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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1990-01-01 · No. 54 (1990) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1990
Issue
No. 54 (1990)
Date
1990-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Die Jüdische Schule.. (Fortsetzung von Seite 6) funden werden. S. R. Hirsch, der orthodoxe Führer, hat zwar im sechzehnten seiner 19 Briefe die Emanzipation gepriesen, aber seine kleinen Epigonen trauern ob der dadurch eingetretenen Erweiterung des jüdischen Wirkungskreises! Wahrlich, ein enger Kreis umgibt Euer Leben! In seiner Arbeit “Der Völkerbund im Lichte des Judentums" schreibt Herr Dr. Heinemann am Schluss, als er über das Ende des babylonischen Exils und die Befreiung der Juden spricht: “Zweifeln wir, dass es auch damals viele gab, die vor den Sonderaufgaben und Hoffnungen der eigenen Gemeinschaft den Blick verloren für die Welt und ihre Sorgen?" Dieses Wort ist für die Herren Verfechter der Konfessionsschule anzuwenden, obschon ihre Herren Vertreter ironisch feststellten, es sprächen über Erziehung und Schule Viele, die nichts davon verständen. Nun, die obigen Autoren sind wohl hierzu nicht zu rechnen und der gesunde Laienverstand, besonders wenn er mit eingehendem Studium verknüpft ist, hat wenigstens den Vorteil, nicht durch Sonderaufgaben und Hoffnungen den Blick für das Allgemeine zu verlieren. — In der Versammlung am Montag war Herr Dr. Heinemann wie stets vorbildlich, vornehm in Form und Inhalt, tief im Geistigen wurzelnd. Er geniesst in allen Kreisen tiefe Sympathien und wir sind stolz auf einen solchen Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft, auch wenn unsere Wege sich zeitweilig trennen. Im Ziele scheidet uns nichts von ihm. Aber die Durchdringung des Unterrichts mit einheitlichen Gedanken darf nicht nur vom konfessionellen Standpunke erfolgen. Wenn der Geschichtslehrer den Abfall der Niederlande bespricht, dann soll im deutschen Unterricht Don Carlos gelesen werden und der Zeichenlehrer soll von niederländischer Kunst sprechen, dann wird die Einheit der Persönlichkeit in dem Schüler jüdischer und christlicher Konfession besser erzeugt, als wenn ein noch so hoher Sonderstandpunkt das verbindende Glied ist. Alle echten Religionen erstreben eine ethische Durchdringung der Persönlichkeit, alle haben aus dem Judentum den Gedanken der Menschenwürde entnommen, die mit dem Geiste G"ttes erfüllt ist. Auch Herr Dr. Heinemann lehrt diese Gedanken, sie sind aber ebenso gut aus dem Gemeinsamen herzustellen und dieser Weg hat den Vorteil, zu verbinden. Die religiöse Erziehung soll der Schüler in der sorgsamst ausgebauten Religionsschule und im Elternhause finden. Das ethische und religiöse Elternhaus, in dem das Kind strengste Rechtlichkeit beruflich und persönlich sieht, leistet hierfür mehr als irgend eine Schule es vermag. Das Kind muss zum Erleben G"ttes durch die häusliche Erziehung gelangen, nicht durch äussere Form, sondern durch Beispiel und bewusste Verbindung mit den täglichen Ereignissen. Diese von Äusserlichkeiten unabhängige Religion ist unverlierbar. Sie muss von dem jüdischen Gedanken der Bibel über G”ttesliebe und Menschenliebe getragen sein. Ich habe mich nicht überzeugt, dass zwischen Orthodoxen und liberalen Kreisen ein Unterschied in der sittlichen Empfindung besteht, die Erwekkung des Erlebens G”ttes