Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1988
- Issue
- No. 52 (1988)
- Date
- 1988-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 141)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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[germania] JUDAICA j Gegründet von Dr. Wilhelm (Seev) Freyhan ז״ל ידיעות של ארגון ירצאי ברסלאו בישראל MOTEILUNGEN No. 52 1988 תשמ״ח DES VERBANDES EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL E. V. VORSTAND: Dr. Richard Prager (Vorsitzender) Edith Benda, Mosche Goidstein, Arie Gradenwitz, Lotte Lewald, Max Lcpatka, H. Sachs P.O.B. 3591: 61035 Tel Aviv ERICH EUESER LEWIN s.a. (1902-1966) EIN PERSOENLICHES WORT DES GEDENKENS (AUS ANLASS DER JAHRZEIT FUER ERICH LEWIN) Wolf S. Matsdorf, Jerusalem Dem Architekten des Israel Zentrums fuer das ueber alle Welt zerstreuten schlesischen Judentums soll hiermit ein Tribut gezollt werden. Sein Ableben, kurze Zeit nach seiner Gedenkrede anlaesslich des Jahrestages der ,,Kristallnacht”, eine Fuegung von nahezu symbolischer Bedeutung, hat eine Luecke gerissen, fuer uns Juden, die aus Schlesien stammen, die kaum geschlossen werden kann. Als selbstloser Mensch und Seelsorger ist er gewuerdigt worden. Als einzigartiges wichtiges Glied in der historischen Kette des schlesisehen Judentums kann seine Bedeutung kaum u'eberschaetzt werden. Die Spalten der ,,Mitteilungen", die er gewissenhaft mit einem tiefen Sinn fuer die Wichtigkeit exakter und penibler Einzelheiten, besonders in Bezug auf Persoenlichkeiten und Ereignisse, zusammen mit seiner unglaublichen Erinnerungsgabe, herausgab, haben diese Blaetter zu einer unersetzlichen Fundgrube der Quellen schlesisch-juedischer Vergangenheil gemacht. Die Bedeutung dieses Materials kann wohl am Besten daran ermessen werden, dass es eine lebende Verbindung mit den ueber die ganze Welt zerstreuten juedischen Menschen aus Schlesien wurde. Die Bedeutung der ,,Mitteilungen” kann man auch daran ermessen, dass nicht-iuedische frühere Schlesier, die jetzt in West Deutschland leben, diese Blaetter mit grossem Interesse lasen, sich Erich Lewin’s internationale Beziehungen zu Nutzen machten, um ihre eigene Vergangenheit nachzuforschen, aber auch frueheren juedischen Mitbuergern halfen erwuenschte Beziehungen herzustellen. Diese Kontakte nahmen sogar so konkrete Formen an, dass deutsche Journalisten und Forscher, mit Interesse an Schlesien, eigens nach Israel Kamen, um Erich Lewin's Archive auszuwerten. Die oberschlesische juedische Vergangenheit war Erich Lewin’s besondere Liebe. Hier hatte er ja als Seelsorger gewirkt und hatte intime Kenntnisse der Mitglieder der kleinen juedischen Gemeinden wo er bis zu seiner Aliyah hingebungsvoll sich bewaehrte. Ohne die Hilfe und grosszuegige Mitarbeit von Erich Lewin waere es nicht moeglich gewesen den Quellen deutsch-juedischer Genealogie in Schlesien näherzukommen und auf diese Weise das Material ueber juedisehe Vergangenheit, zu ergaenzen, das bei dem Bundesarchiv in Koblenz und in den Brilling Archiven, jetzt verwaltet in dem Juedischen Museum in Frankfurt am Main, zu finden!ist. Mit seiner Hilfe ist es mir gelungen, einen Stammbaum herzustelten der drei Jahrhunderte umfasst und neun Generationen, deren Wurzeln in Oberschlesien liegen. Auf diese Weise ist es der gegenwaertigen Generation unserer Familie moeglich, den Spuren unserer Vorfahren nachzugehen und sie mit der jue■ dischen Vergangenheit in Oberschlesien zu verbinden. Dafuer schulden wir Erich Lewin unseren tiefsten Dank. ERICH LEWIN s.a. EIN DIENER DER ÖFFENTLICHKEIT Heinzwerner Goldstein Mit Erich Lewin s.A., der uns am 11. November 1986 verlassen hat, verlor der Kreis der aus Mitteleuropa stammenden Einwohner des Landes eine ihrer führenden und aktiven Persönlichkeiten. Er hat, nach schweren Anfangsjahren, als die wirtschaftliche Situation sich besserte, sein Können und Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt, aktiv bis zum beinahe letzten Lebenstag. Noch am 9. November sprach er auf einer Gedenkveranstaltung zur ״Kristallnacht” Er war in guter Sprecher, eine Gabe, die ihm scheinbar angeboren war, und mit einem wunderbaren Gedächtnis ausgestattet, das er ״visuell" nannte. Er sah die Persönlichkeit oder das Ereignis vor sich, und konnte sich an viele Kleinigkeiten erinnern, auch wenn er Jahrzehnte keinen Kontakt mit dem Menschen oder dem Ort des Geschehens hatte. Er gehörte zu dem kleinen Kreis derer, die ihre Arbeit in und mit der Öffentlichkeit freiwillig leisten, durchdrungen ,von tiefer Religiosität, was ihn aber nicht abhielt, ein offenes Ohr für alle Gesprächspartner zu haben. Er stellte das dar, was man als ״Schali’ach Zibur", den Diener, der Vertreter der Öffentlichkeit, im besten Sinne des Wortes bezeichnet. — Sein Lebensweg begann, in einer kleinen Gemeinde in der Provinz Posen, wo er am 11. August 1902 geboren wurde. Die Eltern schickten ihn im Jahre 1912 nach Breslau, um das Gymnasium zu absolvieren. Von 1920 bis 1926 war er dort im Getreidehandel tätig, eine Beschäftigung, die ihn nicht ausfüllte, und so ergriff er 1926 die Gelegenheit, als der ״Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden” in Berlin Kurse einrichtete, in denen Prediger, Vorbeter und Religionslehrer ausgebildet wurden. Damit wurde einem dringenden Bedarf Rechnung getragen, den all-round Beamten für die klei- (Fortsetzung auf Seite 2) Wir betrauern den Tod unseres Freundes ERICH (ELIESER) LEWIN der j'ahrelang unermuedlich seine ganze Kraft unserem Verbände gewidmet hat. Sein Hinscheidsn hinterlaesst eine unausfuellbare Luecke in unseren Reihen. Wir werden seiner nie vergessen. VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL Der Vorstand