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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1989-01-01 · No. 53 (1989) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1989
Issue
No. 53 (1989)
Date
1989-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Goldstern JUGEND IM UNTERGRUND von Geld, Schlafstellen, Essen, Jizcnak Schwersenz: Die versteckte Gruppe. Ein jüdischer Lehrer erinnert sich. Wiehern Verlag, Berlin. Die vor zwanzig Jahren hebräisch erschienen Erlebnisse und Erinnerungen von Schwersenz sind;;un — endlich möchte man sagen — in einer vorzüglichen Edierung, mit neu gestalteter Kapiteleinteilung dem deutschsprachigen Leser zugänglich gemacht worden. Seine persönlichen Erlebnisse, wie die der kleinen Gruppe, ungefähr 15, gehörten zum ,,Stamm“, bis zu 40 Jugendliche schlossen sich ihnen an und verschwanden wieder. Jizchak (Heinz) Schwersenz, Jahrgang 1915, Vater Soldat im 1. Weltkrieg wächst in einem assimilierten Haus auf, von „einem Gefühl der Sicherheit, der Zuversicht und Staatsvertrauen geprägt“. Das Jahr 1933 bringt den Umbruch, er verlässt die Schule, um sich in Holland beruflich für Palästina vorzubereiten. Auf Wunsch des Jugendbundes kehrt er 1935 nach Deutschland zurück, arbeitet in einem Kinderheim der Jugenalija in Köln, sein erster Kontakt mit ihr, die 1932 durch Initiative von Recha Freier geschaffen wurde, und seit Frühjahr 1934 Gruppen nach Palästina brachte. In Köln besuchte er das Religionslehrerseminar, aber er kehrt bald nach Berlin zurück, holt das Abitur nach und wird Volksschullehrer. Durch die Arbeit in der „Jüdischen Jugendhilfe“ lernt er Edith Wolff, Ewo, kennen, die ihn später bewegt, in den Untergrund zu gehen, ihm und der Gruppe einige Zeit behilflich sein kann, als „Mischling“ besass sie gewisse „Privilegien“, bis zur Verhaftung. Sie wurde durch 17 Zuchthäuser und Strafanstalten geschleppt. Ihr, die heute in Haifa lebt, ist das Buch gewidmet: „Für Edith Wolff, ohne die dieses Buch nicht enstanden wäre“. Leider reicht der Raum nicht, jedes Kapitel dieses Schicksalromans zu erwähnen. Bis mindestens 1941 glaubte man an die „Legalität“. Als Recha Freier 1938 „illegale Wege“ vorschlug, um die elternlosen Kinder der nach Polen deportierten zu retten, warf man ihr vor, „aus der Reihe zu tanzen“, „sie musste schliesslich die jüdische Jugendhilfe verlassen“. Ende 1939, als das Schulverbot wieder gelockert wird, übernimmt Schwersenz die 1936 gegründete „Jugendalijaschule“, die im Herbst 1941 endgültig geschlossen wird. Er kann in einer ..Gartenbauschule“ Unterricht geben, getarnt als „Theorielehrer für Garten- und Gemüsebau“ auf einem von der SS requirierten Grundstück. Der erste Transport verlässt Berlin am 18. Oktober 1941. „Eine Ausreise war nicht mehr möglich“.an ein Untertauchen dachten damals die wenigsten". Die Gemeinde musste die Listen zusammenstellen. „Die Frage der Kooperation überschaute in dieser Zeit alles“.Ich möchte die Frage nicht glätten. Aber... niemand, der nicht dabei gewesen ist, hat ein Recht zu urteilen“. August 1942. Er erhält die Aufforderung, sich im Sammellager zu melden. Nach Diskusssionen in der „Bundesleitung“ und durch Rückendeckung durch Ewo wird ihm „erlaubt“, in den Untergrund zu gehen. (!) Er fährt mit dem „Judenstern“ in den Grunewald, und kehrt mit dem Abzeichen der „Arbeitsfront“ zurück. Das endgültige Ende bringt der 27. Februar 1943. Die „Fabrikation“, die die erfasste, die in