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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1996-01-01 · No. 60 (1996) · p. Seite 6

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Die Herrschaft des Nationalsozialismus sollte zum Ende der rund 800jährigen Geschichte des schlesischen Judentums werden. Seit der ersten Ansiedlung von Juden in Schlesien im ^.Jahrhundert hatten sich Perioden der Toleranz mit sol. chen der Verfolgung abgewechselt. Als schliesslich durch das Edikt vom 11. März 1812 die preussischen Juden die bürgerlichen Rechte erhielten, wurde dies durch sie in Schlesien ebenso wie in den übrigen Teilen der preussischen Monarchie lebhaft begrüsst. Die Folge des Edikts war ein fruchtbares Zusammenwirken von Juden und Nichtjuden im Verlauf des 19. und den drei ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts. Dass die Intensität des Zusammenwirkens in Schlesien enger als in den übrigen Teilen des Reiches war, liegt zunächst und vor allem in den Handelsbeziehungen begründet, die zwischen Schlesien und Osteuropa bestanden und durch jüdische Händler wesentlich mitgestaltet wurden. So erfuhr die jüdische Ansiedlung in Breslau wegen der dortigen Messen und Märkte, die Händler nicht nur aus sämtlichen Teilen Schlesiens, sondern auch aus Polen, Galizien, Mähren, Litauen, der Walachei und der Ukraine anlockten, bereits seit dem l5.Jahrhundert erhebliche Impulse. Übersehen werden darf bei einer Betrachtung des schlesischen Judentums nicht die räumliche Nähe zur Provinz Posen bzw. die von den dort lebenden Juden ausgehenden Einflüsse auf die Schlesiens. Die Juden Posens nämlich „bildeten ihrer alten geistigen Tradition wegen ein besonderes Element innerhalb der deutschen Judenheit," resultierend aus dem ebenso starken wie konti. nuierlichen Einfluss der talmudischen Tradition in der Provinz Posen, der zumindest bis 1850 währte. Die Rolle, die Posens Juden in Breslau, der Stadt mit der zahlreichsten jüdischen Gemeinde aller schlesischen Kommunen, spielten — 1871 lebten in der schlesischen Metropole 13.910 und 1880 17.543 Juden, — verdeutlicht die Tatsache, dass Abraham Berliner, Heinrich Graetz, ls. rael Lewi, Markus Brann, Leo Beack, Jsmar Elbo. gen, Moritz Lazarus, Rudolf Mosse und Lesser Ury aus der Posener Provinz kamen. Neben Breslau war Oberschlesien ein Schwerpunkt jüdischen Lebens und Strebens, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich. Zu den bedeu. tendsten Industriemagnaten des oberschlesischen Reviers, darüber hinaus Deutschlands und Europas, gehört Fritz Fiedländer, der gleichrangig ne. ben Guido Henkel von Donnersmarck, Hans Heinrich XV. von Pless oder Hugo von Hohenlohe. Oehringen stand. Das Kernstück seines Konzerns, die „Oberchlesische(n) Kokswerke und Chemischen Fabriken", wurde durch ihn nach allen Seiten ausgedehnt, so nach Hamburg, wo er die Norddeutschen Kohle- und Kraftwerke aufbaute. Im Jahre 1888 begann er damit, sich in Russland unternehmerisch zu betätigen. 