Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1988
- Issue
- No. 52 (1988)
- Date
- 1988-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
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(Fortsetzung von Seite 6) und Abba. Unser Sohn Michael, geboren 1940, war ihnen wie ein Bruder. Wenn die Kinder bei uns vom Schlimmsten befreit waren, wurden sie für ständig in den Mosdoth oder Siedlungspunkten eingeordnet. Für die Kleinen bedeutete dies ein tränenreicher Abschied. Sie klammerten sich an uns und wollten nicht mehr fort". Dies in Kürze eine Niederschrift von Schöntraut Chawiwa M. Man wird nun die Frage stellen, wie war es möglich, eine derart bunt zusammengewürfelte Schar zusammenzuhalten. Verschieden waren die Altersgruppe, verschieden auch die Herkunftsländer. Eine gemeinsame Sprache existierte nicht. Jungen und Mädchen, Religiöse und Unreligiöse, Begabte und Unbegabte, Kranke und Gesunde, und was der Gegenhätze mehr waren. Man fragt sich in der Rückschau, wie war es möglich, diese ’Chewre' irgendwie zu organisieren oder zu beschäftigen! Die Angelegenheit war aber nicht so schwierig wie sie sich bei einer Analyse im nachhinein anhört. Allein die Lage des Heims mit seiner Churschah (Wäldchen), die sich über zwei bis drei Dunam ersteckte, löste vielerlei Probleme. Der Aufenthalt in diesem Wäldchen übte einen wohltätigen Einfluss auf jedermann, der sich dort aufhielt, aus. Es ging oft garnicht anders, als dass sich die 'Belegschaft' stundenlang selbst überlassen blieb! Wobei man freilich aus der Aufsichtstätigkeit nicht herauskam. Geordnete und ungeordnete Spiele erfanden die Kinder wie von selbst. Und dann vor allem die tagtäglichen Spaziergänge auf dem damals noch zumeist unbebauten Carmel unter der Leitung des Heimleiters. Waren Kinder mehr als einige Tage bei uns untergebracht, so versuchte man sein Bestes, um diesen Kindern die Anfänge des Iwrith beizubringen. Jeden Freitag gab es Kabbalath Schabbath mit Gesängen am häuslichen Tisch. Diese feierliche Freitagabend-Mahlzeit, bei der ihnen ein Essen vorgesetzt wurde, das an Qualität und Quantität seinesgleichen suchte, erzeugte eine gute Stimmung, dass es ein Leichtes war, alle Kinder von 7 Uhr bis etwa 9 Uhr diszipliniert am Tisch zu halten. Ausgedehnte religiöse Gesänge, aber auch neuhebräische Lieder wurden begeistert angestimmt. Dies obschon die Kinder manche dieser Niggunim erst gerade zum ersten Mal vernommen hatten. Am Schabbath Vormittag konnte man. mich, der ich regelmässig dem Gottesdienst im Ruthenberghaus beiwohnte, begleiten. Natürlich freiwillig. Es wurde keinerlei Zwang in religiöser Hinsicht ausgeübt, wenngleich das Haus eine jüdisch traditionelle Atmosphäre aufwies. Im Laufe der Zeit hatte es sich in der näheren und weiteren Umgebung herumgesprochen, dass es eine Art Beth Olim für Kinder und Jugendliche gibt. Es .kamen die verschiedensten Leute, die ihr Interesse an den Kindern bekundeten. Es fehlte nicht an warmherziger Neigung, sich des einen oder anderen Kindes anzunehmen. Wenngleich wir im Prinzip vorgeschlagene Einladungen durch dis Besucher, ein Kind mit sich nach Hause zu nehmen, ausschlugen, so konnten wir uns in dem einen oder anderen Fall aufrichtig gemeinter Liebesbekundung nicht ganz verschliessen. So ist ein kleines Mädchen namens Franka, italienischer Herkunft, zu einem Ehepaar für einige Tage 'ausgeborgt' worden, in deren Haus man perfekt italienisch sprach. Die beiden jugendlichen Töchter dieses Ehepaars und vor allem die Mutter, taten alles, um sich dieses armen Waisenkindes auf liebvolie Art anzunehmen. So viel Glück war der kleinen Franka noch nie in ihrem bisherigen Leben widerfahren. — Als im März 1946 ein Transport zu uns gebracht wurde, der im wesentlichen überlebende Kinder aus Berlin ins Land brachte, sind eine Menge jekkischer Landsleute ins Heim gekommen, und so mancher war bereit, eines dieser Kinder zu sich nach Hause zu nehmen. Wir schlugen insgesamt derartige Anerbieten aus. Aber es fügte sich, dass einer der Jungen um diese Zeit gerade seinen 13. Geburtstag beging. Er wurde Barmizwah. Wir taten alles, um diesen Barmizwahtag im Beth Eschel gebührend zu feiern. Das Haus war voll von Gästen, die dem Jungen gratulieren wollten »iS Überlebende vom Lager Mauthausen in Beth Esche! ’ "'T und ihn mit kleinen Geschenken überhäuften. — Wir versäumten im allgemeinen keine Gelegenheit, um zu feiern, wenn es sich gerade so ergab. Es versteht sich von selbst, dass wir jederzeit versuchten, durch Buntheit und Farbe, durch Gesellschaftsspiele, durch Tanz und Rhythmik eine freudige Note in das tägliche Leben hineinzubringen. Hans Beyth kam von Zeit zu Zeit, und er drückte seine Freude und sein Wohlgefallen über alles, was in dieser Hinsicht aufgetan wurde, aus. Er kannte jedes Kind