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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1989-01-01 · No. 53 (1989) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1989
Issue
No. 53 (1989)
Date
1989-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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EIN BILD DES NIEDERGANGES (DAS JÜDISCHE BRESLAU (WROCLAW) IM JAHRE 1987) Bis zur Vernichtung des Judentums in Osteuropa durch die Nationalsozialisten Deutschlands, war das heutige Wroclaw (das frühere Breslau) eines der Zentren jüdischen Wirkens im Osten Deutschlands. Den heutigen jüdischen Touristen könnten bei einem Besuch der Volksrepublik Polen die folgenden Fragen beschäftigen: ist es wirklich so, wie hi?rzulande zeitweise berichtet wird, dass Juden und Polen unter der NS.Barbarei so viel gelitten haben, dass das gleiche ertragene Leid, der gleiche Schmerz, sie einander näher gebracht haben? Kennen die heutigen Einwohner polnischer (ehemals deutscher) Städte die Zeugnisse jüdischer Vergangenheit und eventuell noch heute vorhandenen jüdischen Lebens am Ort? Wie verhalten sich alte und junge Polen heute Juden gegenüber? Gibt es in Polen heute noch Antisemitismus? Es wird einem Besucher heute mit Sicherheit nicht allzu leicht fallen, die Stätten jüdischer Vergangenheit auf Anhieb zu finden, obwohl es davon hier eine ganze Menge gibt. Auf Fragen nach solchen Stätten reagieren die meisten der auf der Strasse angesprochenen Passanten ziemlich hilflos. Ältere Leute ,,sind nicht von hier“, junge zucken mit den Achseln, wissen mit der Frage nichts anzufangen. Auch Milizmänner (Polizisten), die um Auskunft gebeten werden, grüssen zwar sehr höflich, sind mit der Frage aber restlos überfordert. Erst ein Mitarbeiter der Universität (geboren in Warschau) bietet seine Hilfe an und führt uns dann den ganzen Tag lang zu den jüdischen Stätten der Stadt an der Oder. Der erste Platz, den wir aufsuchen, ist als ,,P!ac bohaterow getta“ (Platz der Helden des Ghettos), den Märtyrern des Ghettoaufstandes in Warschau gewidmet. Hier ist ein am 19. April 1963 — dem 20. Jahrestage des Ghettoaufstandes — errichtetes Denkmal zu sehen, das in polnischer und hebräischer Sprache folgende Aufschrift trägt: „Den Helden des Warschauer Ghettos, den Kämpfern für unsere und eure Freiheit“. Ein rote Nelke liegt auf der Seite mit der hebräischen Inschrift. Der Weg führt uns weiter zu einem älteren Haus, in dem sich der Raum der „Gesellschaft der kulturellen Vereinigung der Juden in Wroclaw“ (Tewarcyzstwo spoleczno-kulturalne Zydow we Wroclawiu) befindet, also ein Zeugnis gegenwärtigen jüdischen Lebens in der Stadt. Leider war das Haus stets verschlossen, ein Kontakt also unmöglich. Die rote Tafel mit weisser Inschrift — in polnischer wie darunter in hebräischer Schrift — besagte jedoch, dass es doch noch einige (wenn auch, wie zu erfahren war) sehr wenige und zumeist nur ältere Juden in Breslau geben muss. Vielleicht gelingt es einem anderen Besucher Breslaus, der mehr Glück hat, mal mit Mitgliedern dieses „jüdischen Kulturklubs“ in der Ulica Swidnicka 28 (Schweidnitzer Strasse 28) in Kontakt zu kommen. Die dritte Stelle jüdischer Präsenz in Breslau macht nicht nur sehr traurig, sondern sogleich nachdenklich: die Ruine der ehemaligen Synagoge (Hauptsynagoge) in der Ulica Wlodkowica 14. Das Synagogengebäude ist völlig heruntergekommen, in den Fenstern sind noch Glasreste, andere wieder sind mit Brettern vernagelt. Die Kuppel dieses einst herrlichen Gebäudes ist noch, wenn auch nur als