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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 60 (1996) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1996
Issue
No. 60 (1996)
Date
1996-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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WALTER LAQUEUR: THURSDAY'S CHILD HAS FAR TO GO AMEMOIR OFTHE JOURNEYING YEARS Es war einmal- DER KOCHER, DER SICH MIT EINEM STREICHHOLZ ANZÜNDEN LÄSST... Von HEINZWERNER GOLDSTEIN Wie die Zeit vergeht. Überrascht blättert man in einem Kochbuch, das seinerzeit von Dr. Erna Meyer im Aufträge der WIZO für die jungen Hausfrauen — jung an Jahren und jung im Lande — herausgegeben wurde. Um den Ansprüchen der dreissiger Jahre gerecht zu werden, wurde das Buch in drei Sprachen gedruckt: deutsch, englisch, hebräisch, gelesen haben es sicherlich nur jene, die die erste Sprache sprachen. Von den Anzeigen erregt unsere Aufmerksamkeit: Es wird ein Kocher angeboten, der mitnur einem Streichholz anzuzünden sei1 (Man sagte damals: Die Streichhölzer sind Marke Dienstmädchen — sie gehen immer aus)... Er sei sparsamer als der „Primus", der Standardkocher jener Tage. In der „Einführung" heisst es, dass dafür gesorgt wurde, keine langkochenden Speisen aufzunehmen, um Hitze und Lärmerzeugung auf ein Mindestmass zu beschränken. „Wie kocht man in Erez Israel", hat kein Erscheinungsjahr. Da die Gewichtsangaben 'Onzen' und 'Rottel' heissen, muss es vor 1939 herausqekommen sein. Auch preist sich ein Inserent als Vertreter einer deutschen Firma in Kairo an. — Frau Dr. Meyer stellt betrübt fest, dass „die Umstellung der Kochgewohnheiten nur sehr langsam, oft recht widerwillig und fast ausnahmslos nur teilweise vollzogen wird". Es sei „höchste Zeit, dass wir Hausfrauen mit mehr Energie versuchen, unsere Küche zu befreien von der ihr anhaftenden Galuttradition.. uns bewusst umstellen auf eine gesunde Palästinaküche". Das solle „nicht griesgrämig vollzogen werden, sondern Jasaaend in der Erkenntnis, dass es eines der Mittel zu unserer Verwurzelung in der altneuen Heimat" sei. Wie war man doch seinerzeit bescheiden. Als Einheitsmass wird die glattgeschnittene Kondensmilchbüchse empfohlen... Die Verfasserin erklärt die Vorteile des Speiseöls, billiger als Butter und mit mehr Fettgehalt. Man solle Öl nur in Originalverpackungen kaufen, „da man sonst Gefahr läuft, ein gepanschtes, stark verfälschtes Öl zu bekommen". — Kräuter lassen sich billig auf dem Balkon oder Küchenfenster ziehen, in alten Konservenbüchsen. "Für einen Grüsch Sesam reicht monatelang"* Thymian wachse wild, „es gibt ganze Felder davon, zum Beispiel, bei Raanana". (Das Dort ist heute eine Stadt, in der die meisten der Einwohner nicht mehr wissen, wie ein Feld aussieht). Ein Kapitel ist dem elektrischen Kocher gewidmet: um die Benutzung zu verbilligen, soll man Nachts Wasser wärmen. Nachtstrom sei billiger. Der Eisschrank, für den man das Eis schleppen muss, sei einmal wöchentlich zu reinigen. „Da man von Schabbat Abend bis zu Sonntag Morgen doch kein Eis zur Füllung erhält, ist es zweckmässig die... Reinigung am Abend vorzunehmen und den Schrank ausgeräumt bei offenen Türen stehen zu lassen". Die Zeichnungen, hölzerne Hocker mir Rohrgef’e'ht, erinnern an das Mobiliar jener Tage, mit dem das Ein-Zimmer-Paradies ausgestattet war. * Die Grundlage der 200 Rezepte heisst in jenen Tagen Sparsamkeit. Bei einem Gemüsegericht lesen wir: „Ist aber die Familie gross und der Geldbeutel klein, so kann man die geschmackvolle Eigensosse noch verlängern". Unter der Überschrift „Hauptgerichte" werden Kartoffeln empfohlen, die seinerzeit im Lande wenig gegessen wurden. „Vom Ernährungsstandpunkt aus sollten trotz ihrer hohen Preise mehr Kartoffeln gegessen werden", und „hierzulande hilft man sich im allgemeinen damit, sehr viel Brot zu allen Hauptmahlzeiten zu verzehren, was aber bedeutende Nachteile hat, weil das Brot teuer als Zuspeise und ausserdem auf die Dauer eine einseitige... und keine zweckmässige Hauptnahrung darstellt". Teigwaren kauft man schon fertig, „sie herzustellen ist eine Luxusbeschäftigung". In jenen Tagen kannte man keine Fischzucht im Lande. Die kleinen teueren Seefische solle man dünsten, und aus ihnen keine „gefüllten Fische" hersteilen, „die nach allem anderem mehr als nach Fisch schmecken". Ein gutes Wort wird für das „Küchenwunder"eingelegt. Die „bange Frage", die sich die Hausfrau stellt, die auf den „Primus" angewiesen ist, und die „fürchtet, alle ihre Backfreuden des Kohle- und Gasofens jenseits des Mittelmeeres