Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 84)
- Language
- German
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Dohm gebührt das Verdienst, die Frage zuerst*) von dem allgemeinen, rein menschlichen Standpunkte behandelt, und sich bei dieser, wie bei vielen anderen Untersuchungen, zugleich als Menschenfreund und als Staatsmann bewährt zu haben. Am Anfänge der achtziger Jahre, in der schonen Zeit, wo es in den höheren politischen Kreisen noch an der Tagesordnung war, freisinnig zu denken und zu sprechen, in der Zeit, wo Regenten wie Joseph und Friedrich der Zweite die Dunkelmänner in den oberen Schichten der Gesellschaft unbeliebt gemacht hatten, trat der edle von Dohm auch für diese gute Sache, als ein geharnischter Kämpfer, auf. Mendelssohn hatte damals, wie Klopstock es schön ausdrückt, in Deutschland eine Bewunderung erregt, die nicht rein von Verwunderung war. Man hatte einem Juden die Ebenbürtigkeit unter den deutschen Schriftstellern, fast staunend, zucrkannt, und nahe lag die Frage: ob denn die bürgerliche Ebenbürtigkeit schwerer zu erwerben wäre, als die literarische? Doch war Dohm weit entfernt von dem Standpunkte der Philister, welche Juden, wie Hunde und Katzen, unter einen Gattungscharaktcr bringen und die Juden wegen eines Juden hoch oder niedrig stellen. Er kennt weder die Vorliebe, welche die Freundschaft eines ausgezeichneten Mannes für seine Sinnes - und Glaubensverwandten, noch die Parteilichkeit, welche die uuliebcnswürdigen und uncivilisirtcn Formen der damaligen Juden gegen sie erwecken mochten. In seinem Buche sind keine Anekdoten von edlen und großmüthigen Juden, gleichsam als Gegengift gegen die von schlechten und nichtswürdigen Individuen dieser Rcligionsgcnossenschaft, zu lesen. Er pflanzt sein Panier in den reinen Höhen der Menschheit auf, darum vertheidigt er nicht Personen, sondern Ideen. Er behauptet (Th. 2. S. 11k) die bürgerliche Verbesserung müsse eine moralische bewirken, wie die politische Herabwürdigung die sittliche hervorbringe. Er spricht sich (Ebendaselbst S. 103. Note) gegen den dogmatisch-christlichen Staat aus, „weil der Begriff einer religiösen Gesellschaft nie in den einer bürgerlichen Gesell- *) lieber die bürgerliche Verbesserung der Jude» von Christian Wilhelm Dobm. Berlin und Stettin bei Fr. Nicolai i l. Baud 1781, H. Band 1783.)