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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 89

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 89 (sequence 89)
Language
German
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IRI
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89 Errungene noch Zeit und Worte verlieren mochte. Dohm sieht die Erfahrungen einer späteren Zeit voraus; Börne zürnt, daß man zum Unsinn einer früheren znrückkehrcn will. Dohm's Worte sind ruhig und gehalten wie der klare Spiegel eines stillen Baches; Börne's Rede ist stürmisch und großartig wie der bewegte Ocean. Beide sehen, in der einzelnen Frage, ihren Zusammenhang mit den höheren Ideen, humaner Staatsregierung Jener, begeisternder Volksfreiheit Dieser. Gehört aber Dohm der Zeit stiller Betrachtung, Börne der Zeit stürmischer Thatkraft an, so fällt Gabriel Niesser's Auftreten in den Anfang der 30er Jahre, in die Epoche, wo das Volksbcwußtsein den Fortschritt auf dem Wege der Entwicklung, die Erhaltung auf dem Wege des Fortschritts suchte. Die Freiheit, ein Schwert in den Tagen der Revolution, war in den Julitagen ein Schild. Hatten zur Zeit der Revolution die verschiedenen Stände der Gesellschaft, hatten, während des Befreiungskrieges, die Völker unseres Welttheils sich hassend bekämpft, so schien damals ein schöner Völkerfrühling anzubrechcn, wo die gebildeten Nationen Europa's ihren Frieden feiern würden in de» Ideen, die sic vereinigten, in der Mäßigung die sie verhinderte den Gang fortschreitender Entwicklung in einen blutigen Völkerstnrm zu verwandeln. Vorüber schien die Zeit, wo die Schöpfung aus dem Chaos hervorgehen mußte; angebrochen die, wo der Geist, der über den Wassern schwebt, durch sein ruhiges, aber um sc mächtigeres Lichtgebot die beruhigte Erde der Klarheit entgegen führen würde. Gabriel Riesser war der Mann, welcher in dieser Zeit und mit einer entsprechenden Gesinnung, die Unfreiheit zur Sprache brachte, die unser schönes Deutschland in der Herabwürdigung strebender Mitbürger selbst herabsetzt. Milden Herzens, edler Gesinnung und eben so festen als sanften Charakters erzeugt Riesser Liebe für sich und seine Sache. Diese ist mit seiner Person so innig verwachsen, daß wir seinen Standpunkt erst feststellen mußten, ehe wir über Jene berichten konnten, was jetzt in kurzen Andeutungen nachgeholt werden mag. Gabriel Riesser ist zu Hamburg am 3. April 1806 geboren. Sein Vater, ein wackerer Mann von freisinnigen Ansichten, wurde zu den Männern gezählt welche sich für den

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