entschwinden zu sehen", wird getröstet. „Alle jene Kuchen, die in einer Hohlform gebacken werden, lassen sich im Küchenwunder bereiten". Wer Speiseeis herstellen will, und nicht zu den Glücklichen gehört, die einen elektrischen Kühlschrank mitgebracht haben, benutze „zerstossenes Eis mit Salz als Kältemischung... Man muss gut aufpassen, dass nichts von diesem Salzgemisch in die Eisform kommt". Ein „Brotaufstrich" wird aus Kokosin, einem Backfett, und Öl, Zwiebeln und Äpfeln gekocht,... und wer „Sandwiches für den feinen Gästetisch" vorbereitet, wird die Rinden der Brote nichl fortwerfen sondern „aufheben und hartgetrocknet zum Brotpudding verwenden...". Da sage man nicht, dass die neuen Einwanderer nicht sparsam lebten. „Im Sommer stellt man Toast am besten durch Bügeln her, da man das Anzünden des flitzenden Kochers erspart. Es geht schnell und man kann den Toast leicht nach Geschmack bräunen". (Eine Zeichnung zeigt wie das Bügeleisen über die Brotscheiben gleitet!). ★ Wir haben die Betrachtung mit einer Anzeige begonnen, in der ein Kocher angepriesen wurde, der „nur mit einem Streichholz" anzuzünden sei, in einer anderen wird ein mehrflammiger Kocher vorgestellt, der mi1 „Petroleum betrieben wird, das man in allen Lebensmittelgeschäften erhält...". ★ Ja, das waren Zeiten, als Brot mit dem Bügeleisen getoastet, aus trockenen Brotrinden Pudding gekocht wurde... und Kochbücher verlegt, in denen zur Sparsamkeit angehalten wurde... und Köcher angepriesen, für den man den Brennstoff im „Makolet" bekam... (Charles Scribner’s Sons’ New York) Walter Laqueur Ist einer der bekanntesten Breslauer in der Welt, obgleich viele es nicht wissen, dass er Breslauer ist. Seine Autobiographie beschäftigt sich bsonders mit seiner Jugend In Breslau und seinen Jahren der Entwicklung und des sich Durchsetzens als Journalist, Intellektuel. ler und Autor — all dies “ohne von formeller Erziehung und von akademischen Titeln beschwert zu sein“ (laut Buchklappe). Unbeschwert wie Laqueur war, hat er 16 Bücher geschrieben und war Direktor des “Institute of Contemporary History“ in London und ist heute der Vorsitzende des “International Research Council for Strategie and In. ternational Studies“, Washington. Seine Bücher (über Soviet-Russland, Europa, den Mittleren Osten und den Terror in der Welt sind allgemein be- .kannt. Laqueur ist ein politischer Spezialist, dessen Bücher in aussenpolitisch interessierten Krel. sen ernst genommen werden. Als Breslauer war ich natürlich besonders “scharf“ auf Laqueurs Beschreibung seiner Jugendzeit in Breslau und seiner Schule dem Johannes-Gymnasium, in dem auch ich meine Erziehung bekam. Walter Laqueur wird mir nicht böse sein, wenn ich gerade von diesem Teil des Buches nicht begeistert bin, denn all das, was er be. schreibt — fügt nichts Besonderes zu dem hinzu, was wir Breslauer erlebt hatten. interessant wird das Buch erst durch Laqueurs Konfrontation mit seinem Leben im Kibbutz Haso. rea, seiner Landarbeit und seiner späteren journalistischen Tätigkeit als Korrespondent im “Hamischmar“ vor und während des Unabhängigkeitskrieges. Es mag seltsam klingen, aber der interessantes, te Teil des Buches ist die Auswanderung der Familie Laqueur aus Israel und die Suche nach Kontakten zu der intellektuellen Elite in Paris und London. Besonders fesselnd ist Laqueurs ständiger Versuch, das sovietische Phänomen zu studieren und dann zu beschreiben. Seine Bücher: The Soviet Union and the Middle East; Communism and Nationalism in the Middle East; Russia and Glasnost; Stalin: the Glasnost Revelations haben gezeigt, dass seine vielen Besuche In Russland Sinn hatten. Laqueurs Mitgliedschaft In einem Haschomer Hazair Kibbutz und seine journalistische Tätigkeit in einer linken Zeitung halfen ihm später, die Soviet Union zu verstehen und mit der politischen Befreiung Russlands seine eigene Vergangenheit abzustreifen. Laqueur ist ein scharfsinniger Autor, der die Persönlichkeiten, die Geschichte machen, durchschaut und sie in der politischen .Verstrickung ihrer Epoche erklärt. Das Buch ist für politisch wache Personen wert gelesen zu werden. S. E. PROF. DR. JOSEF WALK - PREISTRÄGER DER BUBER-ROSENZWEIG-MEDAILLE FÜR 1996 Am 3.3.1996 findet in Freiburg/Breisgau die Verteilung der Buber-Rosenzweig-Medaille durch den „Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit" statt, Die Preisträger dieses Jahres sind Prof. Dr. Josef Walk (Israel) und Prof. Dr. Franklin H. Littel (U.S.A.). Unsere besten Wünsche gelten Prof. Dr. Walk. 9

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