Fragment, erhalten. Die Türen zur Synagoge sind fest verschlossen und mit Eisengittern gesichert. Ein spalt gewährt Einblick in das Innere: Verwüstung, Schmutz, Unrat... Ein Teil der Nebengebäude — die Synagoge hier war wohl Mittelpunkt eines Gemeindezentrums mit allen notwendigen Einrichtungen — verkommen; auch die früher bewohnten drei- und vierstöckigen Häuser, die die Synagogenruine, wie die Seiten eines Rechtecks, einschliessen, sind bewohnt, allerdings baulich sehr heruntergekommen. Der Synagogenvorplatz dient als Kinderspielplatz. Hier sind — es ist ein Lichtblick in dieser düsteren, deprimierenden, sehr traurigen Umgebung — einige Spielgeräte für Kinder angebracht. Nachdenklich verlässt man durch ein Tor in der Häuserfront, die genau wie das ehemalige Gemeindezentrum mit Synagoge noch den wunderschönen Anblick dieser klassizistischen Bauten erkennen lässt, die Stätten einst blühenden jüdischen Lebens in Breslau. Nun führt der Weg zu dem älteren der zwei jüdischen Friedhöfe — dem in der Ulica Slezna. Es ist schwer, in den Friedhof hineinzugelangen, denn vor dem Eingangstor versperren Baubuden, ein Zaun, ein starkes Tor und ein Wächter mit scharfem Hund den Weg. Auch die Beteuerungen, man wolle das Grab von Verwandten besuchen, helfen nichts — zunächst wenigstens, denn schliesslich kann unser polnischer Begleiter den Wächter doch dazu bringen, uns hereinzulassen. Eine starke Mauer, in die alte Grabsteine. Funde aus der Umgebung Breslaus, aus dem 12. bzw. 13. Jahrhundert stammend — eingemauert sind, umgibt den Friedhof, der heute natürlich einen sehr desolaten Eindruck macht. Viele Grabsteine sind umgefallen, eine ganze Reihe von Grüften geöffnet, auch weisen einige Mazevot noch Spuren des zweiten Weltkrieges, wie Beschädigungen durch Geschosse, auf. Viele der noch erhalten gebliebenen Grabstätten künden von einer heute kaum vorstellbaren Pracht. Wir besuchen das Grab von Ferdinand Lassalle s.A. — es ist eines der ganz wenigen gepflegten Gräber, die auch Zeichen des Besuchtwerdens aufweisen. Mit Erstaunen und fast ungläubiger Bewunderung erfüllen den Besucher herrliche Grabmäler und Grüfte, heute Stätten einstiger Pracht. Es ist, trotz allem, den dafür in Polen heute Verantwortlichen hoch anzurechnen, dass jetzt ernste Bemühungen unternommen werden, die jüdischen Friedhöfe vor weiterem Verfall zu schützen, ja, es sind bereits Spuren erkennbar besonders „kulturell wertvolle“ Grabmäler sorgfältig zu rekonstruieren. Sicher, es wird noch sehr lange dauern, bis ein Erfolg dieser Bemühungen sich einstellen wird; wichtig i st, dass — nach vielen Jahren des Nichtstuns - endlich ein Anfang gemacht wurde. Nach einer längeren Fahrt durch die Aussenbezirke gelang man zum zweiten und „neuen“ jüdischen Friedhof in Breslau — dem an der Ulica Pilczyska, am Rande der Stadt. Er ist von einem hohen Maschendrahtzaun umgeben. Das eiserne Tor ist verschlossen, doch gelangt der Besucher durch ein recht grosses Loch im Zaun auf das Friedhofsgelände... Erst hier merkt man, dass es in Wroclaw anscheinend doch noch eine jüdische Gemeinde gibt — an den neuesten und neueren Grabhügeln und an den Grabstätten mit neuem Datum. Es muss hier viele alte Menschen geben — das kann man aus den zahlreichen Grabhügeln schliessen. Die entfernteren Teile des Friedhofes sind mit dichtem Gestrüpp bewachsen; dort befinden sich zahlreiche ältere und sehr alte Grabsteine. Auch eine Tahara- Halle ist zu sehen — sie muss zur Zeit ihrer Erbauung ein modernes, grosses Gebäude gewesen sein — heute ist der rote Backsteinbau