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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 60 (1996) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 60 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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ERINNERUNG AN DAVID KEMPNER (Fortsetzung von Seite 14) seine Tätigkeit als Stadtverordneter zu nennen, die er 18 Jahre lang (belegt sind die Jahre 1872-1886) ausübte.. Im Nachruf zu seinem Tod 1895 wird er als Gefolgsmann der „Deutschen Freisinnigen Partei" (gegründet 1884) bezeichnet, in früheren Jahren hat er wahrscheinlich für die Deutsche Fortschrittspartei kandidiert. Kempner war damit im wesentlichen seinen Überzeugungen von 1848/49 treu geblieben: sozial engagiert (dem Flügel der Laissez-faire-Kapitalisten in seiner Partei gehörte er mit Sicherheit nicht an), aber antisozialistisch, dabei an Erhalt und Ausbau der Verfassungs- und Parlamentsrechte orientiert. Zudem traten die linksliberalen „Fortschrittlichen" und später „Freisinnigen" neben der Sozialdemokratie am entschiedensten gegen den militanten Antisemitismus auf, der seil den späten 1870er Jahren zu einem wichtigen Faktor in der politischen Landschaft des Kaiserreiches geworden war. Auf kommunaler Ebene engagierte David Kempner sich zudem in verschiedenen Vereinen. So war er seit 1876 Mitglied der „Gesellschaft der Brüder", die sich als jüdische Vereinigung die Unterstützung von hilfsbedürftigen Mitgliedern, deren hinterlassenen Witwen und anderen Armen zur Aufgabe machte, sowie eines „Unterstützungsvereins Dorsche Tow" für Hilfsaufgaben in der Stad! Kempen. Grossen Verdienst um die Entwicklung Breslaus erwarb sich Kempner als Gründer, langjähriger Vorsitzender und schliesslich Ehrenvorsitzender des „Bezirksvereins der Schweidnitzer Vorstadt" (seit 1886 „Schweidnitzer Thor-Bezirksverein"). In einer Würdigung seiner Tätigkeit nach seinem Tod 1895 heisst es: „Mit der Entwickelungsgeschichte der Schweidnitzer Vorstadt von der Zeit der Kräutereien bis zu ihrem jetzigen Glanze ist sein Name vielfach in ehrenvollster Weise verschmolzen." Neben diesen ehrenamtlichen Tätigkeiten und der Sorge um die Bewirtschaftung seines Gutes fand David Kempner aber auch Zeit, seinen schriftstellerischen Neiqungen nachzugehen. So veröffentlichte er 1868 „Historische Novellen aus der neuesten Zeit"; der Erlös aus dem Verkauf kam den „nothleidenden Ostpreussen" zugute. Die erste Erzählung „Melanin" führt in den polnischen Aufstand von 1830. Die liberale Öffentlichkeit Europas verfolgte mit Anteilnahme und Sympathie die Befreiungsbestrebungen der Polen; in Gedichten und einer Novelle hatte dieser Sympathie übrigens auch Davids Schwester Friederike Ausdruck verliehen. In der zweiten Erzählung „Politik und Liebe, oder: So war es vor zwanzig Jahren", steht die 1848er Revolution in Breslau im Mittelpunkt des Interesses. Erst 1892/93 erschien „Ems und Paris. Ein historischer Roman aus dem Jahre 1870", obwohl das Werk bereits zwanzig Jahre zuvor entstanden war. David Kempner erzählt darin die deutsch-französische Liebesgeschichte von Arthur und Leocadie vor dem Hintergrund des Krieges von 1870/71. Dem heutigen Leser wird an diesem Roman deutlich, dass im seit seiner Gründung unter einem Demokratiedefizit leidenden deutschen Kaiserreich eine Verbindung von politisch liberalen mit unkritisch nationalistischen Überzeugungen durchaus möglich erschien. So lebt dieses Werk von dem Klischee des edelmütigen Preussens, das vom hochmütigen, durch fanatische Jesuiten angestachelten Frankreich in den Krieg gedrängt wurde, eine Herausforderung, die der „Heldengreis" (Wilhelm I.) und seine tapferen Soldaten natürlich mit Bravour bestanden. — Ganz andere Züge trägt das Lustspiel in einem Aufzug „Vor Plewna. Russisch oder türkisch?", das während des russich-türkischen Krieges von 1877/78 verfasst, aber erst posthum 1896 veröffentlicht wurde. Satirisch nimmt diese kleine Komödie den politisierenden deutschen Michel aufs Korn, der meint, von seiner Wohnstube aus den Gang der grossen Weltpolitik beurteilen und beeinflussen zu können. Bis in die 1880er Jahre blieb David Kempner in der Stadtverordnetenversammlung und den genannten Vereinen aktiv. Kurz vor seinem Tod verkaufte er sein Gut, jedoch sicherlich nicht, weil er wegen des Aufkaufs der Bücher seiner Schwester Friederike verarmt war — wir waren an anderer Stelle bereits auf diese Legende eingegangen. Seinen Tod am 