Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Winne», im Widerspruche mit seinen bisherigen Ansichten und Kämpfen, auf diese alberne und nichtswürdige Lüge einzugehen, und sie in seinem Literaturblatte recht eigentlich zu hegen. Dieses bekämpfte nun im Jahre 1836, was es 1831 und 32 vertreten hatte. Vergebens hatten sowohl der Verfasser dieser Skizze, als Berthold Auerbach*), der sich seitdem als ausgezeichneten Nationalschriftsteller bewährte, Gegenschriften veröffentlicht, worin sie ihn, mit höchster Schonung, auf sein Unrecht aufmerksam machten, während sie zugleich den großen Verdiensten, welche er sich früher um die gute Sache ihrer Glaubensgenossen erworben hatte, volle Anerkennung zollten. Statt aller Antwort fuhr er fort, in der Nachtzeit das Gespinnste aufzutrennen, das er selbst zur Tageszeit gewoben hatte. Gr sprach zwar fortwährend, als Abgeordneter wie als Schriftsteller, für die Rechte der Juden, aber desto willkommener war ihm jeder Vorwand, ihre Ehre anzugreifen. An ihn hatten sich Gustav Pfitzcr und manche zum Theil ungenannte oder namenlose Schriftsteller angcschlvssen, welche er dann in seinem Literaturblatte patronisirte. Riesser schwieg lange. Ihn beengte, eben wie Berthold Auerbach und mich, das Gefühl, gegen den Mann öffentlich auftreten zu müssen, welchem die gute Sache der Glaubensfreiheit viele und wesentliche Dienste verdankt. Erft im Jahre 1840 entschloß er sich dieses Schweigen zu brechen. Seine „jüdischen Briese" (Berlin bei Veit) sind ein Muster würdiger und kräftiger Polemik, welche edlen Manneszorn und milde Gesinnung in schöne Verbindung zu bringen weiß. Kurz nach Vollendung des ersten Theils dieser Schrift verließ der treffliche Mann Süddeutschland und kehrte nach Hamburg zurück. Hier fungirt er, vom dortigen Senate dazu ernannt, als öffentlicher Notar. Sonderbares Schicksal der Juden in Deutschland! Der Mann, der jede Hochschule zieren, dessen edle Seele, dessen hinreißendes Wort, dessen gründliches Wissen strebende Jünglinge heben, belehren, begeistern würde; der Mann, der als Richter Recht spräche im hohen Sinne des *) Das junge Deutschland und die Juden, von vr. Jakob Weil. 1836. (Frankfurt, Jäger'sche Buchhandlung.) — Das Judcnthum und die neueste Literatur, von Vr. Berthold Auerbach. (Heidelberg 1836.)