auch im Zerfallen begriffen, die Fenster sind eingeschlagen, die Mauer bröckelt. Auch hier ein Bild des Niederganges, der Trauer, das den Besucher deprimiert. Erlebnisse gibt es in Wroclaw mehr als genug, die meisten sind wenig erfreulich. Als wir am Abend ein Bier in einer der zahlreichen Gaststätten trinken wollen, wurde uns stets nach kurzer Musterung durch den Kellner oder Geschäftsführer höflich, aber bestimmt, mitgeteilt, das Lokal sei schon voll besetzt. (Es waren jedoch noch mehr als die Hälfte der Tische frei). Schliesslich, nach längerem Nachdenken, entdeckten wir den Grund dieses Handelns — einen um den Hals hängenden Davidstern! Als wir dann am nächsten Tage doch in einem Lokal einen Platz fanden, waren wir nach einiger Zeit lauten Beschimpfungen von etwa 10-, 20- bis 30-jährigen Männern ausgesetzt, die wohl nicht ahnten, dass der „Zyd przeklety“ (verfluchter Jude) ganz gut polnisch versteht — unserem Begleiter war des äusserst peinlich, er entschuldigte sich, vielmals. Als jedoch die Gesellschaft nach ei nigen Runden Wodka beratschlagte, wie man die Juden — die beiden nichtjüdischen Begleiter wurden gleich auch mit als Juden angesehen — wohl am besten umbringen könnte, verliessen wir die „gastliche Stätte“. Eine Antwort auf die Frage •nach dem Antisemitismus in Polen erübrigt sich wohl; auch meine zwei Begleiter waren nach einigen Tagen in Polen davon überzeugt, dass dieses Land Juden gegenüber nicht freundlich gesinnt ist. Israel Schwierz DIE RECHTSVERHÄLTNISSE IM STAAT DES DEUTSCHEN ORDENS ZUM 100. GEBURTSTAG DES RECHTSHISTORIKERS GUIDO KISCH AM 22. JANUAR Am 22. Januar 1989 jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag eines Gelehrten, dessen zu gedenken an dieser Stelle besonderer Anlass besteht: Professor Guido Kisch, verstorben in Basel am 7. Juli 1986, wirkte als Ordinarius für Deutsche Rechtsgeschichte an den Universitäten in Königsberg und Halle von 1920 bis 1933, bevor ihn die nationalsozialistische Gewaltherrschaft — nach einem kurzen Intervall, währenddessen er in Breslau noch Vorlesungen am Jüdisch-Theologischen Seminar („Fraenkelsche Stiftung“) hielt — 1935 unter schwersten äusseren Umständen zur Emigration in die Vereinigten Staaten nötigte. Während dieser ersten Phase seines durch bewundernswerte Leistungen ausgezeichneten Lebens hat Guido Kisch, Abkömmling einer angesehen Prager Familie von Rabbinern, Professoren und Schriftstellern ein enges Verhältnis gewonnen zur Geschichte des sächsisch-magdeburgischen Rechts, das im ost- und westpreussischen Raum von besonderem Einfluss war. Er hat die lezten 30 Jahre seines schweren, aber ertragreichen Lebens dann noch als Ehrendozent an der Universität Basel verbracht; sein Erinnerungsbuch „Der Lebensweg eines Rechtshistorikers“ (Sigmaringen 1975), dessen Lektüre jedermann empfohlen werden kann, ist ein rechts- und zeitgeschichtliches Denkmal von hohem Wert. Hans Thieme KK 711 vom 15. Januar 1989/12 RUTH LÖWENBERG, geb. KOPPENHEIM s.A. Frau Ruth Löwenberg, geb. Koppenheim und ihr Mann zählten zu den ersten Mitgliedern der „Breslauer" und waren auch im Vorstand. Sie waren Beide ihres geraden Charakters bei allen Bekannten sehr beliebt. Sie zeichneten sich auch durch grosse Hilfsbereitschaft aus und hatten das Glück, ihre guten Eigenschaften in ihren Kindern weiter leben zu sehen. Ruth Löwenberg s.A. ist ihrem Gatten, Lutz Löwenberg, im Alter von 82 Jahren, nach vielen Jahren, nachgefolgt. Wir Alle, die wir sie liebten, trauern um sie. 18

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