Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 82)
- Language
- German
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82 — Da wo der Strom der Geschichte treibt, da gilt es sich als wackeren und kühnen Schwimmer zu bewähren — was kann aber viel daran liegen ob ein Bächlein etwas klarer oder trüber fließt? Mag sein daß einigen Hundcrttausenden, unter den Millionen die im Vatcrlandc leben, Unrecht geschieht. Sie mögen das Recht, das sie haben oder nicht haben, durchzuführen suchen. Wir haben nichts dagegen. Aber wir wollen nicht, daß man die Angelegenheiten Einiger mit der großen Sache Aller, die Vertheidiger einzelner Ansprüche mit denen der Völkerrechte, die Vertreter der Judcnemancipation mit den Männern des Volks auf eine Linie stelle." So sprachen Viele, sprechen noch setzt Manche derjenigen die sich freisinniger Gesinnung rühmen. Sie vergessen aber, daß Wahrheit, Freiheit und Recht nicht zu den wieg-, meß- und zählbaren Dingen gehören die nur dann von Bedeutung sind, wenn sie recht schwer in's Gewicht fallen, oder vielen Raum cinnehmcn. Freiheit und Recht sind nicht nach Loth, Pfund oder Centner abzuschätzcn. Es gibt nur ein Recht und Eine Freiheit. Beide ruhen im Grundsätze, in der Gesinnung und in deren Anwendung auf das Leben. Gerade das Recht, gerade die Freiheit denen keine äußere Macht, keine Uebcrzahl, kein Mittel zur Seite steht sich auf dem rohen Wege der Gewalt Anerkennung zu verschaffen, gerade diese sind der Prüfstein der Ucberzeugungslreue, des wahrhaft sittlichen Beweggrundes, welcher den Männern des Volks iunc wohnt oder gebricht. „Du hast Recht, vorzüglich weil ich muß," antwortet Faust ganz richtig — dem Teufel. Aus den Jüngern der Wahrheit aber spricht ein Gott, und darum ziemt ihnen eine andere Sprache. Nicht was die Männer des Volks erringen wollen, warum sie es erringen wollen — das bestimmt ihren Werth oder Unwerth. Daß der Bürgerstand dem Adel, daß der Protestant dem Katholiken, oder Dieser Jenem gleich stehe, daß der Farbige oder Schwarze nicht unter dem Drucke des Weißen leide, daß der Schriftsteller des Maulkorbs der Censur entledigt sein, daß der Beklagte lieber durch Ocffentlichkcit und Geschwornengcrichte vor und von seinen Mitbürgern, als heimlich — und möglicherweise willkürlich — gerichtet sein wolle — dgs ist an sich nur ein Streit um Interessen. Seine Würde, seinen hohen menschlichen und geschichtlichen Werth