Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1996
- Issue
- No. 61 (1996)
- Date
- 1996-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 1412)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Alexander Bärwald-der Erbauer des Technion in Haifa Zu den wenigen architektonischen Bauten, die auf die Vergangenheit des Landes und insbesondere Haifas hinweisen, gehört das alte Gebäude des „Technion" innerhalb der Wohnsiedlungen der Stadt, an den Carmelhängen, und das glücklicherweise gerettet wurde und nach gründlicher Restaurierung seit 1986 das „National Museum für Wissenschaften, Planung und Technik" beherbergt. Die Geschichte des Hauses wie der Personen, die am Beginn unseres Jahrhunderts den seinerzeit phantastisch anmutenden Plan zur Ausführung brachten, gehört zur Geschichte des Landes, insbesondere Haifas. Vieleicht war es die Traumvorstellung Herzls, der in seinem Zukunftsroman „Altneuland" Haifa, den Ort, den er nicht kannte, die Bedeutung gab. Ein weiterer „Zufall" ist es, dass der Plan und die Durchführung nicht von den seinerzeit zionistischen Gruppen ausging, die erst später, nach dem 1.Weltkrieg, das Gebäude und damit die Aufgabe übernahmen. •¥• Der im Jahre 1901 gegründete „Hilfsverein der deutschen Juden" errichte 1902 im damaligen Palästina, der ottomanischen Provinz Südsyrien, ein Schulnetz vom Kindergarten bis zum Lehrerseminar. Es war die Vorstellung des Leiters, Paul Nathan, 1857— 1927, dem Schulwerk eine Realschule wie eine technische Lehranstalt anzugliedern, Begriffe, die im Lande unbekannt waren, Für das Projekt reichten die Mittel des Hilfsvereins nicht aus. Paul Nathan, der Nichtzionist, wollte durch das Schulwerk das zionistische Aufbauwerk unterstützen, fand Gleichgesinnte, die sich am Plan des „Technikums" beteiligten. Kalonymus Wissotzky, 1824— 1904, hinterliess 100,000 Rubel, Jakob Schiff, 1847—1920, in Frankfurt geboren und in Amerika erfolgreicher Bankier, gab 100.000 Dollar. In dem Verwaltungsrat sassen neben Vertretern des Hilfsvereins, Achad Ha'am, Londoner Leiter der Wissotzky Teefirma, Jechiel Tschlenow und Schmarjahu Lewin. Das Grundstück, ausserhalb der damaligen Kleinstadt Haifa, wurde 1909 erworden, als Architekt Alexander Baerwald angesprochen, der später erster Dozent der Fakultät für Architektur wurde. Ein junger Architekt, dem im Jahre 1906 die Schinkel Medaille für einen Museumsentwurf zugesprochen wurde. Als der Hilfsverein sich an ihn wandte, arbeitete er im Preussischen Arbeitsministerium. Er reiste 1909 in das Land, um die Baustätte kenen zu lernen. Moderne Architektur hatte keine Vorbilder im Lande. Er bemühte sich, das Gebäude harmonisch mit der Landschaft zu verbinden. Der Grundstein wurde 1912 gelegt. Die Arbeiten schritten schnell voran, das Gebäude stand bis zum Kriegsausbruch wie das Gebäude der Realschule, deren Leitung Dr. Arthur Biram angetragen wurde, die später im Volksmund zur „Biram Schule" wurde. Die für 1913 geplante Eröffnung musste verschoben werden, nachdem der Lehrerverband den „Sprachenkampf" proklamierte. Man war dagegen, dass neben dem hebräischen auch deutsch als Sprache des „Technikums" vorgevon HEINZWERNER GOLDSTEIN sehen war. Die ersten Dozenten, Jahrzehnte später, mussten oft die für sie übersetzten Vorlesungen hebräisch in lateinischen Buchstaben ablesen. (Heute ist es Voraussetzung, dass die Studenten die englischen Fachausdrücke und Begriffe beherrschen.) Im ersten Weltkrieg diente das Gebäude als Lazarett, zuerst dem türkischen Heer, dann dem britischen. Später erwarb es die Zionistische Organisation, das Gelände wie die Bauten, denn eine Organisation mit dem Sitz in Deutschland konnte in den ersten Jahren des Mandats nicht aktiv sein. Die neue Aera begann mit inneren Auseinandersetzungen. Die „Praktischen" wollten eine Handwerkerschule, da es billiger komme, die wenigen Ingenieure, im Ausland ausbilden zu lassen. Schliesslich setzten sich die „Idealisten" durch. Im Winter 1924/25 konnte der Plan Paul Nathans und der Gründer verwirklicht werden, die technische Hochschule wurde eröffnet, offiziel am Tu B'Schwat, 9.Februar 1925. Es waren 18 Studenten, zwei Gruppen, Bauingenieure und Architektur. Im Jahre 1933 wurde eine technische Gewerbeschule angeschlossen, die zum Junior Technical College ausgebaut wurde. Die Zahl der Studenten vergrösserte sich, insbesonders während der dreissiger Jahre,wie auch die der