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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 77

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 77 (sequence 77)
Language
German
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77 büchcr für das weibliche Geschlecht, mehrere Sittenlehren, welche sich zugleich mit der äußerlichen Sittigkeit beschäftigen; einige Geschichtsbücher, ferner Sagen und Erzählungen, Fabeln und Legenden, ganz besonders die morgenländischen, als 1001 Nacht u. a. Auch die Bibel ist mehrere Male durchweg in jüdisch-deutscher Uebersetzung, oft mit Berücksichtigung und Einflechtung alter Erläuterungen, erschienen. Seitdem die Juden in Deutschland sich bestrebten, die deutsche Sprache in möglichster Reinheit zu sprechen und zu schreiben, ist natürlich die jüdisch-deutsche Mundart zurückgewichen, und selbst da, wo sie noch gesprochen wird, bedient man sich ihrer nicht mehr schriftlich, noch viel weniger im Druck. Schon gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts wurde sie unter den deutschen Juden zum Gegenstand der Satyrc, und es wurden Lustspiele gedichtet, um sie in ihrer Lächerlichkeit darzustcllen. Wie tief eingewurzelt aber diese Mundart war, ersieht inan aus mehreren noch vorhandenen G cm ein d e b r i e fen, welche also von Gemeindeschreibern verfaßt waren und die Genehmigung der Vorsteher erhalten hatten, aus dem Anfänge dieses Jahrhunderts, welche Briefe von den bedeutendsten Gemeinden an die bedeutendsten gerichtet waren, und auch durch ihren Inhalt geschichtliche» Werlh haben. Wir glauben nicht, daß ein Auszug aus denen, die sich in unfern Händen befinden, unser» Lesern hier Unterhaltung gewähren dürfte; dagegen erscheint uns ein anderer Beleg für die erstaunliche Mangelhaftigkeit der Sprachkenntniß sogar in den gebildeter» Kreisen der deutschen Gemeinden in Holland, aus dem Jahre 1809, wohl des Abdruckeus werth. Es ist dies die Bekanntmachung eures Dekrets des Königs Ludwig, welcher ein jüdisches Truppen cvrps errichten wollte (das jedoch bald wieder mit andern verschmolzen ward) und der Ministerialinstruktion, welche sich darauf bezieht, nebst einer Notifikation des jüdischen Obercvnsistoriums, — gedruckt Amsterdam 1809 in jüdischer Kursivschrift. Die erstern beiden Aktenstücke sind offenbar Uebersctzungen aus dem Französischen, also schon mit einer gewissen Sorgfalt bearbeitet, daher Spuren von Streben nach Reinheit des Ausdrucks. Daß sich Hollandismen einschlcichcn, ist natürlich.

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