1900 gründete er die „Braunkohlen, urrd Brikett-Industrie-A.G.", die sich zu einem der bedeutendsten Braunkohlenun. ternehmen Deutschlands entwickelte. Ebenfalls In Österreich-Ungarn erwarb Friedländer Kohlengruben und Eisenwerke. Die Leistung Fritz Friedländers als Konzern, gründer und Konzernlenker fand im kaiserlichen Deutschland die entsprechende Anerkennung. Wilhelm II. verlieh ihm den Titel eines Geheimen Kommerzienrats und das erbliche Adelsprädikat, ausserdem erfolgte seine Berufung in das Preussische Herrenhaus. Er war der typische Vertreter Von Prof. KONRAD FUCHS jener glänzenden Wirtschaftsperiode, die nach dem Niedergang der 80er Jahre einsetzte und mit dem Abschluss des Weltkrieges endete, einer von den Führern, die bei straffer Verfolgung ihres eigenen Vorteils, gewollt oder ungewollt, das Allgemeininteresse förderten und der deutschen Grossindustrie eine Weltmachtstellung gaben... Doch damit nicht genug: Er stand gesellschaftsmässig in einer Reihe mit den schlesischen Magnaten, den Fürsten uncf Grafen Henkel von Donnersmarck, von Pless, von Schaffgotsch, von Tiele. Winkler, von Ballest! emm und von Lichnowski, den Herzogen von Ratibor und von Trachenberg und den Prinzen Biron von Kurland. Sie besessen sämtlich Sitz und Stimme im Herrscherhaus und bildeten zusammen mit eitrigen nord-, west, und süddeutschen hocharistokratischen Grossgrundbesitzern, so den 'Herzogen von Arenberg oder den Fürsten' zu Fürstenberg, jene verhältnismässig kleine Gruppe, die sich durch ihren Wohlstand und ihr Mäzenatentum auszeichneten. Neben Eriedländer-Fuld ist die Breslauer Un. temehmerfamil'ie Caro den entscheidenden Förderern der oberschlesischen Wirtschaft zuzurechnen. Während Friedländer vor allem die Kohlechemie des Reviers entwickelte, wurde durch die Caros insbesondere die dortige Eisenindustrie gefördert. In Breslau gründete der Sozius des Hauses Caro, Leo Lustig, 1887 den „Schlesische(n) Handelsverein". In ihm waren fast alle bedeutenden Grosshandelsuntemehmer Ost- und Mitteldeutsch, lands vereinigt, insoweit sie vorwiegend oberschlesische Walzwerkserzeugnisse vertrieben, inwieweit dem gebürtigen Breslauer Leo Lustig der Handel mit Osteuropa, der jahrhundertelang durch die schlesische Metropole vermittelt wurde, am Herzen lag, geht nicht zuletzt daraus hervor, dass das an der Universität Breslau errichtete Osteuropa-Institut zur Förderung der Handelsbeziehungen mit den östlichen Ländern entscheidend den Bemühungen Lustigs zu verdanken war. Den ausserordentlich erfolgreichen jüdischen Unternehmern Oberschlesiens sind auch die Huldschinskys zuzurechnen. 1866 gründete Salomon Huldschinsky zusammen mit Albert Hahn das Röhrenwerk S. Huldschinsky & Co. in Gleiwitz; die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktien, gesellschaft 1894 war verbunden mit einem weiteren Ausbau. Um 1904 umfasste die Huldschins. kysche Hüttenwerke AG das wohl vielfältigste Produktionsprogramm sämtlicher Unternehmen Oberschlesiens. Am 25. Januar 1905 wurde auf. grund eines Beschlusses der Generalversammlun. ky’sche Hüttenwerke AG und der Oberschlesischen Eisenbahnbedarfs AG („Oberbedarf”) die Vereinigung der beiden Gesellschaften vollzogen. Der Zusammenschluss der beiden Unternehmen erschien sinnvoll deshalb, weil von dem neuen Konzern eine erhebliche Steigerung seiner Wirt, schaftskraft erwartet wurde. Bis zürn Ausbruch des 1.Weltkriegs erlebten die Huldschinsky-Werke als Bestandteil von „Oberbedarf” eine Erweiterung von erheblichem Umfang. Im Frühjahr 1918 belief sich die Beleg, schaff der im Verband von „Oberbedarf" auf den Huldschinsky’schen Produktionsbetrieben beschäf. flgten auf mehr als 9.000. Hinzuweisen gilt es darauf, dass die Oberschlesische Eisenbahnbedarfs-AG