Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1996
- Issue
- No. 61 (1996)
- Date
- 1996-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1413)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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War Schlesien wirklich ohne Juden! KRITISCHE ANMERKUNGEN ZUR ZWEITEILIGEN DOKUMENTATION DES „ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN", „SCHLESIEN - BRÜCKE IN EUROPA" In der Redaktion unserer Mitteilungen erhielten wir einen Brief von Frau Gaby Rehnelt und Herrn Hans Adamo aus St Nabor/Alsace in welchem sie uns mitteilten, dass in dem Dokumentationfilm „Schlesien — Brücke in Europa" das Judentum Schlesiens und seine Geschichte nicht erwähnt wird. Und wie Frau Rehnelt es definiert: „Eine Geschichte Schlesiens ohne Juden". Als Frau Rehnelt und Hans A.damo bei der Zuschauerredaktion anriefen um ihr Befremden darüber Ausdruck zu gebebn erklärte einer der Mitarbeiter der Redaktion, dass es in Schlesien keine Juden gegeben habe. Wir geben nachfolgend den Brief von Frau Rehnelt und Herrn Adamo an die Chefredaktion des ZDF teilweise wieder und danken ihnen für ihr Intresse an der Geschichte der Juden in Schlesien. Wir stimmen ganz und gar mit Frau Rehnelt und Herrn Adamo überein welche schrieben: „Der Antisemitismus hat viele Formen. Eine von ihnen besteht darin, Geschichte „judenfrei" zu machen". „Sehr geehrte Damen und Herren, In ihrer Filmdokumentation vermitteln Sie eine Geschichte Schlesiens ohne Juden. Im 1 .Teil wird lediglich einmal kurz der jüdische Friedhof in Breslau erwähnt, während in der 2.Folge das Wort Juden nicht ein einziges Mal vorkommt. Als wir unmittelbar nach der Sendung in Ihrer Zuschauerredaktion anriefen, um unser Befremden mitzuteilen, erklärte ein Mitarbeiter der Redaktion, dass es in Schlesien keine Juden gegeben habe. Wenn es in Breslau aber einen jüdischen Friedhof gibt, den Sie ja erwähnt haben, dann müssen in der Stadt ia wohl auch Juden gelebt haben, und sicherlich gibt es auch heute wieder eine Jüdische Gemeinde in Wroclaw. Die Vermittlung eines „judenfreien" Schlesiens ist umso unverständlicher, als Breslau um die Jahrhundertwende nach Berlin und Hamburg die drittgrösste Gemeinde in Deutschland mit über 23000 Juden war. Überregionale Bedeutung hatte das Jüdisch-Theologische Seminar. Es gab in der Stadt über 50 Gruppen und Vereinigungen, die sich mit sozialen Anliegen und der Förderung der jüdischen Kultur befassten. Juden waren in führenden Positionen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens tätig. Nur ca. 160 Breslauer Juden überlebten die Nazi-Barbarei. Ausführlich berichten Sie über die Geschichte des gemeinsamen christlichen Glaubens von Deutschen und Polen, über die Vielzahl der Kirchen (in Breslau gab es eine prächtige Synagoge, die unerwähnt bleibt), über eine angeblich schlesische Toleranz und über das Unrecht der Vertreibung von Deutschen — aber warum wird die Geschichte der Juden in Schlesien, zu der auch mehrere Vertreibungen gehören, völlig ausgekiammert? Sie geht bis in das 13. Jahrhundert zurück, und ein Schlesien ohne Juden hat es seit dieser Zeit nie gegeben! Etwa 1880 etwa hatte Schlesien 53000 jüdische Einwohner. Wenn dies auch „nur" etwas über 1% der Bevölkerung waren, so lag ihr geringer Anteil nicht an den Juden, sondern an der antisemitischen Unlerdrückungspolitik des Proussisch/Deutschen Reiches. Aber das passt nicht in das von Ihnen schöngefärbte Schlesien-Bild. „Schlesien — Brücke in Europa": wenn dies so stimmt, dann darf doch nicht verschwiegen werden, dass die jüdische Minderheit zu den tatkräftigsten Brückenbauern gehörie! 5 der 14 jüdischen Nobelpreisträger Deutschlands kamen z.B. aus Schlesien, darunter der bedeutende Naturwissenschaftler Prof. Max Born. Von 1922 bis zu seiner Entlassung durch die Nazis war er Direktor des Instituts für Theoretische Physik in Göttingen, emigrierte 1933 nach England. 