischerei von Heinrich Grünpeter. Vor dem Geschäft steht Herr Grünpeter mit weisser Fleischerschürze. Die jüdischen Geschäfte auf der Antonienstrasse (der „Pokoyhof" wo mein sei. Grossvater, M. Hauschner, seine Damenbekleidungsfabrik hatte) u.a.m. Im Kapitel Synagogen sieht man die Bilder des „Storch" und der „Neuen Synagoge" von . innen und von aussen. Die Kuppel der „Neuen Synagoge" überragte den ganzen Stadtteil. Am Ende des Buches — Bild 403 — sieht man die Ruinen der in der Pogromnacht 1938 zerstörten Synagoge welche abgerissen wurden. Interessant sind die 2 Listen von Kandidaten für die Wahlen zum Verband preussischer Synagogengemeinden und ihre Programme: eine Liste der Breslauer zionistischen Vereinigung, Misrachi und die Liste des konservativen Wahlhausschuss der Synagogengemeinde Breslau. Danach kommt die Geschichte des jüdischen Krankenhauses in Bildern; darunter ein schönes Bild der Krankenhaussynagoge und ein Bild der Chefärzte des jüdischen Krankenhauses und des Vbrstands der „Chevra Kadischa" anlässlich des 200 jährigen Bestehens der Chevra Kadischa im Jahre 1926. Darauf folgen die Kapitel über das Rabbinerseminar (der erste Direktor des Seminars war Zacharias Frankel und nicht Fränkel wie irr'ümlich gedruckt ist) und der Friedhöfe. In dem Kapitel über den jüdischen Frauenband sehen wir Bilder von Beate Guttman und Paula Ollendorf sowie ein Bild des Vorstands. Eines der schönsten und interessantesten Kapitel ist dasüber das. jüdische Museum. Dort wurden herrliche Kultgegenstände wie Kidduschbecher, Etrogimbüchsen, B'ssamimbüchsen, alte Bücher, Thoraschreinvohänge, Leuchter, Thorakronen u.a.m. ausgestellt. Es ist dort auch ein besonders schöner Thron des Elijahu Hanawf mit einer hebräischen Inschrift aus der Synagoge von Zülz aus dem Jahre 1782. Es folgen Bilder von Industriellen wie Familie Kauffmann, Bankiers (E. Heimann u.a.), Kaufhäuser (Bielschowski Petersdorff und Gottstein); von berühmten Ärzten, Wissenschaftlern und Künstlern. Ab Bild 388 beginnt der Artikel über den Antisemitismus. Bild 389 zeigt geschändete, mit dem Hakenkreuz beschmierte, Grabsteine (schon vor 1933). Danach sehen wir die Photographien vom Bbykotttag 1. April 1933, dem Vandalismus des 'Novemberpogroms 1938 bis zur Deportation der letzten Breslauer Juden in die Todeslager. Wir sehen nochmals die ruhmvolle Geschichte der Breslauer Juden von 1850—1944, an uns vorüberziehen. Eine blühende jüdische Gemeinde welche mit ihren Schwestern das Opfer des Nazivandalismus in Deutschland geworden ist. Das Buch schliesst mit den Worten von Rabbiner Leo Baeck s.A., nach seiner Befreiung aus Theres:enstadt: „Die Epoche der Juden in Deutschland ist ein für alle Mal vorbei". Unser Dank gilt Herrn Maciej Lagiewski für dieses prachtvoll ausgestattete Buch. M. E. Hauschner m mzm es* iiü» sm mm ms mm Wiederaufbau der einzigen erhaltenen Synagoge in Breslau (ALTE SYNAGOGE!N NEUEM GEWAND) Die einzige noch erhaltene Synagoge von Bresiau wird nun nach jahrelangem Rechtsstreit um die Eigentumsrechte mit finanzieller und praktischer Unterstützung aus Amerika wieder aufgebaut. 1938 wurden alle Breslauer Synagogen in der „Reichskristallnacht” von den Nationalsozialisten zerstört. Nur die Synagoge „Unter dem weissen Storch” in der Wallstrasse im Zentrum Breslaus, auch „Alte Synagoge” genannt, wurde nicht in Brand gesteckt. Sie stand in einem Hinterhof und die Nazis befürchteten, dass die umliegenden Gebäude Feuer fangen könnten. In den 40er Jahren benutzten sie sie dann als Sammelstätte für die Breslauer Juden, um sie von dort in die Konzentrationslager zu deportieren. Ais nach dem Krieg die deutsche Bevölkerung aus Breslau vertrieben wurde, siedelte man aus dem früheren Ostpolen Juden nach Breslau, in das heutige Wroclaw um. Sie erhielten die „Alte Synagoge”, die auch vom Bombenhagel verschont geblieben war. Nach dem Krieg entstand auch wieder jüdische Kultur in der grössten schlesischen Stadt. Doch aufgrund der antisemitischen Ausschreitungen und Hetzkampagnen des Jahres 1968 in Polen, wunderten sehr viele Juden aus, andere negierten ihre Herkunft. Ein Jahr später enteignete das Finanzministerium die Jüdische Gemeinde. Die Synagoge wurde unter anderem als polnisches Kulturzentrum und Lagerhalle verwendet. Das Breslauer Musikkonservatorium, das die „Alte Synagoge” 1989 als Eigentum vom Staat erhalten hatte, gab die Renovierung der Synagoge in Auftrag, konnte aber infolge der politischen Veränderungen das Projekt nicht vollenden und überliess die Eigentumsrechte einem polnischen Bauunternehmer — als Entschädigung für nicht beglichenen Rechnungen. Das Gebäude, dessen Dach eigentlich erneuert werden sollte, blieb über Jahre ungedeckt stehen, seiner Einrichtung beraubt und mit einem grossen Loch in der Grundfläche. Innerhalb weniger J3hre verfiel der stattliche Tempel der die Nazizeit, die Belagerung der „Festung Breslau” und mehrere antisemitische Hetzkampagnen in Polen überstanden hatte — bis nur noch eine Ruine übrigblieb. (Fortsetzung auf Seite 3)

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