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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1989-01-01 · No. 53 (1989) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1989
Issue
No. 53 (1989)
Date
1989-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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DORT LIEGT FERDINAND LASSALLE BEGRABEN BRESLAU, EHEMALS LOHESTRASSE „Dia Pflege dieses jüdischen Friedhofes gilt auch einem Stück deutscher Kultur in Breslau. Ich sehe darin eine Verbindung unter den Völkern, Juden, Deutschen und Polen“. In fast fliessendem Deutsch sagt das der Pole Maciej Lagiewski vor deutschen Lehrern und Journalisten. Er hat Kunstgeschichte und Jura studiert, bevor er auf den völlig verfallenen, rund fünf Hektar grossen Friedhof im Süden Breslaus, an der früheren Lohestrasse, stiess. Den christlichen Friedhof daneben hatte man Anfang der siebziger Jahre aufgelöst, die Überreste des dort bestatteten preussischen Generals Carl von Clausewitz an seinen Geburtsort übergeführt. Gegen den Plan, auch den jüdischen Friedhof einzuebnen und eine Wirtschaftsakademie auf dem Grundstück zu errichten, wandten sich geschichstbewusste Architekten des heutigen Breslau. Am 24. Mai 1975 wurde die letzte Ruhestätte von mindestens 12 500 Breslauer Juden in das „Verzeichnis der Sehenswürdigkeiten“ der Stadt aufgenommen. Die Stadtväter von Breslau übernahmen damit eine kostspielige Hypothek. Noch konnten sie ja nicht ahnen, dass auch die deutschen Sozialdemokraten bereit sein würden, sich an einer würdigen Wiederherstellung des Friedhofgeländes, vor allem der Restaurierung von Tausenden von Grabkapellen, finanziell zu beteiligen. Maciej Lagiewski, inzwischen zum Kustos ernannt, lernte als Nichtjude Hebräisch und machte die Renovierung des Friedhofes zu seiner Lebensaufgabe. Ist es eine „List der Geschichte“, dass ausgerechnet der jüdische Friedhof es ist, der im nun von Polen bewohnten Breslau an die rund 800jährige deutsche Geschichte der Stadt miterinnert? Neben Davidstern oder der Abbildung des siebenarmigen Leuchters, der Menora, stehen auf den meisten Grabsteinen deutsche Inschriften und Sinnsprüche. Auf dem ganzen Friedhof tragen nur einige Grabsteine einen polnischen Namen. Oft wird man daran erinnert, dass die Juden bis ins 19, Jahrhundert hinein nur einen Vornamen trugen. Als sie von Staatswegen dazu verpflichtet wurden, sich einen Namen zuzulegen, machten es sich manche ganz einfach: Sie hiessen von da an, bei vielen Gräbern ist das nachzulesen, „Breslauer“ oder „Guttentag“. Mit 30 000 Gemeindemitgliedern hatte Breslau bis 1933 nach Berlin die meisten jüdischen Mitbürger Bei Kriegsausbruch waren in der schlesischen Metropole noch 4000 Juden, die meisten davon wurden in Theresienstadt ermordet. Die Nazis Hessen den Friedhof verkommen, die daneben liegende Schule wurde anders genutzt. Sie steht noch heute und weist allein durch die Grösse auf die Bedeutung des Judentums im einstigen Breslau ihn. In Breslau von heute leben nur wenige Juden, die mit der Schule nichts mehr anfangen konnten. Im Frühjahr 1945 wurde der Friedhof zum blutigen Kriegsschauplatz. Beim Kampf um die von Adolf Hitler zur Festung erklärte Stadt wechselte er dreimal den Besitzer. Die dort gefallenen Soldaten der Roten Armee sind nicht weit entfernt auf einem sowjetischen Heldenfriedhof bestattet. Die toten Deutschen wurden irgendwo in Massengräber geworfen. Zu gross war damals der Hass, zu