1957 gehörte er zu den 19 Göttinger Professoren, die sich öffentlich gegen die Bewaffnung der BRD mir Atom—und Nuklearwaffen aussprachen. Die Beispiele Hessen sich fortsetzen. Vom „gemeinsamen Erbe" erzählen in Ihrer Dokumentation breit angelegt die Schlösser Schlesiens; genannt werden die Namen von Herzogen und Fürsien. Aber einer der Adeligen, der es verdient hätte, erwähnt zu werden, bleibt ebenfalls aussen vor: Graf von Hoym, Schlesischer Provinzialminister, ein Freund der Juden, der sich unter Friedrich II. für eine humane, verfassungsgemässe Behandlung der Juden einsetzte. Wir möchten es bei diesen wenigen Beispielen belassen und Ihnen die umfangreiche Literatur empfehlen, die es über die Geschichte der Juden in Schlesien gibt. Abschliessend wiederholen wir unsere Meinung, die wir in unseren Telefongesprächen mit Ihrer Zuschauerredaktion äusserten: Der Antisemitismus hat viele Formen. Eine von ihnen besteht darin, Geschichte „judenfrei" zu machen. Und wenn es in der Geschichte Juden nicht gegeben hat, dann braucht in der Gegenwart über sie nicht gesprochen zu werden. Welch schlimme „Logik"! Last but not least: Der jüdische Sozialist Ferdinand Lassalle, auch aus Breslau stammend, Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, blieb bis zu seinem tragischen Tod Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Die bedeutenden politischen Nachwirkungen dieses Schlesiers sind bekannt. Aber auch von ihm nimmt die Schlesien-Dokumentation des ZDF keine Notiz." Rabfo. Dr. Simonsohn s.a. — zum 60. Jahrzeitstag (Fortsetzung von Seite 3) liess den Verstorbenen seine Menschen zur Rückkehr zum Erbe Erez Israel und zur Familie, zur grossen Familie, Israel, mahnen. In sieter Sorge um sein Volk habe er in der Erziehung der jüdischen Jugend den Sinn seines Lebens gesehen, das er an der Seite seiner alles mit ihm teilenden Gattin verbrachte. Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein zeichnete in seiner Ansprache die Persönlichkeit und die Gedanken des Verstorbenen, die dieser mit glühender Begeisterung verfochten. Im Austausch der Ansichten schwebte Simonsohn und ihm stets das gleiche Ziel vor: jüdische Gemeinde und Judentum. Seine Selbsthingebung und Aufopferung, sein stets offenes Haus haben das Bifd vervollständigt. Für die Familie des Verstorbenen sprach Rabbiner Dr. Freimann-Berlin und am Schluss Dr.' Lewy. Für den Allgemeinen Rabbinerverband sprach Rabbiner Dr. J. Horovitz, Frankfurt a. Main, der auch die Teilnahme des Preussischen Landesverbandes übermittelte. Für den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Breslau sprach der stellvertretende Vorsitzende. Dr. Freyhan über eine Persönlichkeit wie Dr. Simonsohn, die alle in ihren Bann zog. Wir können G"tt danken dass Simonsohn unser war und mit uns beweine ganz Israel den Verlust. In seinem Sinne würden wir sein Werk fortsetzen. Für das Breslauer Rabbinerseminar sprach Prof. Dr. Heinemann. In seiner glühenden Liebe für den Klall Israel und zur Welt habe dem Verstorbenen dauernd das Vorbild seines unvergessenen Lehrers, Israel Lewy s. A., vor Augen gestanden. Dr. Simonsohn habe immer sich zur Verfügung gestellt, wenn man ihn gerufen habe. Den Gedanken des Sohar, der auf der einen Seite die unbedingte Treue zum Gesetz fordert, auf der anderen aber von der ewigen Existenz des jüdischen Volkes überzeugt ist, selbst wenn es an seine Pflicht gemahnt werden müsste, hat sich der Verblichene zu eigen gemacht. Seine Bejahung des neuen Geistes, der aus Erez Israel komme, habe er in seiner Liebe zur hebräischen Sprache, zur Religion und zur Jugend zum Ausdruck kommen lassen. Er habe nicht gewollt, das wir die Sprache ändern, weil er nicht gewollt habe, dass wir den Namen G"ttes ändern. Für die Schulzweige des Jüdischen Schulvereins sprach Direktor Dr. Abt. Das El-mole-rachamim sang Oberkantor Weiss. I Dem Sarge folgte auf dem Wege zum Grabe eine unübersehbare Trauergemeinde; voran schritten Schüler. Als der Sarg in die Gruft gesenkt war, sprach R.-A. Dr. Apt für die Loge. F. G. N. Nachbemerkung zum Artikel „War Schlesien wirklich ohne Juden"? Kurz vor Redaktionsschluss erhielten wir durch Prof. Walk vom Leo Baeck Institut, die Reaktion vom „Zweites Deutsches Fernsehen" und eine quasi Entschuldigung in Bzg. der Sendung „Schlesien — Brücke in Europa". Wir hoffen in unser nächsten Nummer darauf zurückzukommen. 15