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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1990-01-01 · No. 54 (1990) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1990
Issue
No. 54 (1990)
Date
1990-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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ERINNERUNGEN AN MEINE ALIJA Als im Frühjahr 1933 in Palästina die 1. Makkabiade sttatfand, habe ich mich als Tourist angeschlossen, um das Land kennen zu lernen und festzustellen, welche Existenzmöglichkeiten hier sind. Von Breslau über Wien, wo noch die Wiener Sportler hinzukamen, fuhren wir nach Triest und mit dem Lloyd Triestino Dampfer “Washington” über Brindisi, Zypern nach Jaffa, da Haifa für solch grosse Dampfer keinen Hafen hatte. In Jaffa mussten wir einige hundert Meter vom Strand auf kleine Kähne umsteigen, da ein solch grosser Dampfer nicht näher der Küste landen konnte. In Tel Aviv, wo ich bereits Bekannte hatte, habe ich bei Frau Lachmann, die Gattin des Rechtsanwalts Dr. Lachmann, die eine Pension eröffnet hatte, Quartier bezogen, um über die wirtschaftlichen Verhältnisse ein klares Bild zu bekommen. Ich hatte die Absicht eine Nagelfabrik aufzubauen. Da ich diese Fabrikation aus Gleiwitz gut kannte, habe ich mich über den Preis der Rohware und der fertigen Nägel erkundigt. Roheisen kostete 18.— engl. Pfunde, Nägel zwischen 12.— und 14.— engl. Pfunde. Auf Rohware hat England 100% Zoll verlangt. Nägel wurden aus Europa mit Dumping in den Handel gebracht. In Rischon le Zion, wo eine Schulfreundin mit ihrem Mann, Holzer, der Bruder von Rabb. Holzer, einen Pardess gekauft hatte, habe ich gesehen, dass ein Pardess keine genügende Existenz bietet. Da ich auch in der Schuherzeugung bewandert war, habe ich dieselbe Erfahrung machen müssen, wie bei den Nägeln. Schule aus dem Libanon, wurden in Palästina ohne Schwierigkeiten und zollfrei ins Land gebracht. Als ich meiner verstorbenen Frau das Resultat meiner Reise mitteilte, war sie nicht unglücklich, da sie dachte, dass ich meine Alijapläne aufgebe. Als aber Hitler den Boykott über die jüdischen Geschäfte verhängte, habe ich mich entschlossen, auf alle Fälle Deutschland zu verlassen, obwohl ich im 1. Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz!■■■■■■■■ Von ERNST TICHAUER 1. Klasse ausgezeichnet wurde. Als ich sofort nach dem Boykott an den englischen Konsul in Berlin 1000. engl. Pfunde überwiesen hatte, bekam ich nach kurzer Zeit mein Zertifikat nach Palästina. In Haifa, wo ich bei meiner Alijah bereits Bekannte hatte, habe ich Quartier bezogen. Meine Bekannten, u.a. Prager, war schon in der Histadruth-Krankenkasse als Chefarzt abgestellt, Dr. Schachtel hatte in Haifa auf der Nordaustrasse seine Zahnpraxis aufgenommen. Die Wohnung war auf dem Carmel, wo er 2 mal am Tag den Eselsweg gehen musste. Mein Herzlbruder, Dr. Jur. Walter Goldstein, wollte eine Milchbar eröffnen, bekam aber keine Konzession. Viele von uns suchten bei unserem bekannten Kurt Ruppin, der bereits seit 1925 hier im Lande war und Finanzsekretär des Kolonis-Departements war, einen Rat. Er gründete eine Beratungsstelle, die man Hitachduth Olej Germania, nannte. Seine Vorschläge die sehr positiv waren, wurden von vielen angenommen. Die Wohnungsfrage war die dringendste Er hat den Vorschlag unterbreitet in der Haifa- Bay Siedlungen aufzustellen. Wer in die Landwirtschaft gehen wollte, bekam 20 Dunam vom KKL zugewiesen. Wer freie Berufe wählen wollte, 1 Dunam. In die Landwirtschaft gingen, um einige Namen zu nennen: Dr. Neu, Jurist, Dr. Schiff, Anwalt, Dr. med. Schlesinger, Dr. Strauss, Jurist, Dr. Bach, Just. Assessor, Nordheimer (in Leip^ zig Inhaber eines Schuhkonzerns). Als ich ihn einmal fragte, wie er mit seiner Existenz zufrieden jst, bekam ich folgende Antwort: In Deutschland habe ich die Esel ernährt, hier ernährt mich der Esel, denn mit dem Eselswagen hat er seine Produkte dem Publikum verkauft. In den freien Berufen war die Existenzfrage die gleiche. Ing. Henkin, Chef. Ing, bei der Striegauer Maschinenfabrik, war Bauarbeiter, Dr. Walter Goldstein aus Breslau, Petroleumverkäufer, Dr. Krombach, Richter in Berlin, wu>-de Gärtner, Dr. med. Mannheim, gab Iwrithstunden, Dr. Baer, Anwalt in Berlin, konnte bei der Histadruth in der Versicherungsabteilung arbeiten, Dr. Foerder, Reg. Assessor, konnte durch Protektion die Karten bei der Kupath-Cholim ausgeben: um meine persönliche Existenz zu schildern möchte ich Folgendes erwähnen; ich kam mit einer kompletten Ausrüstung einer Schuhfabrikation, Material für 500 Paar Schule, als ich meine ersten Schuhe hergestellt hatte und sie an die bereits vorhandenen Geschäfte verkauft hatte, konnte ich das Geld erst bekommen, wenn die Ware verkauft