Rüstungsbetrieben beschäftigt waren. Die Kinder, die „es nun offiziell nicht mehr geben“ durfte, kamen in die Wohnung von Ewo. Das „Gründungsdatum“ der Gruppe, die er „Chug Chaluzi“ nennt. Gruppe der Pioniere. Es werden die Sorgen geschildert, bei „Strassennächte“ mit Spaziergängen, Aufenthalten in Parks wie auf unverschlossenen Dachböden, Fahrten mit Nachtiinien der Strassenbahn. Sie finden viele helfende Hände, sogar Arbeitsstellen insbesondere für die Jugendlichen. Es waren Ausweise zu beschaffen, echte wie gefälschte. Er führte zwei Namen im Untergrund, einen dritten bei der Flucht als Offizier der Luftwaffe. Man war bemüht sich täglich zu treffen, sie unternahmen sonntägliche Fahrten in die Umgebung. In den Nächten zum Sonntag mischten sie sich unter die vielen, die nach Karten anstanden, die ab Sonntag früh für die kommende Woche verkauft wurden. Niemand glaubte, dass „unerlaubte Elemente“ sich für Kunstveranstaltungen interessieren. Er lernte einige pensionierte Lehrerinnen kennen, die halfen und Kontakte vermitteln, die die recht erheblichen Mittel zur Flucht aufbringen, da er, im militärpflichtigen Alter, immer gefährdet war. Mitte Februar 1944 kann er die Grenze in die Schweiz überschreiten. Dort muss er durch einige Gefängnisse, bis ihn der Präsident der Gemeinde Schaffhausen „befreit“. Er kommt in ein Flüchtlingslager bei Zürich, wo er Kontakte mit jüdischen Organisationen aufnehmen kann die durch Mittelsmänner Gelder an die Zurückgebliebenen übermitteln, dass alle das Ende des Krieges erleben. In der Schweiz studiert er, arbeitet als Lehrer, organisiert eine Jugendgruppe, bis er 1953 nach Israel kommt, wo er bis zu seiner Pensionierung in der Realschule in Haifa beschäftigt ist und auch aktiv bei den „Zofim“, der Pfadfindergruppe. ★ Es gibt ein Wort, wonach eine Meldung von Millionen Opfern Statistik ist, während die Nach- SPAZ1ERGANG... (Fortsetzung von Seite 13) dert wurde. Der Begriff löst sich später von dem geographischen Punkt. Der Name Gai ben Hinnom wird zum Gehinnom, zum Gehenna der Griechen, zum Platz des Bösen. ★ Der Spaziergang in der Einsamkeit, innerhalb der grossen Stadt und doch so weit von ihr entfernt, lässt die Gedanken zurückschweifen. Der Begriff der Opferung der Erstgeborenen tritt immer wieder in der Schrift auf, er gehört zu der Vorstellung jener Welt, in der die Vor-Vorfahren jener wandernden Stämme zelten, die später der Welt das Zehnwort und den Monotheismus gaben. Schon in den ersten Kapiteln der in der Bibel aufgezeichneten Ereignisse wird die hier im Gai ben Hinnom aufgeforderte Frage genannt und diskutiert. Im ersten Buch Moses, Kap. 22, lesen wir, dass von Abraham gefordert wird, seinen Sohn zu opfern. Eine Forderung, die scheinbar selbstverständlich erscheint, es werden ja auch die Erstlinge der Früchte und der Tiere geopfert. Abraham diskutiert nicht mit Gott, er protestiert nicht, — aber der Gott will kein menschliches Opfer mehr, er empfängt, stellvertretend, das Opfertier, ein sich mit seinen Hörnern im Gebüsch festgehaltener Widder. In der Erzählung des 'Auszuges aus Ägypten', wie sie im 2. Buch der Bibel beschrieben wird, fordert man von den Stammesmitgliedern die Türpfosten mit dem Blut des Opfertieres zu bestreichen. Das Tieropfer vertritt das menschliche, mit dem die Ägypter gestraft werden. Das Priestergesetz des 4. Buches der Schrift nimmt jeden Zweifel, dass die religiöricht über einige eine persönliche Katastrophe