ausser Huldschinsky auch die 1870 durch Rudolf Pringsheim gegründete Ferrum Aktienge. Seilschaft umfasste. Da infolge der Teilung Oberschlesiens 1921 Teile von „Oberbedarf" und „Obereisen” an Polen fielen, während andere bei Deutschland ver. blieben, erschien im Interesse einer weiterhin gedeihlichen Entwicklung der beiden Gesellschaften ihr Zusammenschluss als eine unabdingbare Notwendigkeit. Nach mehrmonatigen Verhandlungen trat die neue Gesellschaft am 26. Juni 1926 unter der Firmenbezeichnung „Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG" („Oberhütten”) mit Sitz in Breslau ins Leben. An der Vereinigung der beiden Gesellschaften zu „Oberhütten" war massgebend Generalkonsul Eugen Landau, eine der vielseitigsten Untemehmerpersönlichkeiten Schlesiens, beteiligt. 1852 zu Breslau in die dortige Bankiersfamilie Landau geboren, absolvierte er Lehrjahre zunächst im väterlichen Bankhaus, dann im Bankinstitut C. Müller & Co., einer Berliner Filiale der Mitteldeutschen Creditbank, sowie bei L. Behrens & Söhne in Hamburg. Nach Studienjahren an den Universitäten' in Berlin und Bern trat er als Pro. kurist in die väterliche Firma ein, deren Teilhaber er später wurde. Die ersten Kontakte zur Wirtschaft waren durch Landauer bereits 1873 ge. knüpft worden, denn in jenem Jahr war der damals 21jährige zum Direktor der Rechte-Oder- Ufer-Bahn bestellt worden, mithin desjenigen Unternehmens, das am 1. Dezember 1856 die Konzession zum Bau eines Schienenweges von Oppein über Vossowska nach Tarnowitz erhalten hatte und dem durch Bestätigungsurkunde vom 13. November 1856 die Bezeichnung Rechte-Oder- Ufer-Bahngesellschaft gegeben worden war, nach, dem sie von 1856 bis 1865 als „Oppeln-Tarnowltzer Eisenbahngesellschaft” firmiert hatte. Aufgabe und Verantwortung, die Eugen Landau 1873 übernahm, waren angesichts der positiven Entwicklung des oberschlesischen Reviers sicher reizvoll, denn er hatte dafür Sorge zu tragen, dass das wachsende Verkehrsaufkommen bewältigt wurde, was vor allem organisatorische Fähigkeiten erforderte. Eugen Landau, der neben seinem Wirken auf dm Finanz-, Verkehrs, und Pro. duktionssektor bzw. Im Bankhaus Landau, bei der Rechte.Oder-Ufer-Bahn und bei „Oberbedarf” im Aufsichtsrat einer Reihe von schlesischen Industrieunternehmen vertreten war, ist zutreffend „einer der hervorragendsten Führer der deutschen Industrie" genannt worden. Verwiesen sei auch darauf, dass Landau, der bei den 6. Kürassieren in Deutz gedient hatte, Rq<? Rittermeietornatent erhielt, obwohl er einen Glaubenswechsel nicht vollzog. Bei Ausbruch des 1.Weltkriegs bot der damals 62jährige Landau seine Dienste dem Heer an. Er wurde dem Berliner Kommando mit dem Rang eines Majors zugeteilt. Schlesiens Bedeutung als Brückenlandsohaft von Süd-, West-, Nord- und Mitteldeutschland nach Ost- und Südeuropa bis hin zum Vorderen Orient, ebenfalls als östlichster Produktions- Schwerpunkt Deutschlands seit dem ^.Jahrhundert mit den Zentren Oberschlesien, Breslau und Wafdenburg-Neurode hat dem Handel stets eine besondere Rolle zugewiesen. Es überrascht daher nicht, dass Caesar Wollheim zu einem der bedeutendsten Händler mit oberschlesischer Kohle avancierte. Die Entwicklung seines Kohlenhandels steht in engem Zusammenhang mit der des Koh- (Fortsetzung auf Seite 7) 6

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