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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 61 (1996) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 61 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 19 (sequence 1417)
Language
German
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MATERIALIEN ZU EBNER GESCHICHTE DER JUDEN (Fortsetzung von Seite 18) ten die „Nürnberger Gesetze" von 1935, veranlasste sicher viele weitere Juden, ihre Heimat aufzugeben — was damals Hauptziel der NS-Judenpolitik war. Andere blieben; sie hatten sich ja nichts vorzuwerfen, sie glaubten (oft eingestandenermassen gegen die verstandesmässige Erkenntnis), dass ihnen als unbescholtenen Bürgern, vielfach als Kriegsteilnehmern, nichts Schlimmeres geschehen werde — wenn sie bereit waren, gewisse Einschränkungen und Diskriminierungen hinzunehmen. Allerdings sinkt die Zahl der jüdischen Bürger bis 1937 auf 49. Die Geschäfte der Ausreisenden übernehmen „Arier". In der TR 1/1937 v. 2/3.1937 findet sich ein Inserat, in dem ein Artur Sczepanski bezüglich des Geschäfts von Ludwig Neumann, Langstr. 20, bekanntgibt: „Das Haus für Damenmäntel und -kleider ist seit dem 1. Januar 1937 ein arisches Unternehmen". Am 1.9.37 eröffnet das arisierte Kaufhaus Paul Jahntz, vormals Leopold Prager, neu. Der Seifenkaufmann Hermann Eckstein, Lang- / .Ecke Mittelstrasse, veranstaltet wegen Geschäftsaufgabe einen Totalausverkauf und bietet zur Lagerräumung extrem billige Preise. Rabattbücher würden noch bis 15.9.37 eingelöst. Das Geschäftslokal Ecksteins schreibt Leopold Prager, Langstr. 21b. am 3.9.37 zur Vermietung aus, wobei er den Plan eines modernen Aushaus ankündigt. Offensichtlich hoffte er, nach dem Rückzug aus dem Geschäftsleben als Privatmann noch unbehelligt in Deutschland bleiben zu können. Eckstein war offensichtlich nur Mieter: Eigentümer der Grundstrücke Markt 17, Langstr. 21 und Mittelstr. 2/4 war 1931 Prager. Ob und wann er und Eckstein Schweidnitz verliessen, ist unbekannt. Die Angabe bei Mann über eine körperliche Misshandlung Pragers deutet darauf hin, dass dieser wohl mindestens bis zum Pogrom des 10.11.38 dablieb. Bei Mann finden sich auch die Aussagen, dass die Reisswollefabrik von Tikotin durch deren Ingenieur Webner erworben wurde, während die Getreidehandlung von Schlesinger deren „christlicher Prokurist" Josef Feige übernommen habe. Letztere Angabe ist insoweit zu berichtigen, als in diesem Fall keine „Arisierung" im üblichen Sinne stattfand, da Feige bereits vor 1933 Komplementär in der damaligen Firma Schlesinger & Co. war und 1935 sämtliche Anteile erwarb. Einzelheiten der „Arisierungen" sind verständlicherweise heute noch zu ergründen. Es dürfte in Schweidnitz nicht anders gewesen sein als in den Städten, aus denen wir Genaueres wissen. Dort reicht die Skala der Verhaltensweisen von grosszügiger Hilfe über faires Verhalten bis zu rücksichtsloser Bereicherung auf Kosten der jüdischen Mitbürger. Zurück blieben in erster Linie kleinere Geschäftsleute, die ihren festen Kundenstamm hatten, der ihnen trotz mancher Anfeindung die Treue hielt. Die MZ gratulierte sogar noch am 21.6.34 öffentlich dem Inhaber des Galanterie- und Spielwarengeschäfts Gallewski am Schweidnitzer Ring, Erich Kohn, zum 60. Geburtstag. Wie in einem Spiegel erkennt man die Situation in Schweidnitz an gelentlichen Notizen im „Stürmer" des fränkischen Gauleiters Julius Streicher. Dieses, selbst vielen Nationalsozialisten zu primitive, antisemitische Hetzblatt, wurde auch in Schweidnitz in Glaskästen zur allgemeinen Lektüre ausgehängt. Die ersten zwei „Stürmer-Tafeln" wurden am 1.6.35 in feierlichem Rahmen unter Teilnahme der Politischen Leiter, von SA, DAF, der NS- Hago und vieler Partei- und Volksgenossen aufgestellt. Eine stand in der Nähe des E-Werks und der Pestalozzi-Schule an der Grabenstrasse. Neben den allgemeinen Hetzartikeln, Bildern und Zerrbildern enthielt jede Nummer eine Seite, auf der Menschen aus dem ganzen Reich an den Pranger gestellt wurden, wenn sie sich Juden gegenüber wie normale Menschen verhielten; nach Ansicht des Blattes zu „Judenknechten" wurden. Diese Rubrik zeigt aber auch, dass es — wie überall in Deutschland — in Schweidnitz Denunzianten gab, die entsprechende Meldungen nach Nürnberg weiterleiteten. Eine Blütenlese daraus soll die Atmosphäre der Bespitzelung deutlich machen, die sicher viele verunsichern und zu ängstlicher Zurückhaltung gegenüber dem jüdischen Mitbürger führen mochte andererseits aber auch zeigen, dass es nicht an Menschen