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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1989-01-01 · No. 53 (1989) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1989
Issue
No. 53 (1989)
Date
1989-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Novemberpogrom 1938 in Breslau ERLEBNISSE EINES HECHALUZSEKRETÄRS Von Heinz Hirschfeld Vor 50 Jahren war ich vorübergehend verantwortlich für das Hechaluz-Büro in Breslau. Der Verantwortliche, Moshe Berger s.A. (später Moshe Bartur, der ehemalige Botschafter Israels in Japan und Genf) war nach der Polenabschiebung, obwohl er nach Deutschland zurück gekehrt war, nicht mehr im Breslauer Hechaluz tätig. Um die Verbindung mit den kleineren Schlesischen Gemeinden aufrecht zu erhalten, fuhr ich am 9. November nach Liegnitz, besuchte die dortige Ortsgruppe der zionistischen Jugend, und bat den Rabbiner, der erst kurze Zeit amtierte, sich um die kleine Jugendgruppe zu kümmern. Ich sollte, so glaubte ich, wenige Tage später nach Schweden ausreisen, um meine landwirtschaftliche Hachscharah fortzusetzen. Bevor ich die Rückkehr nach Breslau antrat, hörte ich auf dem Liegnitzer Bahnhof, dass der Diplomat von Rath seinen Verletzungen in Paris erlegen ist. Mir schwante nichts Gutes. Ich wohnte damals vorübergehend im Breslauer Beth Chaluz in der Freiburgerstrasse. Um 5 Uhr morgens wurde ich geweckt: Die grosse Synagoge brennt. Die Feuerwehr sieht nur zu. Danach hörte ich auch, dass man viele jüdische Geschäfte zerstört hat. Meine Mutter, die ihre Wohnung aufgegeben hatte, wohnte mit der Familie ihres Bruders (Fritz Peiser s.A.) in Untermiete bei einer jüdischen Witwe und ich fuhr schnellstens mit dem Fahrrad zu ihr. Sie war die Leiterin der Etam-Filiale in der Ohlauerstrasse. Ich wollte verhindern, dass sie zur Arbeit geht. Der Laden war sowieso nur noch ein Gerümpelhaufen. Nachher versuchte ich mich telefonisch mit dem Hachscharahzentrum Gut Eigut in Verbindung zu setzen, um sie zu warnen, und ihnen vorzuschlagen, nach Möglichkeit auszureissen. Leider wurde meine Warnung nicht richtig verstanden. Die männlichen Hachscharisten wurden alle nach Buchenwald geschickt, und die Mädchen wurden verprügelt und konnten dann nach Hause fahren. Später begab ich mich an meinen Arbeitsplatz, in das Hechaluz-Büro in der Gartenstrasse, um von dort aus telefonisch mit dem Merkas Hechaluz in Berlin in Verbindung zu kommen und evtl. Anweisungen zu bekommen, leider ohne Erfolg. Nachmittags wurde das Telefon abgestellt, ich konnte mit niemandem mehr Verbindung aufnehmen. Durch das Fenster konnte ich sehen, dass auf der Strasse jüdisch aussehende Männer verprügelt und verhaftet wurden. Da auch ich sehr jüdisch aussehe, zog ich vor, die Dunkelheit abzuwarten, bevor ich ins Beth Chaluz zurückkehrte. Vorher besuchte ich nochmals meine Mutter, und kam grade zurecht, als man ihren Bruder verhaftete. Mich liess man in Ruhe, bis zum nächsten Tag. Um 6 Uhr morgens wurden wir im Beth Chaluz durch lautes Klingeln und Klopfen geweckt: Aufmachen! GESTAPO! — Da ich mir vorstellen konnte, was das bedeutet, bat ich zunächst mal die weiblichen Bewohner des Beth Chaluz viele belegte Brote vorzubereiten. Wir konnten sie später gut gebrauchen. Dann sagte ich dem verantwortlichen Gestapo-Offizier, dass einer der Männer krank Ist, denn ich wollte nicht, dass die Chawerot alleine bleiben. (Fortsetzung auf Seite 11) ERINNERUNGEN Von Dr. Franz Unikower 1938 wohnte ich im Eckhause Tauentzienstrasse und Agnes-Strasse, früher: Restaurant SCHAAL, später Gastwirt Leo Wolff. Dieser war vorher aus Gross-Wartenberg nach Breslau verzogen. Die Gesellschaft EINTRACHT bestand damals nicht mehr, das Grundstück gehörte der Gemeinde. Als die Nachricht vom Tode des Herren vom RATH bekanntgegeben würde, sank natürlich die Stimmung unter den Gästen der Wirtschaft. Man ahnte, nun würden unangenehme Folgen eintreten. Abends konnte man beobachten, dass viele junge Leute in Zivil in den Strassenbahnen fuhren, offenbar zu festgelegten Zielpunkten. Dann konnte man in der näheren und weiteren Umgebung im Zentrum Lärm hören, der auf eingeschlagene Scheiben und Türen von Geschäftslokalen schliessen liess. Dieser Lärm ging die ganze Nacht vor sich. Früh sah man einzelne jüdische Geschäfte schwer beschädigt, Schaufenster zerbrochen, Waren meistens verschwunden. Einzelne Gegenstände lagen noch herum. Die Neue Synagoge, die wir vom Fenster aus sehen konnten, war in Flammen, und die Krone auf dem Dache hatte sich gelockert, man musste mit dem Herabfallen rechnen. Es war ein sehr schlimmer Anblick. Etwa in der zehnten Stunde kam ein Polizeibeamter in Zivil ins Haus, hatte eine Liste in der Hand und fragte nach Herrn WOLFF und mir und noch anderen jüdischen Personen im Hause. Letztere hatten sich aber bereits entfernt. Der Beamte ging mit uns in das Polizeirevier Kaiser-Wilhelm Ecke Sadowastrasse und lieferte uns dem Vorsteher aus. Dieser benahm sich sehr ruhig und sperrte uns in einen Raum in der Wache ein. Er sagte eigentlich kein Wort, sondern nur, wir könnten den Toilettenraum benutzen und auf weiteres warten. (Fortsetzung auf Seite 5) Die Neue Synagoge am Anger in Breslau. Am 9. November 1$38 von den Nazis zerstört. &£**♦*! l-w-*—**’ asäSÄ tss*- ■v, /Hl*,3'-:- 4

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