muss also in einer Kraft liegen, die unabhängig ist von der äusseren Form. Wenn Herr Dr. Heinemann behauptet, es gäbe Leute, die erklärten, sie könnten nicht Juden sein, weil sie in deutscher Kultur ständen, so ist dies ein Fehlschluss, den schon die Persönlichkeit eines Gabriel- Riesser als falsch erweist. Herr Dr. Carlebach, der nach Herrn Dr. Heinemann sprach, erzielte keine Verstärkung des Eindruckes der Heinemann'schen Rede. Wenn er gleich am Eingänge seiner Rede Rücksicht auf den Gast verlangte, so ist ihm entgegen zu haltent dass der, welcher Kegel schiebt, sich gefallen lassen muss, dass der Kegeljunge auch anzeigt, wenn er daneben geschoben hat. Wer Zustimmung verlangt, muss auch Ablehnung vertragen können, besonders wenn sich die Ablehnung nur im Gesicht ausprägt... Herr Dr. Heinemann hatte entschieden den Eindruck des besseren Pädagogen (unterlassen. Dass Herr Dr. Carlebach in einem anderen Satze erklärte, die jüdischen Schüler seien nach einem Ausspruche Försters — duch die Lehre der Thora den anderen in der Praxis der Nächstenliebe zuvor, sei ohne Kritik registriert. Wenn er aber fragt, woher es komme, dass die Kinder keine Religion hätten, dann möge er sich die Antwort bei einem Teile der Religionslehrer holen. Glücklicherweise sind diese Fälle vereinzelt. Weil die Schule für orthodoxe Kinder gedacht ist, scheint übrigens, da diese Kinder ja schon durch das Elternhaus jüdisch erzogen sein müssten, im vorliegenden Falle das krasse Beispiel zwar agitatorisch wirksam, sachlich aber unberechtigt zu sein. Die anonyme Anzeige, als deren Urheber sich der “Jüdische Schulverein” erst in der Versammlung bekannte, hatte eine freie Aussprache angezeigt. Es kam auch wirklich, nachdem der katholische Kreisschulinspektor Dr. Hemmerle sich als Freund der Konfessionsschule bekannt hatte, die freilich nach der Reichsverfassung die Ausnahme sein soll, auch ein Gegner der jüdischen Schule zu Wort, der eindrucksvoll als Schulmann dagegen sprach, dann schlug ein zionistischer Redner ein merkwürdiges Salto mortale mit dem Satze, die Mommsensche Äusserung von den Juden als Ferment der Dekomposition sei so zu verstehen, dass die Juden durch die Simultanschule zersetzt werden. Hoffentlich hat dieser Redner nicht eine jüdische Schule besucht, damit nicht der Gedanke an die jüdische Logik als Unterrichtsgegenstand Zweifel erfährt. Und dann — ja und dann ging die niedliche kleine Lampe aus, wie Presber so schön sagt. Die offiziellen Referate dauerten bis kurz vor 11; um 11 Uhr ist Polizeistunde; das war die freie Aussprache. “Sir, dieser Mortimer starb Euch sehr gelegen." Ob übrigens in einer Zeit der bittersten Not jüdischer Kultusbeamter und Religionslehrer, verfügbare Mittel nicht zweckmässiger zu deren Besserstellung verwendet werden, überlasse ich allen cfenen zum Nachdenken, die mit mir der Ansicht [sind], dass das Gesamtinteresse am jüdischen Religionsunterricht und Kult näher steht, als das Privatinteresse einer zwar sehr zielbewussten, aber doch kleinen Gruppe. Dass eine Anzahl alter jüdischer Schulen aus Mangel an Mitteln eingeht und dass man in Posen mit der neuen jüdischen Schule sehr bittere Erfahrungen machte, ist als bekannt vorauszusetzen. Aber es ist das Schicksal, dass weder Völker noch Gemeinschaften aus der Geschichte lernen. Ignaz Walsch in: Jüdisch-liberale Zeitung, 1. Jahrgang Nr. 4 (Breslau, den 