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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1988-01-01 · No. 52 (1988) · p. Seite 4

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1988
Issue
No. 52 (1988)
Date
1988-01-01
Page
Seite 4 (sequence 144)
Language
German
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Dreissig Jahre Bulletin des Leo Baeck Instituts Am Ende des Jahres erschien zum 30. Mal das Bulletin des Leo Baeck Instituts, mit folgendem Inhalt: Miriam Sambursky: EMIL WASSER¬ MANN: MEINE ORIENTREISE: Volker Berbüsse: DIE 'EIGENTLICHE WAHRHEIT' ALS KULTURELLE FORM. ZUM LATENTEN ANTISE¬ MITISMUS IN DER BDR; Yehiel llsar: DIE REICHSPRÄSIDEN¬ TENWAHL 1932; Thomas Sparr: PETER SZONDI; Moshe Unna: DIE ANFÄNGE DER RE¬ LIGIÖSEN KIBBUZBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND. Prof. Joseph Walk setzt diesem Heft folgende Worte voraus: Mit dem vorliegenden Heft beschliesst das Bulletin seinen 30. Jahrgang. Nach der jüdischen Tradition bezeichnen dreissig Jahre die Zeitspanne zwischen zwei Generationen. Ein Rückblick auf die erste Nummer des Bulletins 1957/58 erhellt „Die geschichtliche Aufgabe”, welche die Gründergeneration dem Leo Baeck Institut und seiner deutschsprachigen Zeitschrift zuwies und deckt die Wandlungen auf, die sich im Laufe von dreissig Jahren mit dem Wechsel der Generationen unweigerlich vollzogen haben. Hans Tramer, der bis zu seinem Tode im Jahre 1979 für die Herausgabe des Bulletins allein verantwortliche Redakteur — eine Verpflichtung, der er ohne die ständige, selbstlose Mitarbeit von Eli Rothschild und Helga Nissenbaum nicht hätte nachkommen können — sagt zu Beginn in dem oben erwähnten programmatischen Aufsatz: „Das Leo Baeck Institut hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des deutschen Judentums in seinen letzten hundertfünfzig Jahren darzustellen.” Deise zeitliche Begrenzung war nicht zufällig getroffen.sie weist hin auf die Veränderungen, die mit dem Ende des 18. Jahrhun-, derts in einem bestimmten geographischen Bezirk des jüdischen Daseins eingetreten sind.” Der Ausgangspunkt — das Ende des 18. Jahrhunderts — war also eindeutig festgelegt, nicht aber der Abschluss der zu behandelden Geschichtsperiode. Zwar lassen die im ersten Heft veröffentlichten Aufsätze von Ernst Simon über die Mittelstellung zur jüdischen Erwachsenbildung, von Herbert Freeden über den Jüdischen Kulturbund den Schluss zu, dass das Leo Beack Institut die Darstellung der Jahre des Untergangs in sein Forschungsbereich de facto einbezieht, aber de jure würde diese Periode ausgeschaltet, eine Entscheidung, die dem heutigen Beschauer, wenn auch psychologisch verständlich, so doch historisch unbegründet erscheint. So ist es denn auch nicht zufällig, dass vor wenigen Jahren eine zweite u. dritte Generation die Abänderung des ursprünglichen Beschlusses dahingehend herbeiführte dass die „zeitliche Begrenzung" bewusst erweitert wurde. Dass das vorliegende Heft mit den Artikeln von Thomas Sparr und vor allem von Volker Berbüsse Themen der Nachkriegszeit zur Diskussion stellt, ist jedoch nicht als für die zukünftige Gestaltung des Bulletins richtungsweisend anzusehen. Auch heute steht für uns unveränderlich fest, dass, die Geschichte des deutschen Judentums ihren tragischen Abschluss mit den1 Untergang dieser einzigartigen Gemeinschaft gefunden hat. Tramer zitiert im weiteren den Aufsatz von Siegfried Moses, dem ersten Vorsitzenden des Leo Baeck Instituts, der die Ziele und Arbeitsgebiete des Instituts mit folgenden Worten umreisst: „Gegenstand der Forschungen und Publikationen des Instituts ist die Geschichte des deutschen Judentums und der deutschen Judenheit [...] in den Bezirken von Weltanschauung, Religion, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft.” Wer den Themenkreis der über hundert Veröffentlichungen des Leo Baeck Instituts überschaut und in den dreissig Jahrgängen des Bulletins blättert, wird zu dem Ergebnis kommen, dass zwar all diese Lebensgebiete „Gegenstand der Forschungen und Publikationen des Instituts" sind, jedoch recht unterschiedlich behandelt wurden. Aus objektiv verständlichen Gründen liegt der Nachdruck auf Weltanschauung und Religion (vorwiegend im Yeat Book), auf Wissenschaft und Kunst (insbesondere im Bulletin), während die Wirtschaft erst nach und nach den ihr gebührenden Raum einnimmt. Das jetzige Heft fügt mit dem Aufsatz ,von Yehiel llsar das bisher kaum behandelte Sachgebiet der Politik hinzu. Vor dreissig Jahren nahm Siegfried Moses mit Hecht an, dass es „keiner Begründung (darf), dass das Bild des unwiderbringlich dahingegangenen deutschen Judentums nur gezeichnet und uns, unseren Kindern