Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 61 (1996) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 61 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 3 (sequence 1401)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/7506414-7411745-7411766--202-7411769
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

min* nynuj n u a"n tnh unir nn imi ima 7ui mn RABBINER Dr. SIMONSOHN-ZUM 60. JAHRZEITSTAG Anlässlich des 60. Todestages unseres unvergesslichen Rabbiner Dr. Simonsohn, s.A., bringen wir hier den Nachruf seines Studien, freundes, des Dozenten am Rabbinerseminar, Dr. Albert Lewkowitz s. A. Der Artikel wurde am 15. Mai 1936 im „Breslauer Jüdisches Gemeincfeblatt" veröffentlicht. Der Artikel „Die Beisetzung" isl aus der Feder von Rabbiner Fritz Günther Nathan s. A. RABBINER Dr. SIMONSOHN s. A. von Dr. ALBERT LEWKOWITZ Wenn ich als Studienfreund, der seit mehr als 30 Jahren den Lebensweg des so früh Vollendeten begleitete, sein Bild zeichnen darf, so fühle ich die Gradlinigkeit der Entwicklung, die zur Geschlossenheit seines Wesens und Wirkens führte. Als Absolvent des Elisabeth-Gymnasiums war dieser Sohn einer durch Frömmigkeit und jüdischen Wissens in langer A.hnenreihe ausgezeichneten Familie 1905 in unser Seminar eingetreten, ein fein organisierter, froher und mit Liebe dem Wissen sich zuwendender junger Mensch. Schon nach einem Jahr erbat er einen Urlaub,, um sich ausschliesslich talmudischen Studien zu widmen. Nach seiner Rückkehr wurde er Schüler des Mannes, den er sein ganzes Leben aufs innigste als seinen Meister verehrte, Prof. Israel Lewy s. A. Die zarte Erscheinung dieses genialen Gelehrten, der mit jugendlichem Feuer die Lösung einer textlichen Schwierigkeit als ein beklückendes Erlebnis empfand und in seinen Hörern die Freude an solcher Forscherarbeit zu entfachen wusste, der die grösste Ehrfurcht in der Befolgung der religionsgesetzlichen Vorschriften des Judenrums mit dem rückhaltslosen Mut zur objektiven Erkenntnis des Entwicklungsganges der Halacha vereinte, die glühende Inbrunst seines Gebetes und seine feinsinnige Güte im Verkehr mit Menschen, all das erlebte Simonsohn als die Verköperung ursprünglicher, heroischer, echt jüdischer Lebensform. Hier gestaltete sich in seiner Seele das Lebensideal, dem er unablässig nachstrebte. So empfing er 1913 aus der Hand Israel Lewys das Rabbinatsdiplom mit dem eii!len Gelöbnis, ein echter, wahrer Lehrer in Israel zu sein: maw1? ^aVVt na^ zu lernen und zu lehren, zu beobachten und zu tun. Im gleichen Jahre erhielt er die Berufung als Rabbiner unserer Gemeinde an der Seite des unvergesslichen Rabbiner Dr. Rosenthal s. A., gleichzeitig wurde er mit der Leitung der konservativen Religionsunterrichtsanstalt betraut. In 7 Jahren ernstester Hingabe an sein Amt, in unablässiger Vertiefung seines Wissens erlebte er mit Erschütterung die Unzulänglichkeit eines Religionsunterrichtes, der in einen Schulorganismus eingegliedert war, der mit dem Geist des Religionsunterrichtes keinen inneren Zusammenhang hatte. Simonsohn konnte sich mit diesem Widerspruch zwischen dem Sinn des Religionsunterrichtes und seiner Stellung im Schulorganismus nicht zufrieden geben. Diesen Widerspruch im Geisie des Primats des Judentums zu lösen, verband er sich mit den hierzu bereiten und mit seinen Zielen übereinstimmenden Kräften des thoratreuen Judentums und des Zionismus. Im Jahre 1920 begründete er den Jüdischen Schulverein, dessen Vorsitzender er wurde. Die jüdische Volksschule und 3 Jahre später die jüdische höhere Schule, das Reform-Real-Gymnasium wurden unter schmerzlichsten Kämpfen und mit rückhaltslosem Einsatz seiner Persönlichkeit geschaffen. Hier sollte das Judentum aus seiner Randstellung erlöst und in der Verschmelzung religiöser M §-r~f « ■Wv.v. tlti i>l mm;i!9ia i -fi i in umwMm^m m f* : ■ ■ ■ a MiifllaÜisaaMiti *f *«f * iS&mm Hii »»K* Fenster im Eingang der Rhedigerschule. Zum Andenken von Rabb. Dr. Simonsohn s. A. Entworfen und ausgeführt in buntem Glas von Architekt Albert Hadda. Das Bild wurde von D'ganit (Ilse) Hadda frdl. Weise zur Verfügung