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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1988-01-01 · No. 52 (1988) · p. Seite 3

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1988
Issue
No. 52 (1988)
Date
1988-01-01
Page
Seite 3 (sequence 143)
Language
German
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NACHRUFE AUS DEM AUSLAND Auch im Auslande hat die Nachricht vom Tode Erich Lewins s.A. grosse Trauer ausgelöst. Wir bringen hier zwei Nachrufe, welche die Persönlichkeit des Verstorbenen würdigen und in Deutschland veröffentlicht wurden. ERICH LEWIN - EIN MANN DER VERSOEHNUNG So still wie Erich Lewin gelebt hat, so still ist er verstorben. Neujahr 1986 bat ich ihn, für das Rosenberger Kreisblatt seinen Lebenslauf aufzuzeichnen. Am 10.3.1986 antwortete er mir: „Ich bin derzeit nach einer Augenoperation und nicht voll arbeitsfähig. Bis zu meinem 85. Geburtstag ist noch eine gute Weile Zeit. Ich werde Ihnen zu gegebener Zeit Material über meine Person zukommen lassen." Leider sollte es nicht sein. Gott der Allmächtige, dessen Namen er aus Ehrfurcht nie ausschrieb, hat ihn vor diesem Jubiläum zu sich genommen. Im Jahre 1964 besuchte er zum ersten Mal nach dem Krieg Schlesien. 12 Tage war er in Breslau und einen Tag davon verbrachte er in Rosenberg. Darüber schrieb er: „Es hat mich sehr aufgeregt, zumal meine geliebte Mutter seit dem Jahre 1934 dort bestattet ist. Mein seliger Vater ist im Jahre 1941 in Breslau gestorben und dort habe ich auch sein Grab gefunden. Das Grab meiner ersten Frau und meines Kindes konnte ich nicht besuchen, denn beide sind im Jahre 1942 nach Auschwitz gekommen." Dieses Verbrechen hat er aber nie dem deutschen Volk angekreidet, sondern dem Regime und denen, die es gestützt und gefördert haben. Er wirkte als Prediger nicht nur an der Rosenberger Synagoge, sondern besuchte auch die jüdischen Gemeinden im Umkreise, und als man den jüdischen Kindern den Besuch der Volksschulen untersagte, wurde er Lehrer an der jüdischen Schule in Kreuzburg, wohin auch die jüdischen Schüler aus Rosenberg und Namslau kamen. Die Schüler liebten ihn und vergessen ihn auch im Alter nicht. Ralf Preiss, der Sohn eines Rosenberger Arztes, jetzt im Management einer weltweit bekannten Firma in den USA, besuchte Erich Lewin im Jahre 1983, um seine Verbundenheit zu beweisen. Erich Lewin war bis zu seinem Tode als Schriftleiter einer interessanten deutschsprachigen Zeitschrift unter dem Titel „Mitteilungen des Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier in Israel". Die letzte Ausgabe unter seiner Schriftleitung war die 52 Seiten umfassende Nummer 51 von 1986. Nicht umsonst wurde Erich Lewin mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er bleibt uns unvergessen. Wolfgang Weidel r — — — — — — — - FÜR EINE AUSSTELLUNG ZUM THEMA ■ „JUDEN UND JUEDISCHE J | GEMEINDE IN GOERLIZ” | . WERDEN DOKUMENTE UND BILDER GESUCHT. | I BITTE WENDEN AN: | IProf. Joseph Walk ■ Leo Baeck Institute | 33 Bustenai Street _ I 93229 Jerusalem, P.O.B. 8298 | Tel. 02-633790 ■ NACHRUF AUF ERICH LEWIN (1902-1986) Dieses am 11. November 1986 in Ramat Gan (Israel) im 85. Lebensjahr nach kurzer Krankheit Verstorbenen zu gedenken, der — wie es in der Todesanzeige hiess — „sein ganzes Leben in den Dienst am Menschen gestellt” hat, besteht viel Aniass. Einmal in dankbarem Rückblick auf das was Erich Lewin in seinem von Bescheidenheit, Dflichttreue und Heimatliebe geprägten Leben geleistet hat, und sodann in verantwortungsbewusster Vorausschau auf so manches, worin er uns bei den eigenen Aufgaben ein Vorbild sein sollte. Erich Lewin, der aus einem kleinen Städtchen in der Provinz Posen stammte, aber in Breslau aufgewachsen ist, hat lange Jahre hindurch in Rosenberg O/S als Prediger und Kantor der Synagogen- Gemeinde dieses „wohlhabenden und beliebten Städtchens an der Ostgrenze Deutschlands” gewirkt. Auch als Lehrer und als Leiter des Jugendbundes der unter dem Bezirksrabbinat von Gross Strehlitz stehenden Gemeinde trat er in Erscheinung. „Aus dem Leben und der Lebensform herausgerissen, die er sich in Schlesien schaffen konnte”, erreichte Erich Lewin — wie es in einem Artikel zu seinem achtzigsten Geburtstag hiess — „beinahe im letzten Augenblick das Land Israel wo er alle Schwierigkeiten der Einordnung durchmachen musste.” Er war nach der „Kristallnacht" (9.11. 