und der jüdischen Welt erhalten werden wird, wenn unsere Generation der aus Deutschland ausgewanderten Juden diese kulturelle Aufgabe auf sich nimmt — die Generation, in der das Bild des deutschen Judentums noch lebending ist und in der noch Kräfte wirken, die auf Grund eigenen Erlebens und eigener Verbundenheit die mannigfachen Erscheinungsformen des deutschen Judentums, oder Teile und Ausschnitte daraus, darstellen und analysieren können." Die in ihrer Art einzigartigen Aufsätze hervorragender Zeitgenossen, nicht zuletzt der Mitbegründer des Leo Baeck Instituts, mussten sich im Laufe der Jahre zwangsläufig vermindern. Heute, nach dreissig Jahren, weist das Bulletin nur noch vereinzelt dastehende Aufsätze von Vertretern der Generation auf, der - } Wir stellen vor: Das Leo Baeck Institut, | das die Geschichte der Juden in Deutschj land und anderen deutschsprachigen Läni j dern in den letzten 200 Jahren erforscht, | Materialien sammelt und Veröffentlichungen fördert. j i In den 30 Jahren seines Bestehens wurden | | über 100 Bücher publiziert, die sowohl für | wissenschaftliche Kreise als auch für das J breite Publikum gedacht sind. J Dreimal jährlich, im „Bulletin" des LBI ( können Sie Monographien, kleinere Arti-! \ kel und Dokumente zur jüdischdeutschen ' I - Geschichte lesen. | Wir bieten an: werden Sie Mitglied „der | ’ Freunde des LBI” und nehmen Sie daj j durch Anteil an unserer Arbeit. I Der Mitgliedsbeitrag für das Jahr 1988 be- \ trägt IS 50.—. Einzelheiten zu erfahren im \ Leo Baeck Institut, P.O.Box 8298, Jerusalem } 91082. > „auf Grund eigenen Erlebens und eigener Verbundenheit" eine bisher wenig behandelte „Erscheinungsform des deutschen Judentums darstellen und analysieren” kann; im vorliegenden Heft der Aufsatz von Mosche Unna. Die nachgeborenen Historiker stellen die seinerzeit so eindeutig formulierte Annahme, dass das von zeitgenössischen Forschern entworfene Geschichtsbild das einzig wahre sei, mehr und mehr in Frage. Unser Interesse wird unverändert allen Dokumenten gelten, in denen das Denken und Empfinden früherer Generationen zum Ausdruck kommt — wofür die Schilderung der Orientreise eines deutschen Juden im Jahre 1898 in diesem Heft ein Beispiel bietet — zugleich aber die subjektiven Motive hinterfragen, welche die so und nicht anders geartete Darstellung und Beurteilung des Erlebten beeinflussen. Es spricht für die selbstkritische und sachliche Haltung der Gründergeneration, wenn Siegfried Moses festlegt: „Es ist die in die Zukunft weisende Aufgabe des Instituts, die Voraussetzungen für eine künftige Gesamtdarstellung des deutschen Judentums und der deutschen Judenheit zu schaffen”. Erst jetzt, dreissig Jahre später, ist die Zeit gekommen, dass sich eine zweite und dritte Generation dieser Aufgabe unterzieht. Herausgeber und Mitarbeiter des Bulletins begleiten dieses grosse Vorhaben mit dem Wunsch nach dem Erfolg und dem Versprechen, auch in Zukunft der uns vor dreissig Jahren gestellten Aufgabe nachzukommen, „der Vorbereitung für eine (künftige) Gesamtdarstelung zu dienen." Joseph Walk (Fortsetzung von Seite 3) heit mit Schlesien angeht, so bekundete sie sich — und hierin mag er ein Vorbild sein für die Arbeit vieler entsprechender Organisationen — in der jahrzehntelangen Herausgeberschaft der „Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer u. Schlesier in Israel e.V.”, deren letzte von ihm noch redigierte No. 51 im Jahre 1986 kurz vor seinem ' Tode erschienen ist. Wer dieses in wechselnden Abständen, aber etwa halbjährlich erscheinende Blatt von ca. 50 Seiten in Grossquart noch nicht kennt, der sollte es unbedingt einmal in einer Bibliothek zur Hand nehmen oder sich kommen lassen. Es enthält nicht nur Beiträge von hohem Wert — so z.B. die Ansprache von Prof. Dr. Joseph Walk, Jerusalem, einem gebürtigen Breslauer, in der Paulskirche (Frankfurt) am 9. Mai 1985 —, sondern auch vieles auf Schlesien Bezügliche. Die vielen nichtjüdischen Schlesier, die Erich Lewins „Mitteilungen” erhielten, können bestätigen, dass sie auch ihnen eine Art Heimatbrücke bedeuteten, weil er darin die alten Breslauer, Ober- und Niederschlesier aus ihrem Leben und von früher erzählen liess. Es finden sich darin nicht nur zeitgeschichtlich wertvolle Beiträge, sondern auch Betrachtungen historischen und politischen Inhalts, Buchbesprechungen, Nachrufe von hohem Gehalt und bewegende Suchanzeigen oder Kondolenzen. Insgesamt: Ein Musterbeispiel, wie man das Erbe der Väter zu erwerben, zu besitzen und weiterzureichen vermag an die kommende Generation. Dafür kann uns Erich Lewins Lebenswerk viel Anregung geben. Hans Thieme 4

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