Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1988
- Issue
- No. 52 (1988)
- Date
- 1988-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 146)
- Language
- German
- Belongs to
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B C T U ccmci (Ein Beth Olim Mr Kinder DE I n C w « E L und Jugendliche 1945—1948) Durch den Weltkrieg II entstanden bei der Jugend-Alijah gewisse Sonderprobleme, von denen niemand ahnte, dass sie in der breiten Öffentlichkeit eine wesentliche Rolle spielen könnten. Man erinnert sich vielleicht noch an die sogenannten 'Teheran Kinder'. Bekanntlich gestattete die Sowjetunion die Abwanderung von geretteten jüdischen Kindern, deren Eltern in Osteuropa (zumeist in Polen) Opfer der NS-Mordaktionen geworden waren. Grössere Kindertransporte wurden von der Sowjetunion nach Persien geschleust. Die Jewish Agency erklärte sich bereit, für die Unterkunft und Erziehung dieser geretteten Kinder Sorge zu tragen. Die Leitung der Jungend- und Kinder-Alijah sollte diese Kinder in den verschiedenen Siedlungspunkten der Kibbuzim einordnen. Da erhob sich Widerspruch von religiöser Seite. Insbesondere argumentierte der Misrachi-Hapoel~Hamisrachi, dass diese Flüchtlingskinder zum überwiegenden Teil aus religiösen Häusern stammten, und dass sie demgemäss auch in Erez Jisrael religiös erzogen werden müssten. Die Auseinandersetzungen zwischen der Jugendalijah und dem religiösen Lager zogen sich geraume Zeit hin. Es ist hier nicht der Ort, diese Vorgänge im einzelnen zu schildern. Als sich im Frühjahr 1945 das Ende des Krieges abzeichnete, befanden führende Persönlichkeiten im Rahmen der Jugendalijah, dass es tunlichst zu derartigen Streitigkeiten nicht mehr kommen dürfe. An den Lager- und Sammelplätzen in Europa sollten sich Kinder und Jugendliche den Jugendorganisationen anschliessen, die sie sich selber auswählen konnten. Die Parteien und Gruppen, nichtreligiöse wie auch religiöse, beeilten sich nun an Ort und Stelle im befreiten Europa, die prospektiven jungen Einwanderer nach dem Muster der gesellschaftlichen und politischen Struktur des Landes aufzuteilen. Etwa so: Gordonia ( — Mapai/Chewer Kwuzoth), Dror Habonim (— Kibbuz Meuchad), Schomer Hazair (= Kibbuz Haarzi), Z'irej Misrachi/Brith Hanoar, (= Hapoel Hamisrachi), Betar ( Revisionistische Jugend), die nichtzionistische Orthodoxie ( Agudath Jisrael). Dieses Organisationssystem bewährte sich im allgemeinen. Der Leiter der Alijath Hanoar, Hans Beyth, war ein geradezu genialer Organisator und unter seiner Ägide wurden in den Jahren nach 1945 Hunderte und Tausende von Kindern eingeordnet. Es konnte jedoch nicht ausbleiben, dass hie und da Kinder und Jugendliche ankamen, von denen es nicht feststand bzw. nicht feststehen konnte, ob die Eltern, wenn sie noch am Leben gewesen wären, eine religiöse oder eine nichtreligiöse Erziehung gewünscht hätten. Auch gab es Jugendliche über 15 oder 16 Jahre, die sich darüber nicht ganz im klaren waren, wie es vor einigen Jahren, als sie noch kleine Kinder waren, in spezifisch jüdischer Hinsicht im Elternhaus zugegangen ist. Streng religiös, gemässigt religiös halb religiös...? Wie sollten sie das jetzt entscheiden... Die Leitung der Jugendalijah suchte nach einem passenden Ausweg und beschloss, ein kleines Mossad Jeladim w'Noar zu gründen, in welchem die Kinder in Zweifelsfällen eine Zeitlang verweilen konnten, bis sich herausgestellt haben würde, in welchem Rahmen die endgültige Einordnung zu geschehen habe. Die beiden Spitzenfunktionäre, Georg Landauer und Hans Beyth, waren für die Einrichtung eines solchen Transithauses auch noch wegen anderer Dr. Hans Chanoch Meyer Umstände. Da gab es neue Schwierigkeiten, die man in früheren Jahren in diesem Umfang nicht gekannt hatte. Nämlich die Unterbringung von gesundheitlich geschädigten und von psychisch gefährdeten Kindern. Durch die Verrfolgungen, durch Hunger und Krankheit, hatte so manches Kind einen Schaden erlitten, welcher unbedingt Behandlung erforderte. Diese gefährdeten Kinder oder Jugendliche konnten nicht ohne weiteres im Rahmen der bereits bestehenden oder aufzurichtenden Jugendgemeinschaften in den Heimen oder Kibbuzim aufgenommen werden. Es lag auf der Hand, dass es erst nach Wochen besonderer Behandlung möglich sein würde, sie in einer normalen Chewrath Noar (Jugend Gemeinschaft) unterzubringen. Ein Gruppe überlebender Kinder in Beth Eschel Ä vu>'- rffefeL? Ferner gab es eine Kategorie von schwer erziehbaren Jugendlichen, die zwar bereits kürzere oder sogar längere Zeit in einer Chewrath Noar lebten, aber deren weitere Anwesenheit