Dozenten. Sie kamen nicht nur aus dem Kreis der Einwanderer aus Mitteleuropa, insbesondere aus Polen schickten begüterte Familien ihre Söhne zur Ausbildung ins Land. Die Zahl der Fakultäten vergrösserte sich, heute umfasst sie alles -was man mit technischen Wissenschaften bezeichnet, Aeronautik, Chemie, Lebensmittel und Biotechnik, Industrie und Verwaltungstechnik, Mathematik, Physik, einem A^usbildungszentrum für Lehrer der technischer Gebiete, Elektrizität, Elektronik, den Computerwissenschaften bis zur Kernphysik den Nuclear Siences. Seit 1952 werden 2 und 3 akademische Grade, Magister und Doktorate verliehen. Nach der Staatsgründung wurchs der Aufgabenkreis der Anstalt. Der Platz in und um das Gebäude, wo Baracken aufgestellt wurden, reichte nicht. Anfang der fünfziger Jahre reifte der Plan einer „Stadt des Technion", Kirjat ha Technion. Auf dem Carmel, ausserhalb der damals noch kleinen Siedlung Nave Shaanan wurde ein Gebiet von 120 Hektar reserviert, gegen 4.8 ha um das alte Gebäude. Die ersten Fakultäten übersiedeln schon 1953. Heute zählt der Campus mehr als 100 Gebäude, Wohneinheiten, Sportanlagen, ein langes Strassennetz, seit 1969 eine Synagoge, in der regelmässig G"ttesdienste abgehalten werden. Während der Jahre der Aktivität haben Tausende Ingenieure, Architekten, Wissenschaftler ihre Ausbildung am Technion erhalten. Es bestehen Kontakte wie gemeinsame Forschungsaufgaben mit technischen Hochschulen und Universitäten vieler Länder, wie Amerika, die Bundesrepublik, Frankreich und anderen. •¥■ Dem Besucher, aber auch dem Spaziergänger bleibt der Blick auf das Gebäude verborgen. In den dreissiger Jahren glaubte man unbebautes Land „auzunutzen", und zum Abschluss des geplanten Parks vor dem Hochschulgebäude, ein Geschäftshaus aufstellen zu müssen und man nur durch Nebenstrassen das Gebäude erreichen kann. Der Umweg lohnt sich, um einen Blick auf den imposanten Bau zu haben, wie er 1909 geplant war. Er passt sich den leichten Bodenerhöhungen an, die hohen Fenster der Flügel, die breite Eingangstreppe mit den Reliefbüsten von Baerwald und Paul Nathan im Inneren, geben dem Haus eine vollkommene Symetrik. Nach dem Plan führt das Tor in die hohe Eingangshalle, in der das Treppenhaus zu dem Oberstock liegt. Baerwald bemühte sich die toppographischen Gegebenheiten auszunutzen, das Gebäude harmonisch mit der Landschaft zu verbinden. An den Carmelhängen gab es Gebäude oder Strassen. Die Stadtvierfei Herzlia und Hadar Hacarmel haben sich in den zwanziger Jahren an und um das Technion entwickelt. Lange Jahre verwendete Baerwald in seinen Entwürfen Steine zum Verkleiden der Aussenwände, die sich der Umgebung anpassen. Zu seinem Stil gehören geometrische Formen, Würfel, Prismen, bemüht lokale Werte mit moderner Technik zu verbinden. Am Technion wird er zum ersten Lehrer der Architektur, bis zu seinem frühzeitigen Tod, 1930. Seine Lehrtätigkeit, sein Stil, der Versuch europäisches Gedankengut mit der lokalen Atmosphäre zu verbinden, konnte sich im Lande nicht verwurzeln. Die Einwanderung der dreissiger Jahre brachte bekannte europäische Architekten und mit ihnen den nüchternen Betonbau, Erbe der Bauhausperiode. In den Jahren seiner Tätigkeit errichtet Baerwald Privathäuser, wie das für den Maler Hermann Struck, 1876—1944, der seit 1920 in Haifa lebte, das erste Gebäude der Anglo-Palestine Company in Haifa. Selbst dort, wo er mit Beton baute wie das Hotel Palatin, bleiben die Formen erhalten, um-plastische Kontraste zu erreichen, die weite Halle, hohe Fenster, ausgebaute Erker, den orientalischen Steinbauten nachempfunden. In Projekten der letzten Jahre wich er von diesem Stil ab, in einem nicht ausgeführten Plan einer Siedlung in Jerusalem, wie das Emek Hospital in Affule, 1930. Er stellte die ersten Gebäude für die Kraftwerke in Haifa und Tiberias auf, und plante schon 1925 ein grosszügiges Handelszentrum für die Hafenstadt. * Es war ein glücklicher Einfall, dem leerstehenden Gebäude eine Aufgabe zu geben, das Haus zweckentsprechend zu erhalten. Im Jahre 1986 wurde es zu einem „Museum der Wissenschaften" — so der englische Titel, hebräisch, „National Museum für Wissenschaften, Planung und Technik, dem „Daniel und Matilde Recanti Zentrum", das in der kurzen Zeit seines Bestehens Aufmerksamkeit vieler technisch interessierten Menschen, insbesondere der Schüler, gefunden hat. ★ (Fortsetzung auf der letzten Seite) 14