Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 98)
- Language
- German
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98 der ihn durchglüht, spricht sich so kräftig und edcl aus, daß die Freunde der Literatur dem Verfasser jener Vrochure für den Dienst, den er ihnen leistete, in der That Dank schuldig sind. Börne zwar bcurtheilt auch er, die allgemeine Aufregung theilcnd, in dieser Schrift mit größerer Härte, als er später selbst billigte*), aber es ist eben das warme Herz für Deutschland, dessen Ehre und Ruhm, welches hier, wenn auch in Folge eines thcilwcisen Mißverständnisses, übcrwallt. Wie er Anderer Gefühle fasst, und wie er selbst empfindet, das werden die Leser am besten aus dem Schlußworte der Schrift bcurthcilen können. Er zeigt zuerst welche unwürdige Klatscherei es wäre, Börne und Heine, die weder Juden seien, noch sein wollten, ihrer Geburt wegen als solche zu bezeichnen. Er meint aber: wären sie Juden, und sollte die Bitterkeit, deren Heine und die Schroffheit, deren Börne nicht immer Meister wäre, aus diesem Umstande entschuldige werden, so dürfte auch das nicht schwer werden. „Seht die trefflichsten Naturen in eine Umgebung voll Lieblosigkeit und Mißgunst, wie sie der Jude so oft bei seinem Eintritt in die Welt findet; laßt sie fühlen, wie man ihre Vorzüge beneidet und ihre Fehler belauert, um Vorwände des Hasses zu finden; laßt sie gcguält werden von jener Gemeinheit des Gewohnheitshasses, dessen Pfeile nicht tödtcn, dessen Waffen keine scharfe Wunden schlagen, wo das strömende Blut den Schmerz erleichtert, die aber täglich an dem wunden Herze» nagt mit den stumpfen Zähnen, wie der Geier des Prometheus; ihre Seele wird lange und langsam bluten an diesen Schmerzen, und ist das Gefühl bei ihnen überwiegend, so wird sic nie zu bluten aufhören. Ist aber der Verstand mächtiger, und finden sie sich allein in einer Welt voll Haß mit dem herrschenden Verstände und dem leidenden Herzen, so wird ihre Stärke sic aufrecht halten; aber sie werden sich dann starr und stolz in das Bewußtsein ihrer Kraft hüllen, und werden kalt und bitter und lieblos werden, wie die Welt die sie verachten Der gütige Vater der Menschen und der Liebe möge solche Seelen mit einer wärmenden Umhüllung liebender Herzen umgeben, welche die rauhe Luft des Hasses von ihnen abhalten! Sonst werden sie, auf die 9 Indische Briefe I.