Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1989
- Issue
- No. 53 (1989)
- Date
- 1989-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Einmaligkeit der Schoah - der Jüdische Holocaust ,,Wir Deutschen müssen mit der schrecklichen Tatsache leben, dass unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus vor allem den Juden unsagbares Leid zugefügt wurde, und dass das Verbrechen dieses Völkermordes ohne Beispiel ist — in seiner kalten, unmenschlichen Planung und in seiner tödlichen Wirksamkeit“. (Bundeskanzler Helmut Kohl) Für uns Überlebende in einem Jahrhundert, das in die Geschichte als eine Zeit, in der Krieg und Völkermord unvorstelbare Dimensionen des Grauens erreichten, eingehen wird, ist es heilige Pflicht, unseren Kindern und Kindeskindern zu berichten, was wir als Juden seit 1933 gesehen, gehört und miterlebt haben. Während unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Naziregimes man nicht offen zugab, Antisemit zu sein, mehrten sich allmählich Berichte und Untersuchungen von Historikern, die mit den uns bekannten Tatsachen nicht im Einklang stehen So behauptet die Einleitung zu einem Buch, das ein „Spiegelbild, jüdischer Geschichte“ sein soll, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Frankfurt am Main, dass mit der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 „die Leidenszeit der deutschen Juden in der nationalsozialistischen Epoche begann“. Das ist eine Geschichtsfälschung, die die systematische Einschnürung des jüdischen Lebensraums seit der Machtergreifung am 30. Januar 1933 mit der Einführung von Konzentrationslagern und den Folgen des Reichstagsbrandes, des Boykott Tages, der Nürnberger Gesetze und Aktionen auf dem Wege zur „Endlösung“ ableugnet. In seinem Vernichtungsplan gegen die Juden wurde Hitler beeinflusst von der Indifferenz, mit der die Umwelt auf den Massemord der Armenier Von Dr. Wolf S. MATSDORF, Jerusalem während des Ersten Weltkrieges reagierte: Bei einem Treffen mit seinen Generälen in Obersalzburg am 22. August 1939 befahl er ihnen „brutal und rücksichtslos“ vorzugehen mit der Begründung: „Genghis Khan schlachtete Millionen von Müttern Reihen von Grabsteinen von Ehepaaren, die sich im Jahre 1942, vor ihrem Abtransport ins Konzenarationslager, ihr Leben nahmen. ÄS amtu*. und Kindern, und wer erwähnt heute noch die Vernichtung der Armenier?“ Diese Gleichgültigkeit der Umwelt zu dem Blutbad und Leiden der Armenier verstärkte Hitlers Entschluss, die Juden auszurotten, ein Plan, für die nicht nur sie, sondern auch andere Minderheiten und die zivilisierte Welt einen teueren Preis zahlten. Niemals in der Geschichte der Menschheit gab es ein so fürchterliches Ereignis wie den Holocaust. In den Worten des jüdischen Autors Primo Levi: .trotz der Schrecken von Hiroshima und Nagasaki, der Schande der Gulags, dem zwecklosen und blutigen Vietnam - Krieg, dem Kambodien Massen-Selbstmord, der desaperecidos in Argentinien, und den vielen grausamen und dummen Kriegen, die wir seitdem gesehen haben, bleibt da« Nazi Konzentrationslager System ein Unicum sowohl an Umfang wie Natur. An keinem anderen Ort, zu keiner anderen Zeit, sah man ein so unerwartet kompliziertes Phänomen: Niemals wurden so viele Menschenleben in so kurzer Zeit umgebracht, und mit einer so klaren Erfindungsgabe für technische Findigkeit, Fanatismus und Grausamkeit“. Da die geschichtliche Erinnerung an den Holocaust im Westen immer grössere Bedeutung gewinnt, müssen wir der neuen Form des Antisemitismus entgegen treten, dem Holocaust Revisionismus, der Verleugnung des Holocaust als eine jüdische Katastrophe. Unser Vermächtnis an die Nach- und Umwelt liegt in der Verpflichtung, Zeugnis abzulegen über unsere Lebenserfahrungen als Juden, und der zweiten und dritten Generation bewusst zu machen, was die Geschichte des jüdischen Holocaust für das jüdische Volk bedeutet. Für uns als Volk des Buches bleibt für immer als geschichtlich unersetzbar und unvergänglich die biblische Idee der SCHOAH, des jüdischen Holocaust. 