Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 106)
- Language
- German
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106 Wortes — der Mann wurde endlich sin seiner Vaterstadt vx mern Kratia zum Notar ernannt! Die begeisterte Theilnahme seiner Glaubensgenossen, die ihn auf jedem seiner Schritte begleitet, und in Fürth, in Karlsruhe, in Hessenkassel, Stuttgart und Berlin, wie in Hamburg und Frankfurt, mit Freude jede Gelegenheit ergriff, ihm ihre Huldigung und ihre Liebe auszusprechen, gab sich bei dieser Veranlassung auf rührende Weise kund. Ein schönes Angebinde, von edlen Frauen überreicht, ein Festmahl, dem verehrten Manne gebracht, wozu von seinen Glaubensgenossen fast alle Männer von Ansehen und Talent und, was weit mehr sagen will, von richtigem Sinn und Gefühl, zum Theil von 20 bis 30 Stunden in der Umgegend, herbeigecilt waren, gaben ein schwaches Bild der Empfindungen, welche die Herzen für ihn beseelten. In Hamburg erschien der zweite Theil seiner jüdischen Briefe. Es gelang denselben, zwar nicht den lebenden Menzel, wohl aber die todte Rahel zum Sprechen zu bringen. Diese geistreiche und gefühlvolle Frau, welche, wie die meisten denkenden Menschen, sich nicht immer in die spanischen Stiefel der Convenienzsprache einschnüren mochte, war von den neuen Zionswächtern, in dem ärgerlichen Streite über das junge Deutschland, gleichsam als dessen Großmutter dargestellt und mit demselben gleicher Vcrdammniß geweiht worden. Man fand hierdurch die erwünschte Gelegenheit, in dem Donquixottenkampfe gegen Juden, wo keine waren, nächst Heine auch eine Frau zur Stelle zu schaffen. Daß Beide ihr Lebelang der christlichen Religion und Gesellschaft angehört, kam nicht in Betracht; ihre Geburt sollte, nach ächt aristokratischer Ansicht, allein entscheiden. Riesser sah darin, in Bezug auf Rahel, eine Art Vergeltung der Nemesis, daß sie, deren Herz für jedes zeitgemäße Bestreben so warm fühlte, in ihren Briefen, gerade der Sache der Juden so wenig Theilnahme bezeigt. Varnhagen von Ense, ihr Gatte, dessen tiefe Verehrung für die Verewigte Beiden zum Lobe gereicht, theilte hierauf ein Schreiben von ihr mit*), woraus allerdings hervorgcht, daß sie auch in dieser Hinsicht mitfühlend war, wenn auch die dahin *) Abgedruckt in vr. Freund's Zeitschrift: Zur Judenfrage in Deutschland. (Berlin. Leit.) 1843. 3. Lieferung.