Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1990
- Issue
- No. 54 (1990)
- Date
- 1990-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Jüdische Schule.. (Fortsetzung von Seite 7) und unsere Kinder jetzt mit der spezifisch jüdischen Schule beglücken will, sich schwer versündige an den Gesamtinteressen der deutschen Judenheit, dass sie alle Emanzipationsbestrebungen der letzten Jahrzehnte in Frage stelle und dem Antisemitismus erwünschte Waffen liefere. Den vortrefflichen Ausführungen des Herrn Walsch schloss sich auch der der rechten Seite des Hauses nahestehende Justizrat Hirschberg, Mitglied des Vorstandes an, und lehnte für sich und den Gesamtvorstand der Synagogengemeinde jede Gemeinschaft mit solchen Tendenzen ab. Nur der zionistische Repräsentant Rechtsanwalt Jacobsohn erklärte frei und offen, dass er durchaus auf dem Boden der jüdischen Schule stehe, das Gleiche, aber etwas zahmer, tat der andere Zionist Herr ■Zahnarzt Schachtel, und als dritter im Bunde identifizierte sich noch etwas schüchterner der orthodoxe Herr Josef Kober mit den von der Mehrheit verworfenen Absichten. Mit starker Majorität gelangte sodann der Antrag zur Annahme, der in der jüdischen Schulfrage arbeitenden, unbekannten Versammlungsleitung ein Schreiben zuzuleiten, das den ablehnenden Standpunkt der Gemeindebehörden in der Frage der jüdischen Schule klar zum Ausdruck bringt. Bravo! rufen wir aus vollem Herzen diesem mannhaften Beschlüsse zu und bitten sehr, dass die Gemeindekörperschaften diesen Weg furchtloser Abwehr solcher, unsere Staatsbürgerschaft, unsere Gemeinschaft mit unseren christlichen Mitbürgern unterwühlenden Machenschaften niemals verlassen möchten, damit unsere Schulaufsichtsbehörden klipp und klar erfahren, wie die autoritativen Stellen unserer Gemeinde zu den Dingen stehen. (Die übrigen in dieser Sitzung behandelten Vorlagen haben nichts mit der Schulfrage zu tun.) ★ In derselben Nummer der Zeitung unter “Vereine und Versammlungen”: Am Montag Abend fand im grossen Saal der Lessingloge die ohne Unterschrift der Einberufer angekündigte Versammlung mit dem Thema “Die Jüdische Schule — eine Notwendigkeit” — statt. Die Veranstaltung wurde von Herrn Rabbiner Dr. Simonsohn eröffnet und geleitet, der erklärte, sie auch bewusst als Rabbiner zu leiten. Darunter verstehe er, dass die Einigkeit in der Gemeinde nicht gestört, die Aussprache in durchaus friedlichem und brüderlichem Geiste gehalten sein solle. Auf diese Ausführungen, die einen sehr günstigen Eindruck machten, folgte dann freilich eine etwas überflüssige, in schulmeisterlichem Tone gehaltene Mahnung an die anwesende Jugend. Als erster Referent sprach zur Tagesordnung Dozent Dr. Heinemann vom hiesigen jüdischen-theologischen Seminar. Er führte unter anderem aus: Es falle ihm schwer zu sprechen, da die Schulfrage zur Parteifrage zu werden drohe, und dem wolle er gerade entgegenwirken. Er stehe auf dem Standpunkte, das die Freundschaft für die jüdische Schule weit über die Mittelpartei hinaus bis in liberale Kreise gehe. Beweis dafür sei die Stellung Salo Adlers, des Direktors des Frankfurter Philantropins, der sowohl aus religiösen wie politischen und pädagogischen Gründen für die jüdische Schule eingetreten sei. Allerdings solle hier eine konservative Schule geschaffen werden, jedoch unter Ausschluss engherziger Auffassung gegenüber anderen religiösen Standpunkten. Eine konservative Schule sei durchaus geeignet, die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum zu finden. Werde den konservativen Kreisen nicht durch Schaffung der Schule das geboten, was sie wünschten, so fördere man den Separatismus, der nur auf dem Boden der Unduldsakeit gedeihen könne. Eine gründliche jüdische Bildung, die das allgemein Kulturelle und das Jüdische harmonisch vereine, sei ein vortreffliches Mittel zur Bekämpfung des Antisemitismus und dies werde am besten durch eine jüdische Schule vermittelt. Nach Beendigung dieser Ausführungen gab der Leiter der Versammlung folgendes eingelaufene Schreiben bekannt. An die Leitung der Versammlung betr. die jüdische Schule. In der Angelegenheit betreffend die jüdische Schule in Breslau beehren wir uns, zugleich namens der Repräsentantenversammlung unserer Gemeinde Ihnen ergebenst folgendes mitzuteilen: Die Gemeindebehörden lehnen die Ausgestaltung der in der Unterstufe zu unserem Bedauern bereits eröffneten jüdischen Schule für unsere Synagogengemeinde mit Entschiedenheit ab. Wir wären dankbar, .wenn Sie diese Erklärung in der morgigen Versammlung zur allgemeinen Kenntnis bringen würden. Der Vorstand der Synagogengemeinde. Sachs. Goldfeld. Hirschberg. Marcus. ★ Sodann ergriff als zweiter Referent Dr. C a rlebach-Lübeck das Wort. Je mehr wir Juden seien, um so grössere