Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 91)
- Language
- German
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91 zwar ungehindert prakticircn, wenn er sich entschließen wollte seine Schrift von christlichen Advocatcn unterzeichnen zu lassen. Aber er schämte sich dieses Schleichwegs für sich und seine Vaterstadt. An der Schwelle des bürgerlichen Lebens war ihm die privilcgirte Ungerechtigkeit zweimal, hemmend und störend, entgegen getreten; aber er fühlte dabei, nach der Weise edler Naturen, nicht sowohl das Unrecht welches ihm, als das welches der Menschheit überhaupt, durch so verkehrte Gesetzgebung zugefügt wird. Er beschloß, statt als Vertreter einzelner Rechtsansprüche, als Vertreter des Rechts, zunächst in der Sache seiner Glaubensgenossen, aufzutrcten. So entstand (Dccembcr 1830) die Schrift: über die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland. Er spricht darin mit Wärme und Uebcrzeugungstreuc für „die ewige Gleichheit der Mensche» vor dem Gesetze, für das unveräusserliche Recht, dessen Mangel zu keiner Zeit schmerzlicher empfunden werden konnte, als in der, wo jede Rechtsungleichheit zwischen Bürger und Edelmann, zwischen Bauer und Bürger mit Recht verworfen, keinem Helotismus mehr das Wort geredet, im »'östlichen Nachbarland«: die letzte gesetzliche Scheidewand aufgehoben ward zwischen den Bekenner» des alten und denen des neuen Bundes*) und das Vaterland, in jenen wie in diesen, seine Kinder sah und fand." '**) Zugleich forderte er seine Glaubensgenossen auf, Vereine zu bilden, welche dahin wirken möchten, die Juden auf dem gesetzmäßig«»! Wege dieser Rechte theilhaftig zu machen. „Wir können uns," fügt er hinzu, „darin gewiß nicht irren, daß nur Glaube und Ueberzcugung, nicht ein feiges Weichen vor sinnlicher Gewalt diese Frage entscheiden müsse. . . Sind jene großen Glaubenslehren unseres Jahrhunderts, die Lehren von der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetze, von dem angebornen Rechte aller Menschen In Frank«eich brachte, nach der Iulircvolution, der Minister Llörilbou einen, mit nngebcurcr Mchrzalst angenommenen Gcscstcsentwurf, vermöge dessen auch die stostcn des israelitischen Gottesdienstes von Slaatöwcgcn bestritten werden, mit den Worten vor: „es wäre an der Zeit sich völlig frei zu machen von den barbarischen Unterscheidungen, welche bei Frantrcichs Nachbarn noch bestanden." Worte des Franlfurtcr Sendschreibens an l)r. Gabriel Ricsser.