24. Dezember 1920), S. 1f. In derselben Zeitung unter der Überschrift “Lokales": SITZUNG DER REPRAESENTANTEN - VERSAMMLUNG Die Repräsentantenversammlung hatte unstreitig am Sonntag ihren grossen Tag. Rein äusserlich wäre zu erwähnen, dass der Vorstand mit seinem ehrwürdigen, tatkräftigen Vorsitzenden an der Spitze, nahezu vollständig vertreten war, während von den der liberalen Majorität angehörigen vier Juristen nur einer der Sitzung beiwohnte. Das grosse Ereignis des Tages war darin zu finden, dass sich den Gemeindebehörden Gelegenheit bot, zur Frage der jüdischen Schule unzweideutig Stellung zu nehmen. Mit wachsendem Befremden hatten alle diejenigen, welche ohne ein Tüpfelchen von ihrem positiven Judentum preisgeben zu wollen, ihr Deutschtum betonen und sich in keiner Beziehung ausserhalb der andersgläubigen Landsleute stellen wollen, von Bestrebungen Kenntnis genommen, die anscheinend eine Höhere Schule ausgesprochen jüdischen Charakters zum Ziele haben. Man hatte gelesen, dass schon die .unterste Klasse einer solchen Anstalt — ob mit oder ohne behördliche Genehmigung, das wusste man nicht — von einer verschwindenden Minderheit hiesiger Glaubensgenossen in Betrieb gesetzt sei, man las mit Erstaunen, dass die Person des II. Rabbiners der orthodoxen Richtung, des Herrn Dr. Simonsohn, mit dieser Gründung eng verknüpft sei, eine Tatsachet die uns Liberale, welche wir der Tätigkeit dieses Herren schon lange ein starkes Misstrauen entgegenbringen, nicht sonderlich überraschte, die aber wohl den Gemeindevorstand zu gewissen Nachforschungen veranlasst haben dürfte. Dann las man neuerdings, dass in einer von ungenannter Seite für letzten Montag eingerufenen öffentlichen Versammlung die Herrn Realschuldirektor Dr. Jos. Carlebach und Dozent Dr. I. Heinemann über “Die jüdische Schule eine Notwendigkeit” Vortrag halten wollen, kurzum für die Liberalen war das Mass ihrer Geduld übervoll und es musste der Öffentlichkeit gegenüber mit aller Schärfe betont werden, dass solche separatistischen Machenschaften, welche uns in das Ghetto zurückführen möchten, weder die Gemeindekörperschaften, noch auch einen nur irgendwie nennenswerten Teil der jüdischen Staatsbürger Breslaus hinter sich haben. Gelegenheit dazu bot der Vorstandsantrag, betr. Schaffung von zwei Stellen akademisch gebildeter Lehrer, um, wie es in der Vorlage heisst, den jüdischen Religionsunterricht an den öffentlichen Anstalten regelmässig erteilt und auf eine Stufe gebracht zu sehen, die in gleicher Höhe mit dem christlichen Religionsunterricht steht und der die jüdischen Kinder befähigen soll, durch Kenntnisse in unserer Religion antisemitische Angriffe abzuschlagen sowie dem Gemeindegottesdienst mit Verständnis zu folgen. Im Anschluss an die Vorlaget die selbstverständlich angenommen wurde, richtete der Referent, Prof. Dr. Wohlauer, an den Vorstand die Anfrage, ob er irgend eine Beziehung zu der in der Entstehung begriffenen jüdischen Schule habe. An die glatte Verneinung dieser Frage knüpfte sich eine rege, interessante Erörterung, in welcher der liberale Repräsentant Herr Ignatz Walsch mit wuchtigen Streichen des gefährliche Spiel mit dem Feuer, das solchen Bestrebungen innewohnt, geisselte und die schwere Anklage erhob, dass jene verschwindend kleine Gemeinschaft, welche uns (Fortsetzung auf Seite 8) 7

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