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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 61 (1996) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 61 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 5 (sequence 1403)
Language
German
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GEDENKSTEINE (Forseizung von Seite 4) Die Torahvorlesung begann und durch die Glassfenster schaute ich auf den Hof. Dort ist meine Tante Meta Bernstein aus Oels auf den Autobus nach Theresienstadt verladen worden und wir haben ihr nachgewinkt. In den Gestapoakten steht ihr Name und ihre Transportnummer IX/2, der von Breslau am 31.8.1942 abfuhr. Ihre Haeftlingsnummer war 904 und sie starb in Theresienstadt am 29.10.1942, ganze zwei Monate spaeter. Oder ist sie gestorben worden? Die Zeit zu traeumen war vorueber, mein Aufruf war an der Reihe. D'e Torah brachot wurden von mir im Minhag= Breslau Neue Synagoge geleint. Der „Moische" (Herr Schoenfeld), der die Barmitsvahjungen in der Neuen Synagoge ueberwachte, so dass die B'rachot mit preussischer Prezision vorgetraqen wurden, waere sicher auf mich stolz gewesen. Am Ende des G"ttesdienstes gab es Kuchen und „Wein" und man gab mir die Ehre Kiddusch zu machen. Lewandowskis „V'schamru" war angebracht, aber die „p'ri hagafen" war (mir unbekannterweise) eine „p'ri schasif". Das letzte mal habe ich in Breslau waehrend der Hitlerzeit Kiddusch mit „Magermilch" gemacht, also, warum nicht auch mal mit „Slibovitz". Der G"ttesdienst war ein schoenes Erlebnis. Die fremden Menschen wurden Freunde, der fremde Minhag wurde ein Bindeglied zwischen der Erinnerung und der Wirklichkeit. Die juengeren Mitglieder der Gemeinde moechten gerne mit Hilfe einer amerikanischen Stiftung den „Storch" in ein juedisches Museum ausbauen. Der Zustand dieses Gebaeudes macht die Kosten, es in einen brauchbaren Zustand zu restaurieren, sehr fraglich. Inzwischen bleibt die Storchsynagoge ein Denkmal fuer das fuedische Leben Breslaus. Am naechsten Tag besuchten wir den „Sueden". Die Barkochba=Turnhalle in der Neudorfstrasse ist verschwunden. In der Kirschallee steht noch unversehrt der grosse Bau des juedischen Aliersheimes. Ich habe noch dort mit den Kindern des juedischen Waisenhauses eine Woche gewohnt, bis die Nazis das Haus fuer Volksdeutsche beschlagnahmt haben. Der Heimleiter, Herr Koenigshoefer, hat in dem schoenen Betsaal den G"ttesdienst abgehalten. Zu damaliger Zeit, war das ganze Gebaeude voellig verwanzt und man wurde dort in der Nacht lebendig aufgefressen. ' DIE JÜDISCHE GEMEINDE IN WROCLAW/BRESLAU ist an dem Buch - von Guido Kisch über das Breslauer Rafcbinerseminar interessiert. Wer bereit ist dieses Buch der Gemeinde Wroclaw/Breslau zur Verfügung zu stellen, wende sich bitte an: The Jewish Congregation in Wroclaw. Gmina Wyznaniowa Zydowska we Wroclawu, Wlodkawica 9, 50-072 Wroclaw. Das Beate Guttmann Heim steht auch noch und ist jetzt ein Teil des juedischen Krankenhauses. Das Krankenhaus sieht noch genau so aus, aber der Schein truegt. Das Hauptgebaeude war stark beschaedigt und ist innen anders ausgebaut worden. Ich habe vergeblich nach dem Synagogenraum gesucht. Er ist mit anderen Raeumen verbaut worden. Im Garten stehen jetzt einige kleine Gebaeude. An der Chirurgischen Klinik ist noch der Sandstein mit „S S, Schottlaenderische Stiftung" im Mauerwerk verblieben. An der linken Seite des Haupteinganges sieht man noch im Mauerwerk wo die Gedenktafel der Einweihung des Hauses durch die Kaiserin Augusta Victoria angebracht war. Der feine Antisemitismus der „Kirchengustel"', hat sie verhindert den Representanten der juedischen Gemeinde die Hand zu geben. Ich habe noch in meinem Besitz eine besondere Komposition von Lewandowski fuer den Misheberach fuer „hamelech Wilhelm hasheni v'hamalko Augusta Victoria". An dem Wasserturm