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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 61 (1996) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 61 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 12 (sequence 1410)
Language
German
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(Fünf Essays, zum Gedenken an den fünfzigsten Todestag von Rabbiner. Dr. Leopold Lucas) 1872 (Marbung) — 1943 (Theresienstadt), herausgegeben von Franz D. Lucas) Vier Jahrzehnte waltete Rabbiner Dr. Leopold Lucas als Rabbiner u. Seelsorger an der traditionsreichen jüdischen Gemeinde Glogau. Noch 1940 folgte Dr. Lucas dem Ruf von Dr. Leo Baeck an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Im Dezember 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau Dorothea ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wo er an Erschöpfung und Krankheit am 13. September 1943 erlegen Ist. Seine Frau wurde im Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Zum Andenken an den 50. Todestag von Rabbiner Lucas veranstaltete die Universität Tübingen — von welcher Rabbiner Lucas promoviert wurde — eine Vortragsreihe von 5 Vorlesungen, welche sich mit den verschiedenen Problemen des Judentums in Deutschland befassen. Diese 5 Vorträge wurden von dem Sohn von Rabbiner Lucas als Buch herausgegeben. Der erste Vortrag von Dieter Langewiesche, „Revolution und Emanzipation 1848/49" betitelt, behandelt dieses Thema von verschiedenen Gesichtspunkten aus. Heute kann man rückschauend sagen, dass nachdem die Emanzipation der Juden Deutschlands sich als eine „Fata Morgana" erwiesen hat, Monica Richarz diese Lage richtig definiert hat: „Im ganzen gesehen konnte die Integration der jüdischen Bevölkerung in die Gesamtgesellschaft, die niemals eine vollständige gewesen ist, binen sechs Jahren in einem Umfang rückgängig gemacht werden, der fragen lässt welche Realität sie vor 1933 überhaupt gehabt hat". Der Antisemitismus war in der Bevölkerung vorhanden. Der Verfasser erwähnt die Auseinandersetzung zwischen Martin Buber, der 1939 erklärte dass dies „das Ende der deutsch-jüdischen Symbiose" sei, während Gerschom Scholem kategorisch erklärte: „Den deutsch-jüdischen Dialog habe es nie gegeben". Es war von jüdischer Seite ein „Schrei ins Leere, unerwidert von den Deutschen" (S.14). Der zweite Vortrag befasst sich mit der Philosophie Max Horheimers und der Referent Oswald Bayer bemüht sich um die Untersuchung des Einflusses des Judentums auf die Philosophie von Max Horkheimer. Der Vortrag ist betitelt „Die Furcht dass es G"tt nicht gebe". Horkheimer drückt seine „Sehnsucht zu G"tt" aus. In einer Zeit, in welcher die Philosophie von Nietzsche vom „Übermenschen" in die Theorie der Nazis aufgenommen wurde und seine Devise dass „G"tt tot sei" und „ich fürchte wir werden G"tt nicht los" alle die dunklen Kräfte entfesselten, welche den Holocaust herbeiführten. Der Referent führt aus, dass für Horkheimer „Gerechtigkeit" die wesentliche Eigenschaft G"ttes ist, also im krassen Gegensatz zu den g"ttlosen Naziverbrechern. Aus diesem Glauben heraus erwartet Horkheimer die „Solidarität alles Lebendigen" d.h. aller Menschen, ihre versible Ungerechtigkeit — wie die in Auschwitz — wiedergutzumachen. Aber nach der Ansicht von Horkheimer kann die Idee "vollendeter Gerechtigkeit niemals ganz verwirklicht werden" denn das vergangene Elend kann niemals gutgemacht werden. In dem dritten Vortrag befasst sich Ste¬ GESCHICHTE UND GEIST fan Schreiner mit „Leopold Lucas Interpretation des jüdisch-christlichen Schismas". Dieser Vortrag ist eine