4. März 1895 in Breslau betrauerten seine drei Kinder mit ihren Ehepartnern, fünf Enkel und eine wohl ansehnliche Zahl von Breslauer Weggefährten. Im Nachlass fand sich noch ein Trauerspiel „Ludwig XVI.", das uns leider nicht erhalten geblieben ist. Auch persönliche Erinnerungen an David Kempner konnten in der Literatur nicht aufgefunden werden, bis auf die folgende kleine Bemerkung. Doris Davidsohn (1859-1934), Tochter von Isidor Kempner und Mutter des expressionistischen Dichters Jacob van Hoddis (1887—1942), geht in ihren unveröffentlichten Erinnerungen auch kurz auf ihren „Onkel David" ein und schreibt: „Sehr lebhaft kann ich mich seines in die Ferne schweifenden, zerstreuten Blicks erinnern." Abschliessend seien hier die Nachfahren David Kempners aufgeführt, soweit Informationen über sie vorliegen. Diese Angaben verdankt der Verfasser den Recherchen von Frau Sabine Meincke und Herrn Jan Merk, beide Berlin. Wer die folgenden Angaben ergänzen kann, wende sich, bitte, an Jan Merk, Kaiserin-Augusta-Strasse 55, 12103 Berlin. — David Kempner hatte drei Kinder: I. Georg, II. Karl und III. Louise. I. Dr. iur. Georg ‘ Kempner (1855—1920), Justizrat in Breslau, verheiratet mit Ernestine Linie (?—1936). Kinder: 1. Dr. iur. Hans Kempner (1889—1935), Rechtsanwalt, Aufsichtsrat der Modefirma Schäffer in Breslau, Schriftsteller, verheiratet mit Gisela Schäffer (1897—1941, nach Riga deportiert und ermordet). Kinder: Wally Kempner (als Kind verstorben); Georg Franklin Kempner (1922— 1941, nach Riga deportiert und ermordet); Ellinor Fiebelmann (geb. 1925), heute wohnhaft in Kirjat Bialik, bei Tel Aviv. 2. Rosa Kempner (1888—?), verheiratet mit Prof. Karl Birnbaum (1878—1950), Psychiater, Direktor der Psychiatrischen Klinik Berlin-Buch, 1938 nach New York, Philadelphia emigriert. Kinder-. N. N., vermutlich Opfer der NS-Euthanasie; Ernst Birnbaum, 1938 in die USA emigriert. II. Karl Kempner (1868—1928), Mitinhaber der Modefirma, Aufrichtig in Breslau, verheiratet mit Olga, Aufrichtig (1868—1942/ 1945, deportiert und ermordet). Kinder: 1. Marie Kempner (1891 —1963), verheiratet mit Dr. iur. Kurt Sonnenfeld (1885—1943), Rechtsanwalt, Mitinhaber der Modefirma Aufrichtig in Breslau, 1939 nach Sao Paulo/Brasilien emigriert. Kinder: Hilde Cohn, heute wohnhaft in Bad Soden/BR Deutschland; Werner Sonnenfeld, heute wohnhaft in Brasilien.. 2. Erna Kempner (1892—1943), in Auschwitz ermordet, verheiratet mit Dr. med. Arthur Guttmann (1886—1943/1944), Facharzt in Breslau, in Auschwitz ermordet. Kind: lila Horowitz, heute wohnhaft in Israel. 3. Dr. iur. Bernhard Kempner (1898—1980er?), Kaufmann in Breslau, nach 1945 Literat und Publizist in Berlin. III. Louise Kempner (1861 — 1919), verheiratet mit Felix Perls (1855—1915), Bankier in Breslau, Kind: 1. Dr. phil. Klara Perls (1886—?, deportiert und ermordet), Publizistin, verheiratet mit Paul Borchert (1875—1933), Amtsgerichtsrar in Breslau. Kind: Eva Altmann- Borchert, heute wohnhaft in Israel. ES WIRD GESUCHT Material für ein Buch über Kunstsammler in Deutschland zwischen 1871 und 1933. Ausserdem Kontakt zu Familien von Kunstsammlern aus Breslau vor 1933, z.B.: — Kaufmann Emil Kaim, — Textilfabrikanten Carl Lewin und seinem Sohn Leo, — Rechtsanwalt Dr. Ismar Littmann, — der 1865 in Langendorf/Oberschlesien geborenen Berthold Nothmann, der in den zwanziger Jahren als Geschäftsführer des Röhrenverbandes in Düsseldorf lebte und der nach 1936 möglicherweise nach Palästina ausgewandert ist, — den Kaufmann Carl Sachs (ging in den 30er Jahren evtl, in die Schweiz) und — der Kaufmann Max Silberberg. Vielleicht gibt es auch eine Verbindung zwischen dem im niederschlesischen Guben ansässigen Hutfabrikanten Dr. Alexander Lewin und den Lewins in Breslau? Anschriften an Stefan Pucks, Pfalzburger Str. 63, 10719, Berlin, Germany. Fax: 030- 8737316. -¥■ Betrifft: Suchanzeige von Ilse Naumann aus S. Franzisco. Als ehern. Gross-Strehlitzer kenne ich Ilse u. Familie. Um evtl, weiterzukommen rate ich Ilse an folgende Adresse zu schreiben: Ursula Heusmann, Wichernstr. 15, 48147 Münster/BRD. Ursula ist die Tochter des ehern. Bürgermeisters von unserer Stadt, namens Gollasch, sie ist im Moment die Vorsitzende der ehern. Gross-Strehlitzer, die in der BRD leben. (Jede 2 Jahre findet ein Treffen in der Patenstadt Soest statt). Ilse Naumann kann sich auf mich berufen. Heinz-Max Pese, K.K.L. 21, 49372 Petach-Tikwa 15

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