Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1990
- Issue
- No. 54 (1990)
- Date
- 1990-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Safed — die Hauptstadt des Galil sucht Anschluss ln den letzten Jahrzehnten konnte der Besucher von Safed kaum eine Veränderung registrieren, die gleichen Gassen, Treppenstrassen, kleine Geschäfte, Hotels an der Hauptstrasse — so sah es vor oinern halben Jahrhundert dort aus, als eine ganz andere Bevölkerung dort lebte. Der Wille, den Anschluss an die Gegenwart zu finden, hat auch dort nicht Halt gemacht. In diesem Jahr zeigt sich die Stadt in einem neuen Gewand. (Die Wohnsiedlungen, nach 1948 errichtet, liegen ausserhalb des alten Ortes, und werden von Touristen und Erholungssuchenden kaum besucht). Safed, in 850 Meter Höhenlage, ist ein Luftkurort. Auf dem nahen Canaan, einem 60 Meter höheren Hügel, für den es schon vor dem ersten Weitkrieg Pläne gab, den Platz für die Touristik auszunützen, sind fünf Hotels und ein Erholungsheim der Krankenkasse. ★ Nach längerer Bauzeit wurde Anfang 1988 das “Igal Alon Kulturzentrum" eröffnet, mit grossem Theatersaal für Gastspiele und andere künstlerischen Veranstaltungen, das grossräumige Foyer dient Kunstausstellungen. Gegenüber liegt das Serail, 1889 als Regierungszentrum errichtet. Die Briten konzentrierten 1929 die Reste der jüdischen Bevölkerung dort, um sie vor weiteren Pogromen zu schützen. Mit Hilfe von Spenden wurde das Gebäude, wie der Innenhof restauriert, und dient als Gemeinschaftszentrum. Die Attraktion Safed stellt die Pessach 1988 eröffnete Fussgängerzone dar, die Hauptstrasse der alten Stadt. Der Verkehr wird über Strassen, die die Zitadelle, den alten Festungshügel, umgehen, geleitet. Viele Fassaden der alten Gebäude haben sich verschönert, neue Geschäfte, Restaurants, sind hinzugekommen. Die Strasse macht einen geschädigten Eindruck. Die Fussgängerzozne endet bei der früheren britischen Polizeistation, von der aus die darunter liegenden jüdischen wie arabischen Wohnviertel beherrscht werden konnten. (Das heute dort die Büros der Einkommensteuer untergebracht sind, soll nicht heissen, dass vor, dem Haus weiter die Bevölkerung beherrscht wird). Die Briten übergaben die Station wie die auf dem Canaan den Arabern. Anfang Mai 194' musste lange gekämpft werden, um die Stadt wie die Strassen zu entsetzen. Das Haus des früheren Haddassa Spitals beherbergt eine Zweigstelle der Bar llan Universität, um den Bewohnern des Oberen Galil Möglichkeiten der Hochschulbildung zu geben. Das gegenüberliegende Haus der “Alliance" Schule dient den Klasse der Oberstufe des dreistufigen Erziehungsprogramms. Ein bequemer Weg füht auf die “Mezuda”, die Zitadelle, dem höchsten Punkt des Ortes, wo sicherlich einmal Siedlungen bestanden haben. Heute Parkanlagen, ein Denkmal, den Opfern des Befreiungskrieges gewidmet. Es gab nur einen archäologischen Versuch; auf beschränkter Fläche sind Reste einer Kreuzfahreranlage freigelegt, 1149 aufgestellt. Salpdin eroberte die Burg 1188, liess sie 1220 zerstören, um eine neue Besetzung nach dem 3. Kreuzzug zu verhindern. Die Franken besetzten 1240 den Platz wieder, verloren ihn endgültig 1266 an den Mameluken Beibars, der Safed zur Hauptstadt seiner “Mamlacha” machte, der Provinz die das Gallil und das heutige Libanon einschloss. Die Geschichte der Stadt beginnt nicht mit den Kreuzfahrern, wenn auch ihre Mauerreste die 14 an die Gegenwart Von HEINZWERNER GOLDSTEIN einzigen freigelegten sind. Man nimmt an, dass der Punkt seit prähistorischen Zeiten besiedelt war. Die erste Erwähnung befindet sich bei Josephus, der die bestehende Stadt um 66 A. D. befestigt. In der Zeit des Talmud befand sich hier eine Signaistation, den Beginn der Monate anzuzeigen. — * Der Name, hebräisch Z'fat, von lizpot, Ausschau halten, beschreibt das Erlebnis auf der Mezuda, der Feste. Tausend Meter unter uns liegt der Kineretsee, eingerahmt durch die Berge des Galil wie des Golan. Das Wohnhaus des Paschas dient heute als “Bibelmuseum”, nach Plänen und der Initiative eines 1940 in Amerika geborenen Künstlers, Philipp Ratner, der es als persönliche Herausforderung betrachtet, im Land der Bibel seine Werke, die sich mit biblischen Themen befassen, auszustellen, Bilder, Plastiken, Collagen. — ★ Für die meisten der Besucher bleibt Safed die Stadt der Vergangenheit, und kein Ort mit knapp 16.000 Einwohnern, der Anschluss an die Jetztzeit sucht. Das alte jüdische Viertel ist wert, besucht zu werden. Leider hat man den Schutt der seit Jahrzehnten verfallenen Gebäude nicht weggeräumt, schon um den architektonischen Eindruck der bestehenden, insbesondere der G”tteshäuser hervorzuheben. Nach der Tradition gehört Safed zu den vier “heiligen Orten" des Landes, in der der Messias zuerst