Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1988
- Issue
- No. 52 (1988)
- Date
- 1988-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 142)
- Language
- German
- Belongs to
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GEDENKABEND FUER ERICH ELIESER LEWIN s.a. IN DER JCHUD SCHIWAT ZION” SYNAGOGE IN TEL AVIV (ZUM ERSTEN JAHRZEITSTAG) Am Abend des 9. November, fand in der Synagoge der ,,lchud Schiwat Zion" Gemeinde, anlässlich des ersten Jahrzeitstages, eine Gedenkstunde für Erich Elieser Lewin s.A. statt. Diese war verbunden mit einer Gedenkfeier für die in der Kristallnacht 1938 von den Nazihorden zerstörten Synagogen in Deutschland. Die Initiatoren dieser Veranstaltung waren die „Centra” und die ,,lchud Schiwat Zion” Gemeinde. Der erste Teil war dem Andenken Erich Elieser Lewins gewidmet. Herr Awraham Frank sprach einleitende Worte in denen er des Verstorbenen gedachte. Im Namen der Ramat Chen Synagoge, in welcher Erich Lewin betete, berichtete er, dass die Synagoge einen Vorhang für den Toraschrein und ein Mäntelchen für eine Torarolle zu seinem Andenken anfertigen liess. Ausserdem wurde eine Torarolle, welche zum Gebrauch nicht tauglich war, von neuem korrigiert und verbessert. Dieses dank einer Spende von einem unbekannten Wohltäter. Diese Torarolle soll immer an den Hohen Feiertagen im Altersheim der „Olej Merkas Europa” benützt werden. Dieses Minjan war Erich Lewin besonders ans Herz gewachsen und er organisierte dort die G"ttesdienste an den Hohen Feiertagen, an welchen er selbst viele Funktionen, wie leinen vorbeten und predigen ausübte. In dieses Altersheim ging der Verstorbene jeden Freitag Abend um dort Kiddusch zu machen, und oft auch am Schabbat Nachmittag um dort einen Lehrvortrag zu halten und dann Hawdala zu machen. Nach den einleitenden Worten von Herrn Frank, sprach Raw Auerbach, der Raw der Ramal Chen Synagoge. Er würdigte die Person des Verstorbenen, welcher die grosse Tradition des Deutschen Judentums in sich verkörperte. Die Sorge für den Nächsten, Wohltuen wo immer es nötig war, besuchen von Kranken und Alleinstehenden und vor allem seine unermüdliche Tätigkeit in der Chewra Kadischa der Jchud Schiwat Zion” Gemeinde, für die er Tag und Nacht zur Verfügung war, waren für ihn Selbstverständlichkeit und Mizwa, eine religiöse Pflicht. Die Reihe der Redner schloss Herr Bar-Or. Er entwarf ein lebendiges Bild der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Vor allem der Kleingemeinden in welchen der sogenannte „Kultusbeamte", welcher Kantor, Lehrer, Schochet und Prediger, alles in einer Person, war. Der Verstorbene war der typische Vertreter dieser „Kultusbeamten", welche das jüdische Leben dieser Kleingemeinden gestalteten und ein Bollwerk gegen die Assimilation waren. Der zweite Teil dieses Abends war dem Gedenken an die zerstörten Synagogen in Deutschland gewidmet. Herr Freudenthal sprach einleitende Worte. Nachdem sprach Raw Ansbacher, welcher der Verfolgung der Juden im 2. Weltkrieg gedachte. Auch diejenigen, welche sich aus Deutschland in benachbarte Länder retten konnten, wurden von den dortigen Behörden verfolgt. All dieses, sagte Raw Ansbacher, sollen wir gedenken. Er endete seine eindrucksvolle Ansprache mit dem Aufruf dafür zu sorgen, dass wenigstens in unseren eigenen Reihen Friede und Eintracht herrschen möge. ERICH LEWIN IST VON UNS GEGANGEN Damit ist nicht nur der Verband ehern. Breslauer sondern auch die Verbindung der ehern. Breslauer mit einander um ihr pulsierendes aktivierendes Bindeglied ärmer geworden, welches aller gedachte und mit dem Schicksal jedes Einzelnen mitfuehlte. Erich Lewin personifizierte fuer uns alle das Wertvolle und das Erinnerenswerte im allgemeinen juedischen Gemeindeleben Breslaus, in den Jugendbewegungen, in menschlichen, religioesen und synagogalen Beruehrungen usw. So wurde und so bleibt er der nahe Freund aller die ihn kannten. So wurde er ein treuer Helfer fuer so viele, die sich an ihn als Sekretär des Verbandes wandten, aber fast mehr als an den treuen Freund und Helfer, Erich Lewin, in seiner einzigartigen Bereitschaft, wann auch immer, und mit welchem Anliegen, Sorge, Notlage oder mit welcher Bitte auch immer!! Dadurch wurde Erich Lewin letztlich zum per soenlichen familiaeren Mitbeteiligten bei jedem freudigen