darstellt. Das ist das, was das Buch aussagen will. Das Bemühen eines damaligen Junglehrers, Schüler, Kinder, zu sammeln, ihnen ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben. Juli 1943, Schwersenz lebt fast ein Jahr im Untergrund, die Gruppe besteht fünf Monate, einer der Jungen erhält einen Brief, als „Geburtstagsgruss an die Tante“ getarnt, den ein SS-Mann überbringt. Ein Mädchen, das Flöte spielen konnte und scheinbar zum „Lagerorchester“ gehörte, schreibt, „das Leben und die Arbeit wären ganz erträglich, wenn nicht in der Nähe der Kamin wäre. Täglich kommen hunderte hinein". Und die Nachschrift: „Viele von uns sind schon bei Alfred". Das Wort Kamin in hebräischen Buchstaben, mit Herzchen ummalt, um den Überbringer zu täuschen, und 'Alfred' Selbiger ist allen ein bekannter Name. Der letzte Leiter der Jugendalija, der am 20. November 1942 erschossen wurde. Die zitierten Briefe zeigen die Anhänglichkeit mit der sich die Jugendlichen, die keine Kindheit hatten, an die Gruppe klammern. Einer schreibt, dass er jetzt „allein sei“ und „hoffe, durchzukommen“. Schwersenz fügt hinzu: „Jetzt wussten wir was uns drohte, falls die Polizei uns dennoch fand“ und im gleichen Satz, dass einige Wochen später, ein Junge gefasst wurde. ★ Dem mit vielen Bildern angereicherten Buch ist weite Verbreitung zu wünschen, insbesondere unter den Jungen, die nach den grauenvollen Ereignissen, die geschildert werden, geboren wurden, und heute ihre Jugend gemessen. Selbst die, denen die erwähnten Namen nichts sagen und darüber hinweglesen, lernen aus den Schilderungen der persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse der Jahre, die aus der Geschichte des jüdischen Volkes wie der Deutschlands nicht herauszunehmen sind. Das Buch versucht, sie ihnen nahe zu bringen. sen Gebräuche der wandernden Stämme mit den anderen Kulturen gebrochen haben. Auf der Suche nach einem Kompromiss wird der Begriff der „Auslösung der Erstgeborenen“ eingeführt. In den Vorschriften für den „Grossen Versöhnungstag“, 3. Buch Mose, werden dem Opfertier symbolische Aufgaben zugesprochen, es wird, stellvertretend, für menschliche Sünder in die Wüste geschickt. Zur Zeit des Propheten Jeremias, im 7. und 6. Jahrhundert vor der Zeitrechnung, ist der Kult der Kinderopfer wieder in Mode. Der Prophet wettert gegen die Altäre im Gai ben Hinnom, „Der Herr hat das Geschlecht, auf das er zornig ist, verworfen und verstossen“. König Josia verordnet — um 622 B.C.E. — „dass niemand seinen Sohn oder seine Tochter dem Moloch durchs Feuer gehen lasse“. Im 106. Psalm heisst es: „Sie opferten ihre Söhne und Töchter dem Dämonen“, was Luther mit Teufel übersetzt. Der kurze Spaziergang bekommt eine doppelte Bedeutung: ein entspannendes Flanieren In dem landschaftlichen schönen Tal, entfernt von dem Betrieb der grossen Stadt, und doch ihr so nahe, wie auch die Erinnerung an den grausamen Götzendienst vergangener Zeiten, dem hier gehuldigt wurde, während oben auf dem Berge Moria, wenige Schritte vom Zionsberg über uns, das Heiligtum stand, das den Glauben an einen einzigen Gott forderte. Die Welt der Finsternis gegen die Welt des Lichtes, — ein Spaziergang von einer knappen Stunde. Es i?t vielleicht mehr als nur eine geographische Feststellung, dass das Gai ben Hinnon, das Gehinnom, unterhalb des Berges Zion liegt, zu dem man nach der Tradition, hinauf steigt... 15

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