mit Namen und seine Herkunft. Es ist nun mal so, dass 'Sorgenkinder' einem ganz besonders ans Herz gewachsen sind. Und Hans Beyth war eine Vaterfigur, wie sie in jenen Tagen dem Jischuw einmalig beschert worden war. Immer wieder betonte er, dieses Kinderheim gehöre ihm und ihm nur allein. So schickte uns Hans Beyth gewissermassen 'persönlich' zwei Kinderfamilien — Katz und Grüriewald — die von ihren Eltern im KZ Mauthausen getrennt und deren Spuren verloren gegangen waren. Diese beiden Kinderfamilien, die Älteste 17, das Jüngste etwa 2, verblieben bei uns an die sechs Monate, weil ihre Einordnung naturgemäss nicht so ohne weiteres vorgenommen werden konnte, und ihr „Abba" in Jerusalem wünschte, dass ihnen nachträglich alle Nestwärme zuteil werden sollte, die sie seit ihrer Deportation aus Debrecen in Ungarn so schmerzlich entbehren mussten. Der Höllenname Mauthausen spricht ja für sich selbst. — Irgendwann im Winter 1946 ging um Mitter nacht das Telefon. Etwas erschrocken eilte ich an den Apparat. „Höre Chanoch, ich habe eine gute Nachricht, die Du morgen früh den Kindern übermitteln sollst. Die Eltern der Katzkinder sind in Italien gefunden worden...!” Diese Story von den beiden Kinderfamilien ging aber noch weiter und zog sich bis ins Jahr 1947 hin. Ich habe einen näheren Bericht darüber erstattet, der in der Presse, im D’war Haschawua 31.7.1947 und im 'Mitteilungsblatt' des Irgun erschienen ist. Der gewöhnliche Alltag war schwer genug. Immer wieder Kinder deren Einordnung schier unmöglich schien: Lungenkranke, Unterernährte, ohne Füsse, schwere Rückgratsverkrümmung, ein typhusinfiziertes jemenitisches Mädchen aus einem Sochnuthlager, — um nur einige wenige Fälle aus der Erinnerung herauszugreifen. Trotz aller hygienischen Vorsichtsmassnahmen bekam ich selbst eine schwere Furunkulose, die ca. 2 Jahre anhielt, und die ich nur mit Mühe los werden konnte. Die Arbeitszeit währte von morgens bis in die späten Abendstunden. Es galt jederzeit Verbindungen aufzunehmen: zur Liga gegen Tuberkulose, zur Timnaah in Achusa, zu Dr. Lichtenstein, Facharzt für Lungenkrankheiten in der Kupath Cholim Haifa, zum Regierungsspital in Batli Gallim, zum Foodcontroller, zur Frau Dr. Posner, Leiterin der Bekleidungsabteilung in der Alijath Hanoar (welch gute Erinnerung!),zu Mosche Jaari, dem Aufnahmesekretär, zu Schmuei Schwarz aus Misra, zu Chawer Dobrin von der Histadruth Haifa, zu Lehrer Julius Oppenheimer aus Kfar Noar Dati, zum alten, immer hilfsbereiten Weigler vom Irgun in Haifa usw, usf. Allmählich hatten sich gewisse Formen und natürlich auch eine feste Hausordnung herauskristallisiert. Man lernte aus den Erfahrungen, und es schien als ob dieses Heim eine wertvolle und wichtige Funktion im Rahmen der Jugendalijah für fernere Zeiten erfüllen könnte. Es sei noch an dieser Stelle erwähnt, dass gleich zu Beginn unserer Arbeit im Beth Eschel auf dem Carmel, zweite Hälfte August, eine beträchtliche Gruppe von Mauritius-Einwanderern untergebracht wurde. Die Ältesten standen im Greisenalter. Ein junges Ehepaar mit einem Säugling waren die Jüngsten. Die Menschen atmeten nach fünf Jahren Gefangenschaft auf. Naturgemäss hatten sie eine Menge Bekannte in Haifa und verspäteten sich jeweils zu den Mahlzeiten. So war man von morgens bis abends mit der Ausgabe von Essen beschäftigt. Nur zum Nachmittagsimbiss um 4 Uhr bei Kaffee und Kuchen an gedeckten Tischen im Wäldchen war alles pünktlich versammelt. Eine gute Stimmung kam auf. Was für eine Freude „für uns, dass man diesen Menschen nach Jahren von unvorstellbaren Schwierigkeiten und Härten das Gefühl geben konnte, dass sie In der neuen Heimat willkommen seien. Mit dem jungen Ehepaar, dem Autoelektriker Rosenblatt, Tschechoslowakei, blieben wir in Verbindung. Bis heute. Auch andere Menschen besuchten uns noch häufig, sogar nach Monaten und Jahren. Da plötzlich, Anfang Februar 1947, kam seitens der Mandatsbehörde ein Befehl, dass die Zone des Französischen Carmeis und der Pine Road binnen wenigen Tagen von allen Bewohnern zu evakuieren sei, (lediglich die Tmahuth’ unter der Leitung von Frau Dr. Penina — Pinja Ruthenberg, unser Nachbarhaus, durfte die Arbeit fortsetzen) Das ist der erste Teil des Beth Eschel auf dem Carmel. Der Chef der Haifaer Ortsgruppe des IOME David Tanne kam im Sommer 1947 mit einem neuen Plan heraus. Er wollte das Beth Eschel im Mifraz Haifa wieder errichten. Diesmal in Form eines Lehrlingsheims. Georg Landauer von der 'Deutschen Abteilung' (der die Jugendalijah unterstellt war) wie auch Hans Beyth gaben, wenn auch unter gewissen Vorbehalten, ihre Zustimmung. Ein Grundstück in Sabinia/Kirjath Bialik, in der Efrajimstr., das einem Herrn Sahawi gehörte, war dazu ausersehehn, um dort eine Art Heimstatt für Ju- (Fortsetzung auf Seite 12) 7