Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 85)
- Language
- German
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85 schaft gemischt werden darf." Sein Standpunkt ist der rein humane. Friedrich der Große, in dessen Diensten er stand, und unter dessen Regierung sein Buch geschrieben ward, war bekanntlich, bei aller Freisinnigkeit, nicht ohne Vorurtheile gegen den Bürgerstand, und bei aller Philosophie, nicht ohne Vorurtheile gegen die Juden. Ihm der einem Mendelssohn die Pforten der Berliner Academie gegen deren Willen verschloß, war es schwerlich genehm, dessen Glaubensgenossen in seinen Staat einzubürgern. Aber Dohm stand, indem er ein Menschenrecht vertheidigte, in höheren Diensten als des irdischen Fürsten. Sein Werk war mehr als ein gutes Buch, es war eine schöne That. Friedrich's Weisheit wußte diese Unabhängigkeit zu achten. Er, der jedem vergönnte „nach seiner Fazwn selig zu werden," war weit entfernt, von dem Staatsdiener zu verlangen, „nach des Fürsten Fatzon" zu denken und zu schreiben. Was Dohm als Staatsmann, das erstrebte Börne als Volksmann. Zwischen 1783 und 1815 liegt die ganze französische Revolution mit ihren hohen Lehren und ihren schweren, jedoch glücklicherweise vorübergehenden Verirrungen. Die Freiheit war nicht mehr eine wissenschaftliche Aufgabe, sie war der Puls des politischen Lebens, der Sauersto.ff geworden, der die ganze Atmosphäre durchdringt und die Menschen an- und aufregt. Das war Manchen in die Köpfe gestiegen, und sie hatten im Rausche dem Faß den Boden ausgeschlagen. Da kam ein Mann, hohen Geistes und selbstischer Gesinnung, der sein Volk mit Aether betäubte, um ihm in diesem Zustande, die Freiheit zu nehmen. Er exaltirte es durch Ruhm, ließ die Gleichheit bestehen, und so gelang die Operation. Zum Ersätze gab er seinem Volke die Herrschaft über andere Nationen, und wir Deutsche namentlich wurden des edelsten Gutes: der nationalen Selbstständigkeit, durch ihn beraubt. Mit Recht fühlte sich der Freund des Vaterlandes in tiefster Seele empört, und wenn Mancher dadurch auch gegen das Gute verstimmt wurde, welches der Erbe der Revolution mit herüber gebracht hatte: gegen Schwurgerichte, Abschaffung der Religions- und Standesprivilegien u. s. w. — so war das freilich eine sehr beklagenswerthe, aber doch verzeihliche Verirrung des Nationalge-