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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 61 (1996) · p. Seite 22

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 61 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 22 (sequence 1420)
Language
German
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-7 Vom Schnorrer zum Money Raiser von HEINZWERNER GOLDSTEIN Man ärgert sich, wenn bei festlichen Veranstaltungen, in Verkehrsstrassen und Busstationen, eine bettelnde Hand ausgestreckt wird, oder, insbesondre in Europa, bei Rundfahren, die Wagentür nur wenig geöffnet wird, der Chauffeur oder Reiseleiter, sich mit einem „warmen Händedruck" verabschiedet,... Nach Wörterbüchern bedeutet der Schnorrer soviel wie Bettler, Landstreicher, aber es steht auch, dass er einmal Schnurrer genannt wurde. Die Vorfahren, Ahnen der heutigen Schnorrer, wanderten von Ort zu Ort, erzählten ihre Schnurren, wie die höfischen Minnesängerund später Bänkelsänger, sie wanderten von Burg zu Burg, um Tages- und Familienereignisse — auch Grüchte — weiterzugeben. Die Bevölkerung war ja nicht durch schnelle Nachrichtenübermittlung verwöhnt. Und so war der Schnurrer vielen Generationen eine Notwendigkeit, durch ihn erfuhr man Neuigkeiten, Klatsch, Familiengeschichten, gesellschaftliche Ereignisse, Heiraten, Geburten, Tod. Er war Träger und Verbreiter der Nachrichten, der für seine Schnurren honoriert wurde. Es gab keine Gebührensätze, keine „Zeilenhonorare", so bemühte1 er sich, seine Schnurren, durch heitere Einlagen zu bereichern, die die ihm zugedachten Gaben erhöhen sollten. In vielen Geoieten, insbesondere dort, wo Juden in kleinen Ortschaften oder Dörfer wohnten, gab es diesen „Beruf" fast bis zum grausamen Ende. Sie besuchten regelmässig ihre „Kunden", gleichsam Abonnenten und fühlten sich nicht als Bettler. Sie betrachteten ihren „Beruf" als Aufgabe, die ihre Berichte in den Wohnzimmern der Familien verkauften, Gemeindeklatsch- und Familientratsch, sie betätigten sich als „Schadchen", Heiratsvermittler. In kleinen Orten mit noch kleinerer jüdischen Bevölkerung beauftragte man ihn, passende EhepartnerTür die Kinder zu finden, eine wirkliche Konkurrenz entstand zwischen den Weltkriegen durch den Inseratenteil der sich ausbreitenden jüdischen Zeitungen in den Landessprachen. Der Schnorrer hat sein Bild gründich geändert. Im besten Falle sehen wir in ihm den Typ, den Sammy Gronemann humorvoll beschrieben hat, der Schnorrer, der in der Schnorrerei eine Aufgabe sieht, denn ohne ihn könnten die Anderen keine Mildtätigkeit ausüben, keine Zedaka... * In Amerika ist natürlich alles anders, in unseren Träumen besser, moderner. Und man hat dort einen Berufsstand kennen gelernt, deren Angehörige sich „Money Raiser" nennen, ein Wort mit dem ein Fremder wenig I anfage.i kann, das in keinem Wörterbuch erscheint, und die Einzelworte bedeuten soviel wie Geld aufheben. Von geborenen Amerikanern, den „Eingeborenen" dort, lernt man, dass es sich um Personen handelt, die um Summen werben mit vielen Nullen hinter der Zahl, nicht aber um Münzen, die man von der Strasse aufhebt, nachdem sie jemand verloren hat, sondern um Zahlungsverpflichtungen und Schecks... Voraussetzung für diesen Beruf oder Beschäftigung ist der äussere Einduck. Ein Money Raiser muss gut aussehen, modern gekleidet sein, und über ein gewisses Grundkapital verfügen, um die Gesellschaftsschicht die er erreichen