50 Jahre Novemberpogrom, 1938-1988 (STUDIENTAG IN RAMAT EPHAL ZUM ANDENKEN AN DAS NOVEMBERPOGROM 1938) Am 10. November 1988 fand in Ramat Ephal ein Studientag zum Andenken an das Novemberpogrom 1938 in Deutschland statt. Diese Tagung wurde von 5 Organisationen organisiert. Das Leo Baeck Institut, Yad Tabenkin, Beth Lochamee HaGetaot, das Zentrum für Dokumentation und Forschung (Haschomer Hazair) und Beth Hatfuzot. Nach der Begrüssungsansprache des Leiters von Yad Tabenkin, hörten die zahlreichen Teilnehmer einen interessanten Vortrag von Professor Ch. Schamir (Universität Tel-Aviv) über die Innen- und Aussenpolitik des Naziregimes in dieser Zeit. Der Redner sprach über die indirekte Schuld derjenigen Mächte, welche dem Hitlerregime Legitimation gaben. Im Jahre 1936, nach dem Attentat auf den Nazirepräsentanten in der Schweiz, Gustloff, durch den jüdischen Studenten David Frankfurter, waren keine Pogrome in Deutschland, da die Nazis sich noch nicht sicher genug fühlten. Aber im Jahre 1938, nachdem England und Frankreich zu Hitler „nach Canossa““ gegangen waren, hatten die Nazischergen keine Skrupel mehr und so war der Weg für die bestialischen Pogrome geebnet. Nach Prof. Schamir sprach Dr. H. Rosenkranz (Yad Wa'Schem) über die Novemberpogrome in Österreich. Der Vortragende machte die Feststellung, dass nach dem „Anschluss“ das Verhalten der Österreicher gegenüber den Juden noch schlimmer war als in Deutschland. Dann gab Herr M. Cahn aus Jerusalem einen Augenzeugenbericht über alles, was sich in Fulda und den hessischen Kleingemeinden zugetragen hatte. Dem folgte ein Vortrag von Dr. Y. Kochawi von Beth Lochamee Hagetaot über die jüdischen Institutionen und die Erfüllung ihrer Aufgabe in dieser schweren Zeit. Der Redner hob insbesondere den Beitrag derjenigen hervor, welche versuchten was mehr Menschen, und vor allem Kinder, aus Deutschland zu bringen. Auch betonte er den Mut und das Selbstbewusstsein derjenigen Persönllchgkeiten, welche als Vertreter des deutschen Judentums mit der Gestapo zu verhandeln hatten. Er nannte die Namen von Hanna Karminski, welche 15,000 jüdische Kinder ins Ausland bringen konnte, aber selbst den Märtyrertod in Deutschland fand; von Julius Seligsohn, der mit grosser Selbstaufopferung versuchte unmenschliche Gestapoanordnungen zu lindern. Er wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, dar er die Ansetzung eines Fasttages für die deportierten Juden proklamierte, wo auch er den Märtyrertod erlitt; und von vielen anderen, die an der Spitze des deutschen Judentums in dieser schweren Zeit standen . Danach sprach Dr. Esriel Hildeshenimer (Universität Jerusalem) über das orthodoxe Judentum in dieser schweren Zeit. Er legte in anschaulicher Weise den Unterschied zwischen der Austritts¬ und der Gemeindeorthodoxie dar und deren Stellung zu den diversen allgemein jüdischen Organisationen. Über das jüdische Schul- und Erziehungswesen in der Naziepoche referierte Dr. Yehuda Ben-Avner (Fortsetzung auf Seite 9) VERMÄCHTNIS AUS AUSCHWITZ Dass du, Mensch, uns picht vergissest, und vergiss unsre Mörder nicht! Das Unheil das uns vernichtet steht auch vor deinem Gesicht. Verhülle nicht deine Augen und halt deine Ohren nicht zu! Sonst sind wir für nichts gestorben, heute ich — und morgen du. Stella Rotenberg 2