fehlte, die sich dem Rassenwahn nicht anschlossen, darüber hinaus auch bewusst menschliche Anteilnahme nicht versagten. Nr. 27/Juli 1935: „Der Kaufmann Georg Frauboes in Schweidnitz gehörte 15 Jahre der demokratischen Partei in führender Stellung an. Herr Frauboes ist auch heute noch ein Freund der Juden. Bei der Beerdigung der Jüdin Cohn stand er mitten unter dem fremdrassigen Trauergefolge." Nr. 30/Juli 1935: „Der frühere Stadtrat und Demokrat Georg Frauboes ist schon vor längerer Zeit aus der „Deutschen Arbeitsfront" ausgeschlossen worden. Seine judenfreundliche Einstellung ist überall bekannt." Nr. 33/August 1935: „Der Lehrer Grundwald (sic!) (gemeint ist Felix Grunwald) von der katholischen Knabenschule, wohnhaft in der Kaiser-Wilhelm-Str. 19, hat von der nationalsozialistischen Weltanschauung keine Ahnung. Es wurde uns bestätigt, dass Lehrer Grundwald ein Judenknecht ist und seine Einkäufe laufend bei Gallewski-Kohn tätigt. Und solch ein Mann nennt sich Volkserzieher im Dritten Reiche-" Nr. 40/November 1935: „Die Inhaberin des Geschäfts E. Fuchs, Frl. Makalla, hat sich mit dem Juden Eugen Friedländer in Berlin verlobt. Wieder ein Fall von Rassenschande!" Nr. 45/November 1935: „Königszelt: Der Reichsbahn-Oberinspektor Schnell in Königszelt hat heute noch die Jüdin Frieda Silbermann in seinem Haushalt. Die Gesinnung des Schnell offenbart sich auch aus der Tatsache, dass er sich trotz günstiger Vermögensverhältnisse weigerte, der NS-Volkswohlfahrt beizutreten." Nr. 19/Mai 1936: „Er ist ein Judengenosse! Das NSKK von Schweidnitz bemühte sich, im Gasthaus „Zu den drei Hacken" (Friedrichstr.) eine Garage zu erhalten. Der Geschäftsführer dieses Gasthauses, der Volksgenosse Max Kasper, lehnte den Wunsch des NSKK ab und gab den Bescheid, es wäre alles besetzt. Für den Juden Jacks aus der Burgstrasse jedoch hatte er eine Garage übrig. Max Kasper ist kein Volksgenosse, sondern ein Judengenosse. Dies diene der Schweidnitzer Öffentlichkeit zur Kenntnis." Nr. 30/Juli 1936: „Ein Judenfreund im geistlichen Gewände. Lieber Stürmer! Unsere Geistlichkeit sollte dem Nationalsozialismus dafür besonders dankbar sein, dass er den jüdischen Bolschewismus in Deutschland zerschlagen und ausgerottet hat. Gerade die Geistlichkeit müsste vor die Gläubigen hintreten und sie belehren über das furchtbare Wirken des vom Juden gegründeten und geleiteten bolschewistischen Gedankens. Manche Pfarrer und Pastoren wollen aber davon nichts wissen. Sie machen sich offensichtlich zum Beschützer der jüdischen Rasse und bekennen sich als Freunde derjenigen, die unser neues Deutschland zu vernichten trachten. So haben wir an der Friedenskirche zu Schweidnitz den Pastor Schulz. Er gehört der Bekenntnisfront an. Pastor Schulz gibt seiner Judenfreundlichkeit dadurch Ausdruck, indem er in das Schokoladengeschäft des staatenlosen Juden Better in der Burgstrasse geht und dort Einkäufe macht. Ein Mann also, der Stellvertreter Christi sein soll, kauft bei einem Angehörigen jenes Volkes, von dem Christus einst gesagt hat, sein Vater wäre der Teufel. J." Nr. 7/Februar 1937: „Der Pastor Siegmund Schultze (sic!), richtig: Joachim Siegmund-Schultze, aus Ober-Weistritz (Krs. Schweidnitz) tritt für die Nachkommen der Christusmörder ein und macht Einkäufe bei dem Juden Gallewski-Cohn (sic) (richtig: Gallewski, Nachf. Erich Kohn) in Schweidnitz". Nr. 11/März 1938: „Die Gemeindeschwester Martha Blümel von Ober- Weistritz (Krs. Schweidnitz in Schlesien) verweist Erkrankte an den Judenarzt Dr. Adamkiewicz in der Kaiser-Wilhelm- Str. 12 zu Schweidnitz." Die Partei stellte auch Listen mit den Namen jüdischer Geschäfte zusammen und veröffentlichte sie durch Aushang oder Abdruck in den Tageszeitungen. Ich konnte selbst noch kein Exemplar finden, doch belegt die Existenz solcher Listen auch für Schweidnitz folgende Erinnerung der Tochter eines („arischen"!) Schweidnitzer Geschäftsmannes: „Ich erinnere mich noch gut, dass unter den Geschäftsnamen, in denen ein „anständiger Deutscher" nicht kaufe, weil jüdisch, auch dick und fett der Name meines Vaters stand — der ja nun allerdings kein Jude war. Er selbst hat sich gegen diese Verleumdung nicht zur Wehr gesetzt — das war ihm viel zu schmutzig — aber meine Mutter und mein ältester Bruder waren damals bei der Kreisleitung mit den entsprechenden Unterlagen, und so erschien einige Zeit darauf eine Berichtigung — allerdings nur ganz klein gedruckt und ar. unauffälliger Stelle. (Fortsetzung auf Seite 20) If

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