1938), in der seine Synagoge zerstört, er selbst verhaftet worden war, ins KZ nach Buchenwald gekommen. Nach einiger Zeit entlassen, mit der Auflage zu emigrieren, musste er seine Frau die für einen kranken Vater zu sorgen hatte, und sein Kind zurücklassen; beide sind dann während des Zweiten Weltkriegs in einem Vernichtungslager verschwunden. Auch in Israel hat Erich Lewin nach und nach zu seiner persönlichen „Aufgabe" zurückgefunden als Kultusbeamter seiner Gemeinde in Ramat Gan, als Grabredner bei Beerdigungen, als Kantor bei Gottesdiensten in Altersheimen. Nicht nur als Vorstandsmitglied in der von Dr. WilheJm Freyhan (früher Breslau) gegründeten „Vereinigung ehemaliger Breslauer” war Erich Lewin aktiv, sondern veranstaltete auch regelmässig interessante und anregende Vortragsabende. Er lebte streng nach den Regeln der Orthodoxie, war aber tolerant und genoss allgemeine Achtung. Sein Leben und seine Arbeit widmete er dem Dienst am Nächsten, dem religiösen Dienst wie dem Dienst an und in der Gemeinschaft, „immer bereit, wenn ein .Mensch' gebraucht wird". Erich Lewin war — wie eine nahe Bekannte von ihm schreibt — ein „im eigentlichen Sinn frommer Mensch; er war mit dem Herzen vielen Menschen verbunden; das Mitleben und Mitleiden waren der Antrieb seiner die physischen — aber auch die finanziellen — Möglichkeiten bis ins letzte beanspruchenden Arbeit”. Dabei beschränkte er sich aber keineswegs auf seine Glaubensbrüder. In einer Broschüre des Herausgebers der Rosenberger Nachrichten, des Herrn Wolfgang Weidel (Neuss), schrieb derselbe kürzlich — ganz im Sinne des Wirkens von Erich Lewin —: „Wir Rosenberger aber bleiben Rosenberger, ganz gleich, wo wir wohnen, ob Juden oder Christen. Die Mauer, die der Hass aufgebaut hat. soll aber die Liebe abreissen.” Was nun insbesondere Erich Lewins Verbunden- J (Fortsetzung auf Seite 4) SCHLESISCHES UND JÜDISCHES IN EINER WALLENSTEIN-BIOGRAPHIE Golo MANN, jüngster Sohn von Katia und Thomas, hat 1971 eine Biographie Wallensteins herausgebracht. Das Buch hat riesenhafte Ausmasse und stellt alles in den Schalten, was Dichter, Schriftsteller und Historiker, seit drei Jahrhunderten über jene rätselhafte, vielseitige und tragische Figur, eine der zentralen des dreissigjährigen Krieges, geschrieben haben. Auch wer seinen Schiller gut kennt, in Rankes Werken beschlagen ist, ja sogar den „Grossen Krieg in Deutschland” von Ricarda Huch gelesen hat, wird hier vieles Neue entdecken. Um mit Marginalien zu beginnen: der Herzog von Siebenbürgen hiess nicht, wie es bei Schiller steht, Bethlen Gabor, sondern gut biblisch Gabriel ßethlen (Wallenstein nennt ihn nicht anders als Bethlehen!); wer weiss, dass schon der 23-jährige sich ein Horoskop hat anfertigen lassen und zwar bei keinem Geringeren als dem grossen Kepler während der in Schillers Drama vorkommende Seni ein übler charakterloser Charlatan war (und in Wirklichkeit Battist Senno hiess). Aber eine der grössten Überraschungen des Mannschen Werkes ist, dass Schlesien eine so bedeutende Rolle in Wallensteine Leben gespielt hat. Bekannt ist Wallensteins Verbindung mit Böhmen. Im Norden dieses Königreichs Ist er geboren, in Eger, in seiner nordwestlichen Ecke, ist der 50-jährige ermordet worden — durch ein niederträchtiges Komplott, von der Wiener Hofburg zusammen mit einigen treubrüchigen Unterführern ausgeheckt, die es auf die Reichtümer des Generals abgesehen hatten — ein Komplott, das einen bereits Schwerkranken traf. Die bekanntesten Schlachten, die der „Friedländer" schlug, liegen in Mitteldeutschland (Dessau, Lützen), sein berührmtes Lager („Wallensteins Lager”) ist in der Umgebung von Nürnberg zu suchen, aber Schlesien? Über die Jugend des grossen Condottiere ist nicht allzuviel bekannt, aber es steht fest, dass der 14-jährige die Lateinschule in Goldberg besuchl hat. Während der Kriegshandlungen in den Jahrer 1626—1633 hat Wallenstein es erreicht, dass die Provinz Schlesien, die dem Kaiser schon fast verloren gegangen war, durch grosse Märsche und geschicktes Manövrieren, von den Feinden des Reiches geräumt wurde und die Festungen Liegnitz, Glogau und Sagan kampflos in seine Hand fielen. Sein letzter grosser Erfolg war die Gefangennahme eines seiner Hauptgegner, des Grafen Matthias von Thurn, bei der Besetzung der Stadt Steinau a/Oder. Er schenkte ihm die Freiheit, weil er immer wieder bemüht war, dem Krieg ein Ende zu bereiten. Immer wieder betont der Autor, dass Wallenstein kein rabiater Militarist war, und, nachdem der Krieg schon neun Jahre gedauert hatte, eine Friedenskonferenz in Breslau plante. So undurchsichtig und geheimnisvoll Wallenstein als Persönlichkeit wirkt, staatsmännische Grösse kann man ihm nicht absprechen. Den östlichen Teil Böhmens, der als „Bohemia Felix" (das glückliche Böhmen) bezeichnet wurde, hat der Herzog musterhaft verwaltet. Dies gelang ihm durch Förderung von Handel und Wandel, durch Strassenbau, Vereinheitlichung der Masse und Gewich- (Fortsetzung auf Seite 5) 3

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