Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 90)
- Language
- German
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90 Fortschritt, für die Verbesserung des Gottesdienstes*) und anderer religiösen und bürgerlichen Verhältnisse der Juden interessirtcn, und stand in seiner Vaterstadt in allgemeiner Achtung, Der Sohn studirte die Rechte zu Heidelberg und Kiel mit ausgezeichnetem Erfolge- Später wünschte er sich als Privatdvcent in Heidelberg zu versuchen, wo sein Name sich bereits guten Klang erworben hatte. Er richtete ein Gesuch in diesem Sinne an die Großherzoglich badische Regierung, wurde aber abschläglich beschieden, „weil die Zahl der, iu der juristischen Fakultät vorhandenen Privatdocen'tcn bereits mehr als hinreichend wäre!" Es waren ihrer damals 7, während Leipzig deren 30 zählte. Mündlich gab man ihm, wie er in einer seiner Schriften erzählt, drei Motive an, nach welchen die armen Privatdoccntcu als eine böse Sieben erschienen. Sit! nähmen erstens den Professoren die Zuhörer weg, was freilich, von dem Standpunkte der freien deutschen Wissenschaft aus, nicht geduldet werden kann. Sie fielen, zweitens, den oberen Behörden durch Anstellungsgcsuche zur Last, was allerdings eine große Zudringlichkeit ist. Zwar behaupten die Leute: sie müßten leben. Aber ein französischer Staatsmann der alten Zeit hat darauf schon bei ähnlicher Veranlassung sehr gut geantwortet „ich sehe die Nothwcndigkeit nicht ein." Drittens wurde gesagt: es bedienten sich hie und da Doccnten allerlei unerlaubter oder unpassender Mittel um Zuhörer zu erhalten. Dieser Grund der, wegen ei»iger Privatdvccutcn, alle mißliebig ansieht, bringt diese in solche Wahlvcrwandschaft mit den Juden, die auch wegen Einzelner sammt und sonders verdammt werden, daß man fast als viertes Motiv die Religion des Bittstellers vermuthcn möchte. In seiner Vaterstadt Hamburg war ihm das Advociren, nicht aus vier Gründen, sondern nur aus einem untersagt, weil er nämlich ein Jude ist. Er konnte '0 Jahr lül ü schrieb derselbe ein, im Druck erschienene», Sendschreiben an seine Glaubensgenossen, worin er sich mit Ernst nnd Lebhaftigkeit gegen die Zeloten ansspricht, welche die Gründer des neuen Tempels in Hamburg zu verdächtigen suchten. Seine Briefe an Gabriel, namentlich einer zu dessen zwanzigstem Geburtstage, welcher uns im Originale vorliegt, sprechen Gesinnungen und Gefühle aus, welche denen dcS Lohnes vollkommen an die Seite zu stellen sind.