tief waren die Wunden, die Hitlers Überfall auf Polen hinterlassen hatte. Rund ein Viertel der jüdischen Gräber ist inzwischen wiederhergestellt. Die Grabsteine wurden aufgerichtet und gereinigt, verblasste Inschriften mit Farbe nachgezogen. Das gilt zum Beispiel für die getrennt liegenden Gräber der Eltern der 1987 von Papst Johannes Paul II. in Köln seliggesprochenen Nonne und Philosophin Edith Stein und die Grabstätte der Eltern des Generalinspekteurs der Luftwaffe und von Hitler zum Generalfeldmar schall ernannten Erhard Milch, von dem Hermann Göring gesagt haben soll: „Wer Jude ist, bestimme ich.” Der Gang über den Friedhof mit seinen herrlichen, alten Bäumen gleicht einem Spaziergang durch die Kultur- und Geistesgeschichte der deutschen Kaiserzeit. Da liegen berühmte Professoren der Universität Breslau, wie der Botaniker von Weltruf Ferdinand Cohn, der Entdecker des Planeten Neptun, Johannes Gottfried Gail, oder der Sumatra- und Neuguineaforscher Max Moszowski. Grabkapellen oder kleine Säulenhallen Hessen sich Grossgrundbesitzer oder Bankiers errichten, so die Sachs, Friedlaender, Wertheim oder Schottlaender. Andere Gräber weisen auf die weitverzweigten Handelsbeziehungen Breslaus zu anderen Ländern hin, deren Vertreter bei plötzlichem Tode in Breslau beerdigt wurden. Das bekannteste Grab ist das von Ferdinand Lassalle, der im Jahre 1825 als Sohn eines Kaufmanns und Stadtrats in Breslau geboren worden war und dort auch die ersten Semester studiert hatte. Lassalle hatte 1863 den „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ gegründet und gilt als einer der Väter der deutschen Sozialdemokratie. Ein Jahr später kam er bei einem Duell in Genf ums Leben. Da ihm die preussische Regierung ein Grab im rheinischen Kalkum verwehrte, liess seine Mutter den Toten nach Breslau holen. Dort wurde seine letzte Ruhestätte schon bald zum Wallfahrtsort für viele Arbeiterdelegationen und in einem Lied hiess es: „Zu Breslau ein Kirchhof, ein Toter im Grab. Dort schlummert der eine, der Schwerter uns gab“. Bereits 1947 kümmerten sich polnische Sozialisten um die Erhaltung der Lassalischen Familiengrabstätte. Sie brachten eine Gedenktafel an, die jedoch bald wieder zerstört wurde. Notdürftig wurde das Grab instandgehalten. Vor Lassalles 120. Todestag wandte sich der SPD-Vorsitzende Willy Brandt in einem persönlichen Schreiben an den polnischen Staatsratsvorsitzenden, den General Jaruzelski, worin er auf die Bedeutung Lassalles für die deutsche und polnische Arbeiterbewegung hinwies. Polnische Restauratoren sorgten dafür, dass der ursprüngliche Zustand des Grabes wiederhergestellt wurde. Stellvertretend für alle, die sich von deutscher Seite aus für den jüdischen Friedhof engagiert hatten, legte am 120. Todestag von Lassalle der Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Ebert- Stiftung, der einstige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Heinz Kühn, einen Kranz am Grabe Lassalles nieder. In einer Ansprache sagte Kühn: „In kaum mehr als zwei Jahren, die ihm das Schicksal gewährte, bis ein törichter Tod seinem ideenreichen und tatenvollen Leben mit kaum 39 Jahren ein Ende setzte, hat Lassalle die Arbeiter des sich entwickelden Industriezeitalters in massenergreifenden Gerichts- und Agitationsreden aufgefordert: Organisieren Sie sich als ein allgemeiner deutscher Arbeiterverein zu dem Zwecke einer unablässigen Agitation für die Einführung des allgemeinen und direkten Wahlrechts. Dies ist ein Zeichen, in dem Sie siegen werden!... Und die Arbeiter haben ihm mit dem vor hundert Jahren entstandenen Lied, das auch heute noch in ihren Versammlungen aufklingt, geantwortet: Der Bahn, der kühnen folgen wir, die uns geführt Lassalle!