Leistungen würden wir für die Gesamtheit erzielen. Die jüdische Schule solle für unsere Kinder eine geistige Heimat sein und das bedeute Lebensglück und Jugendfreude. Die Ehrfurcht vor G”tt und die Treue zu ihm könne in vollem Umfange nur die jüdische Schule lehren, da sie allein gründlichen Religionsunterricht zu bieten vermöge. Besonders aber spreche für die Schaffung eigener jüdischer Schulen der heutige Antisemitismus. Die jüdische Schule bedeute ein Stück jüdischer Zukunft. Leute die aus ihr hervorgehen, würden aufrecht im Leben dastehen und ihr Judentum kennen, weil sie es kennen gelernt hätten durch Erlernen der hebräischen Sprache und dies könne nur die jüdische Schule bieten. Der Redner schloss mit dar Aufforderung einig zu sein und jeden nach seiner Fasson selig werden zu lassen. In der Diskussion ergriff als erster Kreisschulinspektor H e m m e r i e das Wort. Er könne von seinem Standpunkt als Katholik vieles, was die ■Referenten ausgeführt hätten, durchaus unterschreiben. Er sei Anhänger der konfessionellen Schule, die allein Charaktere fürs Leben hervorzubringen im Stande sei. Er habe daher volles Verständnis für die geplanten Ziele und werde seinerseits alles tun, um diesen Wünschen zur Verwirklichung zu verhelfen. Sodann sprach als Vertreter der liberalen Richtung Professor Dr. Wohlauer. Gewiss könne man den Ausführungen der Referenten sehr viel Beachtenswertes entnehmen. Es frage sich aber, was werde bei Verfolgung solcher Ziele aus der Stellung der Juden als Bürger. In der jüdischen Schule werde nicht immer das gelehrt werden, was jüdischen Geist und G"ttesgesetz betreffe. Der Kampf um die staatsbürgerliche Gleichberechtigung werde in Frage gestellt, der Weg zum Ghetto geöffnet. Wir werden dann als ein eigenes Volkstum gelten, das aber fremd geworden sein werde in der uns umgebenden Welt. Zurückweisen müsse er aus den Ausführungen des Herrn Dr. Carlebach den Vorwurf des übertriebenen Intellektualismus unserer Jüdischen Jugend. Nachdem dann noch kurz Herr Rechtsanwalt Gal I an d gesprochen hatte, musste wegen der Polizeistunde die Versammlung geschlossen werden. Dass sich eine freie Aussprache, wie sie angekündigt war und wie sie im Interesse der Objektivität erforderlich gewesen wäre, nicht in dem notwendigen Umfang entwickeln konnte, lag daran, dass die Versammlung erst gegen 3/4 9 Uhr eröffnet wurde und die beiden Referate sich bis 3/4 11 Uhr hinzogen. Die dann noch verfügbare Zeit konnte begreiflicherweise zu einer fruchtbaren und klärenden Aussprache nicht genügen. (Jüdisch-liberale Zeitung Breslau den 24. Dezember 1920) „FELDGEBETBUCH FUER DIE JUEDISCHEN MANNSCHAFTEN DES HEERES” Unser Jahrhundert hat viele Dinge gebracht, die uns heutigen weit zurückliegend erscheinen, die sich scheinbar in einer anderen Welt abgespielt haben, in einer anderen Zeit, — durch die Tragödie des Holocaust von der Gegenwart getrennt. — Wir, die Generation der ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts bilden die Brücke. In den Familien, in denen die Väter während des ersten Weltkrieges auf deutscher Seite im Felde gestanden haben, es wurden Hundert Tausend mobilisiert, davon 80,000 Frontsoldaten, findet sich manchmal ein dünnes Heft, in schwarzem Kallikopapier eingeschlagen, 13 auf 9,5 Zentimeter, das “Feldgebetbuch für die jüdischen Mannschaften des Heeres”. Es hat die Form, die sich gut in der Tasche des Uniformrocks verstauen lässt. Der teilweise schlecht ausgeführte Druck, blass, wurde von H. Itzkowotzki besorgt. Auf dem Innenblatt steht, unter dem Inhaltsverzeichnis in kleiner Schrift: “Herausgeben vom Verband deutscher Juden”. An eine Organisation mit diesem Namen kann sich kaum jemand erinnern, das Philolexikon, 1936, schweigt sich aus, das Jüdische Lexikon, 1930, führt das Stichwort. Wir erfahren, dass der Verband im Jahre 1904 von leitenden Persönlichkeiten des Centralvereins geschaffen wurde, “aus dem Bedürfnis nach einer jüdischen Repräsentanz beim Verkehr mit staatlichen Behörden", es war “keine öffentliche Institution sondern eine private Gesellschaft”, “kein Verein von Einzelpersonen sondern eine Art Exekutive der bestehenden jüdischen Organisationen Deutschlands". Die Gruppe war bis 1918 aktiv in dem Bemühen “Die Gleichstellung der jüdischen Religionsgemeinschaft mit den beiden christlichen Kirchen durchzusetzen''. — ★ Die Hundert Tausend jüdischen Soldaten stellten 17% der Gemeinschaft dar, ein Prozentsatz, der über der allgemeinen Aushebung lag, 12,000 fielen. In dem 1932 vom “Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" veröffentlichten Gedenkbuch, das sozusagen in letzter Minute die Vorwürfe der Antisemiten, dass die Juden sich während der Krieges “gedrückt” hätten, und keine guten (Fortsetzung auf Seite 20) 8