Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1989
- Issue
- No. 53 (1989)
- Date
- 1989-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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STUDIENTAG IN RAMAT EPHAL (Fortsetzung von Seite 2) Ein Sukkah-Model! aus Breslau ln der Zeitschrift „Schlesien“, erscheinend in der Bundesrepublik, Heft 3/87, schildert Bernhard Deneke unter der Überschrift: „Zum Modell einer Laubhütte aus Breslau“, ein interessantes und merkwürdiges Objekt, zusammengebaut aus einem „Laubhütte-Modellierbogen“, der von der Kunstgewerbeschule Rosa Freudenthal in Breslau, wohl in den Jahren 1925 bis 1928, herausgegeben wurde. Dieses Modell, das zu sehen uns sicher alle interessiert hätte, befand sich, wie der Verfasser berichtet, in Israel und ist leider, bevor es hier ausgestellt werden konnte, wieder nach Deutschland zurückgewandert und dort, auf unbekannten Wegen, in das Germanische Museum in Nürnberg gelangt. Vielleicht befindet sich noch ein weiteres Stück im Besitze eines unserer Leser — sein richtiger Platz wäre das Diaspora-Museum („Beth Hatefuzot“) in Tel-Aviv. In seinem Artikel schildert der Verfasser mit viel Verständnis und Einfühlung und unter Anführung der einschlägigen Bibelstellen die Einsetzung und doppelte Bedeutung des Sukkoth-Festes, -als eines der gebotenen Wallfahrtsfeste und als Erntedankfest — eine Einführung in eine Welt, die uns vertraut, aber den deutschen Lesern des Artikels ganz neu sein muss. Er schildert alsdann eingehend das aus farbigen bedruckten Pappteilen zusammengebaute Modell, das nicht nur das Bauwerk selbst zeigte, sondern auch seine Inneneinrichtung mit Tisch und Schemeln, sogar mit Blumenkästen aussen und einer Kerze auf dem Tisch; von anderen Geräten, die einst den Tisch zierten, sind nur die Löcher im Tisch geblieben, in denen sie ursprünglich mit Zapfen befestigt waren. Die Sukkah wird als ein Bau aus Brettern gezeigt, aber nur die Rückwand als massiv; sowohl die anderen Wände wie auch das Dach sind grossenteils offen, wie es dem Charakter der Sukkah entspricht, und mit grünen Zweigen und Laubwerk bedeckt; an der Rückwand befinden sich, was in Wirklichkeit kaum üblich war, zwei Bilder, Mosche Rabbenu und König David darstellend, sowie dazwischen ein Magen David. Der Verfasser stellt die Herausgabe dieses Modellierbogens zur Errichtung einer Miniatur-Sukkah in Zusammenhang mit der allgemeinen Tendenz zur Wiedeierweckung jüdischen Brauchtums nach dem ersten Weltkrieg, als Gegengewicht zu der unmittelbar vorher vorherrschenden und für unüberwindlich gehaltenen Assimilation; zu den greifbaren Dingen, die dieser Tendenz Ausdruck gaben, gehörte auch die Gründung der jüdischen Schule in Breslau durch den ersten Vorsitzenden des Verbandes ehemaliger Breslauer, Dr. Se'ev (Wilhelm) Freyhan s.A. Zur Dokumentierung dieser Tendenz schildert der Verfasser auch die umfassende Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens“ (Breslau, 1929) und die reichen Schätze, die dort gezeigt wurden: Dokumente und bildliche Darstellungen zur Geschichte der Juden in Schlesien 1050—1850, Handschriften und Drucke sowie Portraits; neben den vielen kostbaren Stükken erwähnt der Katalog auch das Modell einer Sukkah aus der Kunstgewerbestube von Rosa Freudenthal, also entweder das jetzt wieder aufgetauchte Kartonmodell oder eine Vorlage dazu. Der Verfasser zitiert auch aus einem Aufsatz über diese Ausstellung aus der Feder von Dr. Willy Cohn, des Breslauer Gelehrten, der ein Opfer der mörderischen Verfolgung wurde, dessen Tagebuch für die Zeit bis zu seiner Deportation gerettet und nach Israel gebracht