“ Als Mitglied des SPD-Vorstandes würdigte auch der Bundestagsabgeordnete Karsten Voigt die Verdienste Lassalies um die Arbeiterbewegung und vor allem die Unterstützung der polnischen Freiheitsbestrebungen im 19. Jahrhundert. Karsten Voigt wörtlich: „In diesem Sinne gehört die Versöhnung zwischen Deutschen und Polen zum verpflichtenden Erbe von Ferdinand Lassalle und der Arbeiterbewegung unserer beiden Nationen. Der heute nicht mehr benutzte, sondern als polnisches Museum der jüdischen Sepulkralkunst betrachtete Friedhof an der Ulica Slezna hat Gräber seit dem Jahre 1856. An seiner Aussenmauer sind jedoch alte Grabsteine von anderen jüdischen Friedhöfen Breslaus angebracht. Die älteste Inschrift deutete auf das Jahr 1177. Leider fehlt der Stein, von dem nur noch der Grabspruch bekannt ist: Wer diese Ruhestatt'verletzt, dem wird durchs Beil ein Schlag versetzt. Man haut durchs Beil die Hand ihm ab, der hier beschädiget das Grab“. Norbert Matern (KK (Kultur Korrespondenz) 694 vom 15. Juli 1988/6) 50 JAHRE SDE-WARBURG Ich hatte 1938 die Ehre, als Kind (Jahrgang 23} Mitbegründer von Sde-Warburg zu sein. Dieses Rassco-Dorf wurde vor 50 Jahren von ausschliesslich oberschlesischen Juden aufgebaut, wir hatten damals durch Haavara Geld transferiert und waren hier die „1000—Pfund Jekes“. (Damals viel Geld) Und so wollte das Schicksal, dass nach der Kristallnacht Herr Levin zu uns kam. Er hatte bei Familie Pinczower gewohnt, und ich kann mich noch gut erinnern, er war unser beliebter Vorbeter, Kantor und Seelsorger. Wochentags hatte er andere Arbeiten verrichtet. Es waren damals schwere Zeiten, aber Herr Levin hat sich nie beklagt, im Gegenteil, er hatte immer tröstende Worte für die, die jammerten. Als erstes sollen wir Aller gedenken, die dieses Jubileum nicht mehr erleben, u. da sollten wir auch Herrn Levin nicht vergessen, obwohl er kein Siedler bei uns war. ln Sde-Warburg von 38 war fast ganz O/S vertreten, einige Beispiele: Pinczower — Ratibor, Horwitz — Gleiwitz, Herzfeld — Beuthen, Pese — Gr.-Strehlitz. Wolf — Tost, Werner — Kätscher, Dr. Fröhlich — Ratibor, Tauber — Breslau. Wir waren damals 50—60 Siedler. Völlsiedler mit 15 Dunam Boden u. Hilfssiedler, die bei den Vollsiedlern Aussenarbeit verrichten sollten. Als wir die Böden zugeteilt bekamen, waren noch Beduinen und Araber unsere nächsten Nachbaren; des Nachts hörten wir die Glocken der Karavanen, die mit landw. Produkten nach Jaffa ritten. Als Neulinge hatten wir unter den heissen Ostwind jn (Chamsin) zu leiden, aber auch die Hühner, und nicht ein Huhn musste notgeschlachtet werden. Oft hat das Essen nach Petroleum geschmeckt, wenn mal wieder der Primus verstopft war. Um unsere finanzielle Lage etwas zu verbessern, gingen wir, Jungen und Mädchen in den Wintermonaten in die Packhäuser Orangen wickeln. Sde-Warburg liegt noch heute inmitten grosser Orangenhaine. Ein anderer Nebenverdienst war: als Tel-Aviv bombardiert wurde, haben wir Zimmer vermietet. Ich glaube, nicht nur Oberschlesier, sondern deutsche Juden überhaupt, haben viel dazu beigetragen, dem heutigen Israel, wertvolle Schätze vererbt zu haben, Heinz Max Pese 12

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