Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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81 Gaben des Schicksals; es bildet den wahren Adel, weil es allein den inneren Menschen über viele seines Gleichen erhebt; aber eben darum gilt anch vorzugsweise von ihm das Wort: Adel legt Verpflichtung auf. Diese Verpflichtung liegt darin, daß das Talent einer Ueberzeugung diene, einem Manne von Charakter angehöre. Denn von Allem was wir haben, ja was wir sind, gehört nur der Charakter uns selbst, der stetigen Richtung unseres freien Willens an. Wer aber seinen Willen selbstthätig bestimmt, wer ihn, in solch freier Selbstbestimmung, nach Kräften, dem Dienste der Menschheit weiht, der hat einen Charakter, an welchem strebende und fühlende Jünglinge sich hinaufbilden können. Weil aber jede Thätigkeit sich selbst beschränken muß, will sie sich nicht ins Bodenlose verlieren, darum ist es gut, daß, wer für das allgemeine Beste zu wirken strebt, sich ein besonderes Gebiet wähle, das er mit besonderer Kraft und Liebe zu pflegen suche. Aber dieses muß, soll sein Wirken von wahrhaftem Werthe sein, in Verbindung mit dem großen Ganzen gedacht und bearbeitet werden. Riesser hatte sich vor 1848 vorzugsweise die Aufgabe gestellt, daS Recht seiner Glaubensgenossen auf Gleichstellung mit den übrigen Staatsbürgern, mit allen geistigen und sittlichen Waffen zu verfechten. Wir haben diesen Theil seines Lebens bereits im Jahre 1847 in einem Aufsatze behandelt, den wir nach vorher cingcholter Bewilligung des früheren Verlegers, mit den »öthigcn Auslassungen und Verorderungen, hier folgen lassen. Gabriel Riesser ist dem größeren Publikum zuerst durch seinen Kampf für die gerechten Ansprüche seiner Glaubensgenossen bekannt geworden. Vielen Tvnangebcrn in der Literatur und in der Gesellschaft schien das damals ein untergeordnetes Verdienst. „Ist ein solcher Kampf" so fragten sie „nicht ein besonderer, in den eigenthümlichen Verhältnissen einer kleinen Minderbeit begründeter, und kann, wer sich demselben fast ausschließlich hingegebcn, den Chrennahmen eines Mannes des Volks verdienen? Muß nicht ein Mann des Volks vor Allem die Freiheit im höchsten und allgemeinsten Sinne, die Freiheit vertreten welche, vülkerbcglückcnd, Allen Alles wird, die Institutionen großer Länder durchdringt, und eine Saat ausstreut, welche späteren Geschlechter» noch die herrlichste Erndte bietet? 6