will und muss, um ihr Herz und Portemonnaie zu öffnen. Er beschränkt sich nicht nur auf jüdische Gruppen. Es beginnt mit den Listen, die die Auftraggeber ihm zukommen lassen, denen er nach eigenen Erfahrungen Namen zusetzt. Der Money Raiser mietet einen Raum in einem als exklusiv bekannten Hotel oder Restaurant, versendet dutzende von persönlichen Einladungen für eine Cocktail-Party oder zu einem Treffen, zu einer Kaffeeparty, wenn es sich um Frauen reicher Männer handelt. Der Veranstalter begrüsst jeden der Anwesenden höflich, dann erzählt er seine „'Schnurren" — daran hat sich nichts geändert. Er beschreibt die Aufgaben, der von ihm vertretenden Gruppe, die auf Spenden angewiesen sei... Dem Vernehmen nach, was wir nicht nachprüfen können, sind die Kommissionen recht hoch. Die Zahlen, die hinter vorgehaltener Hand genannt werden, sind unterschiedlich. Aber die Arbeit wie die Spesen müssen sich lohnen für den Veranstalter, denn der Beruf — Money Raiser — wird nicht mitleidig abgewertet. Man ist wer, ist in den Bars der Hotels ein gern gesehener Gast. Unseren Schnorrern von den Autobusbannhöfen können wir kaum eine Berufsumschichtung anraten. Sie erzählen keine Schnurren mehr, ihr Äusseres passt wenig in die Atmosphäre der Luxus Hotels, sie geben keine Bescheinigung für die Einkommenssteuer... Amerika, du hast es besser... MATERIALIEN ZU EINER GESCHICHTE DER JUDEN Fortsetzung von Seite 21) das 20. Jahrhundert nur verstreut. Die einzige umfassendere Darstellung enthält: Brillinq. Rernhard. Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens. Entstehung und Geschichte. Stuttgart u. a. (1972) (= Studia Delitzschiana Bd. 14). (zit: Brilling). Die letzte Veröffentlichung zum Thema ist Adelheid Weisers Aufsatz „Die jüdische Gemeinde in Schweidnitz" in dem vom Kulturwerk Schlesien herausgegebenen Ausstellungskatalog „Schweidnitz im Wandel der Zeiten". Würzburg 1990, S. 284—86. (zit. Weiser). Der Verfasser des vorliegenden Textes stützt sich neben Brilling auf die „Chronik der Stadt Schweidnitz" von Wilhelm Schirrmann, Schweidnitz (um 1908), die „Bilder aus der Geschichte der Stadt Schweidnitz" von Heinrich Schubert, Schweidnitz (1911) und die (bis 1911 eng an Schubert angelehnte) „Geschichte der Stadt Schweidnitz" von Theo Johannes Mann, Reutlingen 1985. Für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg dienten als Quelle hauptsächlich Schweidnitzer Tageszeitungen, die sich in beträchtlichen, aber leider nicht lückenlosen Beständen in der Universitätsbibliothek Breslau und in der Bibliothek der kath. Pfarrkirche St. Stanislaus et Wenceslaus in Schweidnitz erhalten haben. Es handel sich um folgende Publikationen: MZ „Mittelschlesische Zeitung", Organ des Zentrums. 1919—1935 zuletzt „Volksblatt".) SZ „Schweidnitzer Zeitung" 1914— 1931, liberal. TR „Tägliche Rundschau" — 1945, konservativ-deutschnatiönal: ab 1952 in Dorfen/Qbb. dann in Reutlingen/Württ. MGZ „Mittelschlesische Gebirgszeitung", Verlagsort Waldenburg, später mit eigener Schweidnitzer Ausgabe — nationalsozialistisch; 1932-1945. MVF „Mittelschlesischer Volksfreund". Darüber hinaus brachte ein umfangreicher Briefwechsel mit Zeitzeugen manchen wichtigen Hinweis. Die Namen der Briefpartner werden aus Gründen der Diskretion nur abgekürzt wiedergegeben, wenn nicht eine ausdrückliche Ermächtigung zur Benutzung des vollen Namens vorliegt. OOO 22

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