Interpretation und Würdigung des Buches von Lucas „Zur Geschichte der Juden im vierten Jahrhundert — Der Kampf zwischen Christentum und Judentum". Stefan Schreiner untersucht hier den jüdisch-christlichen Konflikt auf Grund historischer Quellen. Um das Judentum vor dem Einfluss der Abtrünnigen (M'nim) und zum juden drei Tage vor jüdischen Feiertagen". Es heisst aber im Trak- 1at Awoda Sara, 1. Kapitel, 1. Mischna: „Drei Tage vor den Feiertagen der Nichtjuden ist es verboten mit ihnen zu handeln; ihnen zu leihen und von ihnen zu leihen...". Das Konzil von Nizäa (325) setzte Dogmen des normativen Christentums, auch den Juden gegenüber fest. Der Konzilteilnehmer Eusebius von Caesarea schreibt in seinem Bericht über das Konzil an Kaiser Konstantin über die Sitte der Juden „die ihre Hände * M9HSS&M y;»- V ' ».->**-' .VAl 4 Denkmal zum Andenken an die von den Nazis 1938 zerstörte Synagoge in Glogau — in zwei Sprachen: Hebräisch und Polnisch. Eingeweiht am 9. November 1993. Fotografiert von Ingeborg und Ossi Hensler. Christentum übergetretenen (Meschumadim) zu schützen musste eine scharfe Abgrenzung vorgenommen werden. In diesem Vortrag kommt die scharfe Abgrenzung zwischen Judentum und Christentum nicht genug zum Ausdruck. Es wird z.B. nicht erwähnt, dass schon zur Zeit des 2. Tempels die 10 Gebote während des G"ttesdienstes im Heiligtum nicht mehr gesagt wurden. Bis zur Entstehung des Christentums waren sie ein integraler Bestandteil des G"ttesdienstes im Heiligtum. Aber dann lernen wir im Traktat Berachot 12, dass unsere Weisen das Lesen der 10 Gebote im Tempeldienst aufgehoben haben „wegen der ,Minim' ". Denn die „Minim" behaupteten (so auch das christliche Dogma), dass nur die 10 Gebote Moses am Berge Sinai gegeben wurden, während die jüdische Überlieferung sagt, dass die ganze Tora gegeben wurde. Ausserdem wurde von dem Tanaiten Schmuei Hakatan (50 Jahre nach der Zerstörung des 2. Tempels) im Auftrag von Rabban Gamliel, der Spruch gegen die Minim und Meschumadim (im Achtzehngebet) verfasst. Auch soll hier auf einen Fehler hingewiesen werden: Auf Seite 65 steht: „Schliesslich wurde in dieser Zeit auch ein Grossteil der Halachah festgelegt, die die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden betrafen: das Verbot des geschäftlichen Verkehrs mit Nichtmit ungeheuerlichsten Verbrechen befleckten und geistig blind sind". Also eine grade Linie führt vom Kreuz zum Hakenkreuz. Das Thema des 5. Vortrags ist „Martin Bubers philosophisch-pädagogische Anschauungen auf dem Hintergrund des Chassidimus". Der Vortragende, Karl Ernst Nipkow, verfällt dem Fehler wie so viele Forscher welche sich mit Buber befassen: Er spricht über „Bubers Weg zum Chassidismus" und zur chassidischen Lehre. Buber kam zwar schon als Kind mit Chassidismus und Chassidim durch seinen Grossvater in Berührung, aber er entfernte sich davon, und seine spätere „Hinwendung" zum Chassidismus ist nur das Gebiet seiner Forschung. Seine Lebensführung bleibt weiter unreligiös, ohne die Befolgung der Gebote der jüdischen Lehre. Es gibt keinen Chassidismus ohne strikte Einhaltung der „Mitzwot" — Gebote und Verbote. Buber war sehr mit der Erwachsenenbildung verbunden. Bis 1933 mit der allgemeinen und nach 1933 mit der jüdischen. Bubers philosophische-pädagogische Anschauungen basieren auf den diversen philosophischen Anschauungen seiner Zeit und wie Hipkow richtig bemerkt (S.89) ist der Chassidismus nicht die einzige Quelle seiner Gedanken. Nipkow befasst sich mit allen (Fortsetzung auf Seite 13) 12

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