Ereignis im Breslauer Kreis und gewiss nicht weniger auch zur Stuetze und Quelle der Auf. richtung im Leid, mit seinen immer persoenlichen warmen Worten und mit seinem vom Herzen kommenden Gebet. Die Familiendaten aller lebten in ihm, und er mit ihnen. Er erwies sich hierbei als das wandelnde menschliche Computer-Gedaechtnis, bei dem wir alle, mit allen zu uns Gehoerenden, stets gegenwaertig waren. Wer hatte sonst, wie er, unermuedlich die Karthotek des Verbandes fortleben lassen koennen? Die beruehmte iKarthothek, die noch vom unvergesslichen Begruender des Verbandes Dr. W. Freyhan s.A. so sorgfaeltig angelegt, ausgeweitet, entwickelt und gehuetet wurde, die so vielen nach dem Krieg half, auseinandergerissene Familienteile erneut zu vereinen und Berechtigungen fuer Ansprueche zu beweisen! Nur ein Erich Lewin konnte, nach dem Hinscheiden von Dr. Freyhan diese so vielfach wichtige Institution der Karthothek fortsetzen, weiter entwickeln zum Besten jedes Einzelnen und der Gemeinschaft verwalten und verwenden.! Durch all dies wurde er zum Bindeglied aller, im engsten und auch im weitesten Sinne des Wortes, in so vieler Beziehung und in so reichem Masse. Es wird von uns abhaengen, wieweit wir seinem Wunsche und seinen Hoffnungen entsprechen und die Verbindung zu all dem was unser war, fortleben lassen werden. A. Gradenwitz (Fortsetzung von Seite 1) neren Gemeinden auszubilden, wo sie für alles zuständig aber auch verantwortlich waren, Lehrer, Seelsorger, Vorbeter. In einem Glückwunsch anlässlich seines achtzigjährigen Geburtstag wurde von einem Amtskollegen von. ihm erzählt, den die Bevölkerung den „Judenpastor" nannte, einem Hirten der Gemeinde. Im Jahre 1930 kam er nach Rosenberg, Oberschlesien, einer Gemeinde mit 25 Familien, wobei zu seinem Amtsbereich noch zwei kleinere Gemeinden gehörten, Landsberg und Guttentag, ein späteres Hachscharazentrum. Nach der. „Kristallnacht" wurde er nach Buchenwald verschleppt. Die Familie bemühte sich, ihm Auswanderungsmöglichheiten zu verschaffen, eine Voraussetzung für die Befreiung aus dem Konzentrationslager, und so kam er, wie leider so viele andere auch, ohne Frau und Kinder in das damalige Palästina, wo für seinen Beruf kein Bedarf vorhanden war. In den fünfziger Jahren gehörte er zu den ersten, die sich um die Landsmannschaften bemühten, er zählte zu den Initiatoren und rGründern des „Verbandes ehemaliger Breslauer und Schlesier", später, als er sah, wie die Gruppen einschrumpften, zu den Initiatoren der „Centra", die Zusammenfassung der Verbände, die mindestens in Tel Aviv rege Kulturarbeit durchführen konnte und kann, und im letzten Jahr ein Klubheim in der Zwi Graetz Strasse eröffnete, um das er sich sehr bemühte. Er war der Herausgeber und Redakteur der ein-bis zweimal jährlich erscheinenden „Mitteilungsblätter”, die letzte Ausgabe die er wenige Wochen vor seinem Hinscheiden fertigstellen konnte, trägt die Nummer 51, und umfasst 52 Seiten, in denen lokalen Erinnerungen wie allgemeinen jüdischen Themen breiter Raum gegeben wurde.. Am 14. Dezember 1977 wurde ihm das Verdienstkreuz der Bundesrepublik überreicht. Aus persönlicher Bescheidenheit trat er, auch in der Centra, als „zweiter" auf, trotzdem seine Privatadresse das „Sekretariat” des Verbandes wie der Zeitung darstellte. Die vielen Zuschriften, die er auch aus dem Auslande erhielt, beantwortete, er immer persönlich. Bis in die letzten Lebenswochen bemühte er sich um das gesellschaftliche wie religiöse Leben in dem in seinem Wohnbezirk liegenden Seniorenheime, er gab an den,Freitag Abenden den Bewohnern einen Kiddusch, zu den Feiertagen organisierte er Gottesdienste und hielt immer wieder Ansprachen, Vorträge, für die er sich, wie er verriet, kaum vorzubereiten brauchte, die Worte sprudelten nur so heraus, und die Themen beherrschte er. Er wusste, ja, er fühlte es, wann, wie und wo zu helfen, das, was man mit Matan b’Seter bezeichnet, heimliche Geschenke, anonym. Mit Erich Lewin s.A. hat uns ein Schali’ach Zibur, ein Diener an der Öffentlichkeit, verlassen, dessen freiwilliges Bemühen viele missen werden, die ihn kannten, die einen persönlichen Kontakt mit ihm hatten, auch wenn sie nicht aus Schlesien stammen. Der Dienst an der Öffentlichkeit stellte für ihn eine Verpflichtung'dar, eine religiöse Forderung. 2