vobei ging es die Kuerassierstrasse entlang nach der Roonstrasse. Das juedische Wohnheim steht noch, aber das Gebaeude ist billig und schlecht gebaut worden und in einem traurigen Zustand. Es ist noch bewohnt. In seinem Garten war der Schulgarten der Rehdigerschule und da haben wir Kinder viele schoene Stunden verbracht. Der juedische Sportplatz in der Trentinstrasse ist verbaut und das juedische Saeuglingsheim in Krietern ist wahrscheinlich noch da, aber ich konnte es nicht finden. Die Privatklinik Berg-Platau, Kleiststrasse 3, in der ich geboren war ist zerstoert, aber das Finanzamt-Sued geradeueber steht noch. Am Kaiser Wilhelmplatz gibt es noch die Sandkiste in der ich als kleiner Junge gespielt habe, aber der Sueden ist fast voellig neu aufgebaut. Die Rehdiger Schule ist wieder eine Schule und wenig hat sich daran veraendert. Der Turnraum hat .noch dieselben Geraete an der Wand. Das bunte Fenster mit der Karte Palästinas ist nicht mehr da. Das kleine Bureau der Direktoren Apt, Weyl und Goldman hat sich nicht veraendert. Das juedische Waisenhaus steht auch noch in der Graebschenerstrasse und ich werde vielleicht einmal spaeter ueber die Geschichte des Hauses berichten. Nebenan stehlt auch noch das Gebaeude des „Heims fuer aeltere juedische Maedchen". Auf dem Weg zurueck zum Hotel entdeckte ich auch noch die Turnhalle des RJF in der Neuen Gasse. Dort haben wir bei Fraeulein Jaretzki und vom Herrn Juerke turnen gelernt. Noch viele andere „Denkmaeler aus Stein", die vom Leben der juedischen Gemeinde Breslaus zeugen habe ich gefunden. Paul Valery schreibt: „Tradition haben, ist nicht die Asche aufzuheben, aber das Feuer aufrecht zu erhalten." Der Wind der Zeit wird bald die Asche der Vergangenheit hinwegblasen. Die schwere Aufgabe, das Feuer des Geistes der Breslauer juedischen Gemeinde aufrecht zu erhalten, steht uns noch bevor. Chasak! Unsere Leser schreiben: Die „Mitteilungen" sind immer sehr aufschlussreich und ineressant... Ernst Mayer, Haifa * Diese Zeitung ist sehr informativ und ich lese sie von A bis Z... Ihre Zeitschrift hat nur einen Mangel — sie erscheint zu selten!.. Wolfgang Weidel, Vorsitzender Freundeskreis Rosenberg O/S e.V. ★ ...Heute kam die neue Nummer Ihrer hervorragenden Zeitschrift in meine Hände... AAit guten Wünschen für Ihre Arbeit die gewiss nicht leicht ist... Dr. H. Menz, Milanweg 22, 26177 Oldenburg. ★ Besten Dank für die interessante Zeitung... Dr. G. Daniel Fraenkel, 5 Oliphant St., Jerusalem ★ Vielen Dank für die „Mitteilungen". Jede Zeile wird stets mit grossem Interesse gelesen... Michael und Liane Ressler, 288 Nelson Road, New Maiden, Surrey ★ Vielen Dank für die Zeitung, die wie immer für uns viel Interessantes enthält... Karla Wolf, Nahariyah ★ ...Das Blatt stellt für mich seit Jahren eine wesentliche Bereicherung für meine Forschungen über das ehemalige deutsche Breslau und das heutige polnische Wroclaw dar. Überdies ist es zur Aufarbeitung der gemeinsamen deutschen, polnischen und jüdischen Geschichte eine Fundgrube... Gerade diese Synagoge der Storch und ihre Geschichte bis in die letzten Tage des Breslauer Judentums könnte ein wichtiges Reiseziel für spätere Generationen sein. Dr. Klaus Wendtland, Harvester Str. 6, D. 45768 Marl * ...Ich habe manches Interessante in „Mitteilungen" gefunden... Dank für Ihre Veröffentlichungen... Hilde Rudberg Narkisstr. 4, Jerusalem MITTEILUNGEN DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL JETZT AUCH IN BANGLADESCH Her Bruno Weber, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, wurde zum Botschafter in Dhaka (Bangladesch) ernannt. In einem Brief an unseren Verband brachte er seinen Wunsch zum Ausdruck, die Verbindung mit unserem Verband weiterhin aufrecht zu erhalten und unsere „Mitteilungen" weiter zu beziehen. 5

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