in diesem Verband von verantwortlichen Madrichim (Leitern) nicht länger geduldet werden konnte. Sie mussten möglichst schnell aus dieser Gemeinschaft ausgeschieden werden. Aber wohin mit ihnen...? Das kleine Mossad auf dem Carmel in der Rechow Haznobar 23 (heute Sderoth Hanassi) sollte von einem Ehepaar geleitet werden, das mit den oben andeutungsweise erwähnten Schwierigkeiten fertig zu werden hatte. im Hochsommer 1945 übernahmen der Verfas ser dieser Zeilen und seine Ehefrau Traute Chawiwa das 'Beth Eschel' (der Name des Hauses stammt von Georg Landauer) ohne eine rechte Vorstellung zu haben, wie schwierig die Errfüllung der Pflichten sein würde... Dieses Kinder- und Jugendheim unterstand — was die Hausverwaltung und die finanzielle Abwickelung betraf — dem Irgun Olej Merkas Europa, Ortsgruppe Haifa, Der Heimleiter hatte es also mit zwei Vorgesetzten zu tun: mit Hans Beyth von der A.J. und mit David Tanne vom IOME. Es war nicht immer einfach, sich den zuweilen überschneidenden Weisungen aus Jerusalem und Haifa änzupassen. Ein nennenswertes Budget existierte nicht. Lediglich das Gehalt des Ehepaars war mit je Pfund 15. — veranschlagt. Dazu Unterkunft und Beköstigung. Ferner eine Osereth, die etwa die gleiche Entlohnung erhielt. Das Essenbudget betrug an die 20 Piaster pro Person. Das war der im ganzen Lande übliche Satz. Für Wasser, Elektrizität, für Fahrgelder, für Papierwaren und Büroutensilien, sowie für Putz- und Waschmittel, waren kleine Beträge vorgesehen. Darüber hinaus waren kaum noch Mittel vorhanden, um den Betrieb durchzuführen. Man befand sich in einem kleinen Haus, das der arabischen Familie Tuma gehörte, wofür eine für damalige Verhältnisse angemessene, ja sogar ziemlich hohe Miete gezahlt werden musste. Das Haus war ein vernachlässigter Bau. Das Ziegeldach z.B. wies viele Lücken auf und hielt den Regen nur sehr unzureichend ab. Die vorhandene Senkgrube war für die Bedürfnisse einer Familie, nicht aber für ein ganzes Heim eingerichtet. So musste man dauernd für die Entfernung der Abwässer im vollgelaufenen 'Bor' sorgen. Erst nach einem Jahr wurden sowohl Dach wie auch Senkgrube in Ordnung gebracht. Alle Ausgaben mussten genau angeführt werden. Die Abrechnungen wurden dann an die Zentrale der Alijath Hanoar weitergereicht. Mit einer gehörigen Verspätung von Wochen und manchmal Monaten wurde dem Unterzeichneten das nunmehr zurückliegende Monatsbudget ausgezahlt. Dieses finanzielle Gebaren stellte sich als Dauer-Misere heraus. Da es jedoch bekannt war, dass die meisten Zahlungen der Sochnuth immer erst mit einer gehörigen Verspätung getätigt wurden, fand man sich im Laufe der Zeit mit dieser Art von Verrechnung ab. Schönlraut Chawiwa Meyer schreibt über ihre Tätigkeit im Jugendheim: ,,Als wir im Sommer 1945 ins Beth Eschel kamen, erwarteten meiner schwere Aufgaben. Jedes Kind und jeder Jugendliche, die aus den europäischen Sammellagern zu uns kamen — es handelte sich zumeist um physisch- oder psychisch Gehandikapte, die nicht gleich eingeordnet werden konnten — wurden von mir geduscht und entlaust. Dann bekamen sie frische Kleidung. Ihrer wartete anschliessend ein gedeckter Tisch mit einer guten und kräftigen Mahlzeit. (Das Kochen übernahm ich auch). Danach behandelte ich jeden einzeln. Es galt sie von allem seelischen Druck und von jeglicher Belastung zu befreien. Wenn notwendig, verband ich ihnen ihre Furunkel und andere Wunden. Wenn man sie sich' dann anderen Tages von neuem vornahm, erzählten sie ihre Lebensgeschichte. Das tat Wunder. Sie atmeten befreit auf. Je nach der Dauer der Rekonvaleszenz blieben die Kinder bei uns einen -halben Monat oder wenn es sich so ergab, während mehrerer Monate. Zuweilen kamen ganze Transporte zu uns nach oben. Als der Alijah Krieg zwischen den Mandatsbehörden und der Jewish Agency immer intensivere Formen annahm — H A A P A- LA! — war zuweilen eine normale Abfertigung der jungen Neueinwanderer im Hafengebiet oder Atlith mit zusätzlichen Schwierigkeiten verbunden. Kurz entschlossen lenkte man diese Transporte ins kleine Beth Eschel, von wo aus sie durch den Apparat der Alijath Hanoar mit den Delegierten der Mosdoth und Kibbuzim eingeordnet wurden. Alle Neuankömmlinge erhielten Erfrischungen, Imbisse und sogar auch regelrechte Mahlzeiten. All dies wurde durchgeführt, ohne dass auch nur eine einzige weitere Hilfskraft engagiert worden wäre. Die Haushilfe kam um 8 Uhr früh und arbeitete bis 4 Uhr nachmittags. Die Betreuung von den kranken Kindern nahm ich allein vor. Die Kleinsten unter den Kindern nannten uns Ima (Fortsetzung auf Seite 7) 6