erscheinen wird. Die Legende hat dem Ort seit 5 Jahrhundeten eine jüdische Bevölkerung gebracht. Im 16. Jahrhundert, nach der Vertreibung aus Spanien, erlebte Safed eine wirtschaftliche wie kulturelle Blütezeit. Hier lebten und wirkten Schrifterklärer und Kabbalisten wie Jizchak Lurie, Ari, 1534—1572; sein Schüler, Chaim Vital, sammelte die Werke seines Lehrers und veröffentlichte sie. Josef Karo stellte um 1565 den “Schulchan Aruch" zusammen, die Gesetzessammlung, die noch heute massgebend für religiöse Gebräuche ist. Schlomo Alkabez verfasste das Schabbat-Lied “Lecha Dodi", von Sephardim wie Aschkenasim in die Gebetsfolge aufgenommen. Die Stadt war Umschlagplatz für Textilien, Gewürze, Speiseöle, Käse, Obst und Gemüse, die in dem Bezirk produziert wurden, der 1542 282 Dörfer zählte. Die ersten hebräischen Drucker kamen 1577. Es ist nur logisch, dass es heute dort ein — leider viel zu kleines — Druckmuseum gibt. Unter der Ottomanischen Herrschaft wird das Galil Aussenprovinz und uninteressant. Ein langsamer aber ständiger wirtschaftlicher Niedergang, und damit verbunden Verlust der kulturellen Bedeutung. Das Jahr 1778 bringt eine neue, wenn auch nur kurze Belebung, Anhänger des Baal Schern Tow lassen sich hier nieder, denen im Jahre 1810 Schüler des Ga'on von Wilna folgen. Im Jahre 1812 überfallen Beduinen die Stadt, 1814 Drusen, es folgen Epidemien und 1837 ein fast alles zerstörendes Erdbeben. Von den Überlebenden ziehen viele nach Hebron und Jerusalem, Gemeinden, die sich damals verarösserten. Bis zum ersten Weltkrieg vergrösserte sich die Gemeinde wieder auf 11.000 Einwohner, die alle auf dem kleinen Komplex der Altstadt lebten. Während des Krieges waren sie von der Unterstützung Europas abgeschlossen. Abwanderung und Epidemien verringerten die Gemeinde, die 1922 3000 Seelen zählt, 1940 2000, Nach mehreren Generationen haben sich Lebensformen und Sprache der Vorfahren erhalten. Die kleine Gruppe war 1947/48 vom Jischuw abgeschlossen. Mitglieder den Palmach, der Verteidigungsgrupps der Hagana, mussten sich in den Nächten über die ‘Berge einschleichen, um der Bevölkerung das Gefühl der Verbundenheit und Sicherheit zu geben. — ★ Die meisten der Synagogen wurden 1837 zerstört und später restauriert, mit Ausnahme der sphardischen, genannt nach dem Ari, in der der Gelehrte, der nur drei Jahre in Safed lebte, gebetet haben soll. Sie liegt am Ende des jüdischen Viertels, ein festungsartiges Gebäude, mit starken Mauern und steinernen Trägern, am Berghang, über dem Friedhof. Hier befand sich 1948 der vorgeschobene Punkt der jüdischen Verteidigung. Architektonisch interessant ist das Bet Haknesset auf den Namen Abuhav, 1433 — 1493, das 500 Jahre bestehen soll. Ein viereckiger Kuppelbau, in dem vier steinerne Säulen das domartige Dach, das sich über dem Innenraum befindet, tragen. Der Josef Karo zugeschriebenen Synagoge werden 400 Jahre gegeben. In diesen Gassen wurde 1905 ein Kindergarten und Schule des Hilfsvereins eröffnet, 1910 eine Zweigstelle der Anglo-Palestine Company, dem Vorläufer der Bank L'umi Hier befindet sich ein Zentrum für Ethiopisches Kunsthandwerk, betrieben von und für die Falaschas, die in den letzten Jahren einwanderten Anschliessend an das jüdische Viertel entstand eine Künstlerkolonie, Galerien, Werkstätten dutzender Künstler und Kunsthandwerker, die ihre Gebäude oft hübsch restauriert und geschmückt haben. Leider wurde das Viertel von den modernen Stadtplaner vernachlässigt, nicht gesäubert, und durch im Stil angepasste Bauten zum neuen Leben erweckt, — mit Ausnahme des Künstlerviertels. Trotz der geringen Zahl der Einwohner dort, sind die Bäte Knesset am Schabbat wie an Feiertagen gut besucht. In denen der Sepharden stehen die Bänke um die Birna, dem Vorbeterpult, oft mi1 bunten Tüchern geschmückt. Hier ist der G"ttesdienst gelöster, es fehlt der feierliche Ernst, den die Tempel von den gotischen Kathedralen übernommen haben. — ★ Zu den problematischen Themen der Stadt wie des Galils gehört die Frage der Beschäftigung Der Landesnorden ist in der Entwicklung wie in der Planung irgendwie übergangen worden. In den Jahren nach der Staatsgründung legte man Wert auf den Ausbau des Negew. Der grösste Arbeitgeber in Safed ist das im Jahre 1973 eröffnete staatliche Krankenhaus. Neben der Touristik, die saisonbedingt ist, als Luftkurort wird Safed in den Sommermonaten frequentiert, bestehen einige, nicht allzugrosse Unternehmen oder Zweigbetriebe der Lebensmittelbranche, eine Werkstatt für Strickereien. Trotz der ausserhalb des Ortes vorbereiteten Flächen gelingt es nicht, grössere Unternehmungen dort anzusiedeln. Es fehlt der Anreiz, abseits der Hauptverkehrsstrassen, Industriewerke zu errichten. Der Stadt fehlt auch das (Fortsetzung auf Seite 15)