war; ich habe mich deshalb umgestellt und Schuhreparaturen gemacht, das war für mich eine rentable Arbeit. ★ GRÜNDUNG VON KIRJAT BIALIK IM FRÜHJAHR 1934 Gründung von Kirjat Bialik im Frühjahr 1934. Der Grundstein wurde durch Kurt Ruppin gelegt, die ersten Häuser wurden 1935 bezogen. Diese Gegend war ein Sumpf und Malaria war an der Tagesordnung. Es wurde verboten, in ein Haus einzuziehen, bevor Drahtfenster eingebaut waren. Das Gelände bestand zum Teil aus Sanddünen. Die dunkle Erde musste erst planiert werden, ehe man zum Bau der Häuser ging. Die Siedlung sollte erste den Namen “Schechunath Ojej Germania" bekommen. Bei einer Sitzung kam die Nachricht, dass der Dichter Bialik verschieden sei. Daraufhin hat Ruppin angeregt, die Siedlung “Aguda Kirjat Bialik" zu nennen. 1984 konnte Kirjat Bialik mit seinen heutigen 28.000 Einwohnern sein 50jähriges Bestehen, feiern. ■■■■■■Bll NEUE WURZELN (Fortsetzung von Seite 12) senschaft und des deutschen Judentums, wird als Zeuge angerufen. Der Vertreter der Firma Sanyo in Israel muss diese Art der Annonce von seiner japanischen Firma bestätigt bekommen haben, denn der deutsche und amerikanische Konkurrent waren in dieser Annonce verwickelt. Interessant ist nur, dass der Ruf der Jeckes in der israelischen Öffentlichkeit der Werbekampagne helfen solte. Nach einer gewissen Zeit bekam die Annonce eine andere Form mit dem Bild eines Einstein ähnelnden Mannes und dem Slogan “Sanyo”, der Einstein von Japan. Die obige Reklame mit Einstein wird noch heute fast wöchentlich in Zeitungen und im Radio fortgesetzt. Die Identifizierung der japanischen Produkte mit dem Genius des grossen Wissenschaftlers soll demselben Werbeziel dienen. Es gibt Israelis, die die Annonce wegen der Verbindung zu dem grossen, uneigennützigen Einstein für unwürdig halten. Für unser Thema ist es nur wichtig festzustellen, dass die Assoziation mit den Eigenschaften einer Einwanderergruppe beim Einkauf von technischen Produkten zu “ziehen" scheint. Das Profil der mitteleuropäischen Alija wäre nicht vollständig, wenn nicht auch die Schwächen dieser Menschengruppe erwähnt werden. Bei dem Profil einer Landsmannschaft besteht immer die Gefahr der Übertreibung, aber auch der Nivellierung als allgemeine Erscheinung, die dem einzelnen bestimmt nicht gerecht wird. Das ist sowohl gegenüber den positiven, als auch gegenüber den negativen Qualitäten einer Gruppe wichtig. Jede Verallgemeinerung führt zu falschen Schlüssen, besonders im Vergleich verschiedener Landsmannschaften. Dieser Vorbehalt kann nicht stark genug betont werden, denn zum Beispiel nicht jeder Mitteleuropäer ist fleissig, ehrlich, effizient und höflich. Das Ansehen einer Landsmannschaft in den Augen der Öffentlichkeit umreisst Charakteristika, die für den einzelnen oft zu hoch gesteckt sind; dies ist aber auch richtig, für die negativen Qualitäten, die man bei einer Gruppe zu finden glaubt. Juden, die aus Mitteleuropa nach Palästina kamen, neigten — so glaubt der Volksmund — zu ■ einer zu grossen Bejahung der Legalität. Für sie, die in geordneten und für gewisse Zeiten demokratisch geleiteten Staaten gelebt hatten, war es schwer, £ich an die Auflehnung gegen die bestehende britische Mandatsregierung zu gewöhnen. Umgehung von Gesetzen und Kontrollen, Organisation von illegaler Immigration, ungesetzlicher Waffenbesitz und -gebrauch, Mitgliedschaft in Widerstandsbewegungen gegen die Kolonialmacht — alle diese Schutzmassnahmen waren eine ständige Notwendigkeit des Existenzkampfes der jüdischen Bevölkerung. Juden aus Russland und Polen hatten in täglichen Auseinandersetzungen mit der Unterdrückung der Regierungen gelebt; für sie war Widerstand und Illegalität Teil ihrer Lebenserfahrung. Obstruktion war in ihrem Blut, während der Immigrant aus Mitteleuropa sich an diesen Zustand der Auflehnung gegen die Staatsdisziplin anpassen und seine Vorbehalte überwinden musste. Die Tragik einer ganzen Schicht von politischen Führern der mitteleuropäischen Alija war ihre Unfähigkeit, mit der Realität eines Koloniallandes fertig zu werden und den Staatsgehorsam zu vergessen. Da der führende Personenkreis — besonders der Alija aus ‘Deutschland — in ihrer politischen Tätigkeit den Standpunkt des Einvernehmens mit dem britischen Machthaber unterstützte, erschien die krampfhafte Suche nach Legalität als eine allgemeine Erscheinung dieser Alijagruppe. Jedoch aus den mitteleuropäischen Kreisen reihte sich eine auffallend grosse Anzahl von Militärs in die Hagana (bes. in die “Palmach") und später in die Verteidigungsarmee Israels ein. Unter den Organisatoren der Illegalen Alija waren eine Anzahl von Mitteleuropäern; ein hoher Pro- (Fortsetzung auf Seite 20) 13

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