gestellt. und nationaler Energien zum Lebensquell der Jugend werden. Die Beherrschung der hebräischen Sprache, die Verbundenheit mit Erez Israel, ein religiös nationales Gemeinschaftsgefühl, die Verwurzelung in der religiösen Tradition, die Durchdringung des gesamten Unterrichtes mit jüdischem Geist sollten die Atmosphäre bilden, in der jüdische Jugend zum Bürgen einer jüdischen Zukunft heranwachse. Und sein Vertrauen auf die Bereitschaft der Jugend mit ihm diesen Weg zur Erneuerung des Judentums zu gehen, wurde nicht enttäuscht. Als Lehrer und Führer der Jugend empfanden ihn immer weitere Kreise unserer Gemeinde, auch solche, die seiner Lebensanschauung fern standen. Und wie war er mit ganzer Seele bemüht, grade in den dem Judentum Entfremdeten eine neue Liebe zum Judentum zu erwecken! Daher die grosse Verehrung, die ihm zuteil wurde, und die so unvergänglich sein wird, wie der Segen, der von seinem Lebenswerk ausgeht. Das Judentum, dem er eine Stätte der Lehre bereitet hatte, betätigte er aber auch mit der gleichen Unbedingtheit in seinem Hause. Sein Haus war eine Verkörperung des jüdischen Lebens, das sich in seiner Schule entfalten sollte. Hier fand die Jugend in Rabbiner Dr. Simonsohn und seiner gleich gesinnten, edlen Gattin die jüdischen Menschen, die gütig und fröhlich das Judentum als den Sinn und den Segen ihres Lebens empfanden und glücklich waren, die Jugend an diesem Leben teilnehmen zu lassen. Hier wurde gelernt und gesungen, gebetet und religiöse Feste gefeiert. Schule und Haus bildeten eine unlösliche Einheit. Und wieviele Menschen, jung und alt, fanden hier Aufrichtung und Trost, Kraft und Mut und Hilfe in den harten Kämpfen des Lebens! Wieviele Menschen aus Erez Israel gedenken dieses Rabbinerhauses in Treue und Dankbarkeit u. werden es wie einen Verlust des Elternhauses empfinden, dass dieses Haus nicht mehr ist. Und so wird Dr. Simonsohn in allen Kreisen, religiösen, sozialen, kulturellen in denen er wirkte, und nicht zuletzt in unserem Seminar schmerzlichst vermisst werden. So sei sein Andenken, das Andenken eines Frommen gesegnet! DIE BEISETZUNG Der Trauerzug, der die sterblichen Ueberreste Rabbiner Dr. Max Simensohns s.A. am Dienstag nach Cosel überführte, hielt eine Trauerminute vor dem Gebäude des Jüdischen Reformrealgymnasiums und der Jüdischen Volksschule am Rehdigerplatz. Die Trauerhalle des Cosler Friedhofs mit seinen sämtlichen Nebenräumen konnte die Zahl der Teilnehmer an der Beisetzung am Mittwoch kaum fassen. Rabbiner waren aus allen Gegenden des Deutschen Reiches herbeigeeilt, um dem verehrten Freunde und Kollegen das letzte Geleit zu geben. Als erster widmete Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann seinem langjährigen Freunde und Kollegen an der Alten Synagoge tiefbewegte Worte der Würdigung und des Abschieds. .D’l'np ,na D3n TB'jb (wenn ein Weiser stirbt, sind alle seine Angehörigen), so begann er seine Traueransprache und zeichnete das traurige Geschick, das den Verblichenen aus der Blüte seines Lebens herausgerissen, eines Lebens, das voll gewesen sei von Sehnsucht nach dem Lande der Väter, voll von Plänen und Hoffnungen. Dem Verstorbenen, der die Synthese zwischen „Chassid" als getreuer Wahrer jüdischen Gesetzes und Leben der Gegenwart fand, verdankten viele ihren Existenzaufbau. Sein Glaube, seine Treue und hingebungsvolle Liebe zum jüdischen Volke, habe er der Jugend bewahrt, die er in Schiurim um sich sammelte, um in ihr im gemeinsamen „Lernen" das jüdische Heiligtum zu gründen. Wie Jakob einst im Traum die Himmelsleiter schaute, die Erde und Himmel verband, so habe der Verstorbene in der Erde Erez Israel und im Himmel die Thora gesehen. Sein Name Israel Meir Chajim deutet in seinen einzelnen Bestandteilen auf das Wesen Simonsohns: die unumschränkte Liebe zum jüdischen Volke, den Willen, dieses Volk in stetem „Lernen" an das Licht der Thorah heranzuführen, die Vorbereitung zum ewigen Leben und — W’K DlVüt — das echte und ehrliche Bekenntnis des Judentums. Die Bejahung der Tradition (Fortsetzung auf Seite 15) 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.