werden konnte; Auszüge daraus konnten wir veröffentlichen, und sie bieten einen bedrückenden und tieftraurigen Einblick in das Leben der einst stolzen jüdischen Gemeinde in Breslau. Welche Ironie des Schicksals, dass das kleine Sukkah-Modell aus Breslau schliesslich einen ständigen Ort gerade im Germanischen Museum zu Nürnberg gefunden hat, in der Stadt der Nürnberger Gesetze, die die deutschen Juden im September 1935 ihrer Bürgerrechte beraubten! Dr. Richard Prager m. $*] *31 «3* jfe! J£0 Modell einer Laubhütte, Breslau, um 1925—1926. (Bar-Ilan Universität). Es war eine der grossen Stunden der deutschen Judentums, welches in so schweren Zeiten ein so grossartiges Erziehungswerk schaffen und erhalten konnte. Dr. Ben-Avner gab einen interessanten Überblick über die Entwicklung des jüdischen Schulwesen, welches vor 1933 nur wenige jüdische Schulen und Gymnasien aufzuweisen hatte und gerade in den Jahren von 1933 an einen grossen Aufschwung nahm. Es gab in dieser Zeit nicht eine grössere Gemeinde, in welcher keine jüdische Schule war. Aber all dieses war mit grossen Problemen und Kosten verbunden. Es wurden Volksschulen, Gymnasien, Jeschiwot, Berufsschulen gegründet. Die jüdischen Lehrer, welche aus dem Staatsdienst entlassen und an den jüdischen Schulen angestellt wurden, brachten diese auf ein sehr hohes Niveau. Die Nachmittagssitzung dieser Tagung wurde mit einem Symposium über die Tätigkeit der zionistischen Jugendverbände eröffnet. Alle Redner betonten, dass diese Jugendorganisationen die treibende Kraft waren, die Mitglieder dieser Bünde für die Alijah nach Eretz Israel vorzubereiten. Aber da das englische „Weissbuch“ die Alijah nach Eretz Israel stark einschränkte, mussten alternative Wege gefunden werden, um trotzdem ein Maximum von Juden nach Eretz Israel zu bringen, die sogenannte „Alijah Beth“. Die Abendsitzung fand im Beth Ha’Tfuzot (Haus der Diaspora) statt. Sie wurde von Dr. Adina Meier (Universität Tel Aviv) eröffnet, welche über die Architektur der Synagogen in Deutschland referierte. Dieser Vortrag wurde durch Lichtbilder sehr veranschaulicht. Dr. Meier zeigte die Synagogen in ihrer grossen Pracht und daneben die Trümmer nach dem Pogrom im November 1938. Das letzte Referat war von Professor Kolka (Universität Jerusalem), über das Thema: „Das letzte Kapitel des deutschen Judentums, 1938—1942“. Professor Kolka leistete auf diesem Gebiet eine grosse Forschungsarbeit. Er forschte jahrelang in dem jüdischen Archiv, Oranienburgerstrasse, Berlin, wo einstmals die grosse Synagoge stand. Aus den Forschungen ergiebt sich, dass das Novemberpogrom kein „spontanes“ Ereignis war, sondern die Pläne für ein solches Pogrom schon in den Schreibtischschubladen der Nazis vorhanden waren. Auch alle antijüdischen Verordnungen, wie Raub des jüdischen Vermögens (ca. 2 Milliarden Mark), das Verbot öffentliche Verkehrsmittel zu benützen u.s.w., waren schon bereit. Von der jüdischen Bevölkerung, welche im Jahre 1933 in Deutschland 520,000 Menschen zählte, konnten 346,000 auswandern. Der Referent erwähnte die grossen Aufgaben, welche die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zu bewältigen hatte, in den Sparten des Lebensunterhalt, des Schul- und Erziehungswesen (die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums bestand bis 1942), und anderen lebenswichtigen Aufgaben. Rabbiner Ansbacher schloss diese besonders Interessante Tagung mit ergreifenden Worten. Er ermahnte alle Anwesenden immer zu gedenken, was das deutsche Judentum war, und unsere Aufgabe ist, die jüdische Solidarität zu wahren und uns jedem Bruderhass fernzuhalten. M, E. H. 9