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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 75

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 75 (sequence 75)
Language
German
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75 wo aus sie sich nach Süden und Westen wieder verbreiteten. Das polnische Element konnte in sie nicht cindringcn, weil sie sich weit über die niedern Sklaven erhoben fühlten, und sie mit dem Adel nur in wenigen Geschäftszweigen in Berührung standen, die sie ohne umfängliche Kcnntniß der slavischcn Sprachen erledigen konnten, während sie unter sich eine» ganzen Volksstamm mit eigener Muttersprache ausmachtcn. So erhielt sich bei ihnen das Deutsche, gefördert durch rabbinische Schulen, die sich an allen Orten fanden, und es bildete sich ihre Mundart eigenthümlich aus, die sich dann wieder über die deutschen Juden, welche ihre Lehrer aus Polen zog, weiter verbreitete. Diese Mundart entfernte sich natürlich immer mehr von der deutschen, fortschreitend sich entwickelnden Sprache, denn abgesehen von der Abgeschiedenheit der Juden, mischten sich auch unendlich viele Hebraismen ein, welche durch die das ganze Leben der Juden durchziehenden gottesdienstlichen Gebräuche Jedem verständlich waren, und gern auch zur figürlichen Sprache benutzt wurden. Hie und da fanden sich auch slavische Eindringlinge aus dem Verkehr mit Polen. Alle die so zusammengeflossenen Elemente schlossen sich dein germanischen Grundrisse a», auf welchem nach und nach ein Sprachgebäude sich erhob, das sich vom Deutschen bedeutend unterschied und welchem selbst die deutschen Ansdrücke vielfach verschiedene Bedeutungen annahmen und in der Aussprache und Betonung ihrem Ursprünge sich ganz entfremdeten, und es kam allmälig dahin, daß die Juden echt deutsche Werke nur mit Mühe verstanden. Endlich entstanden auch mehrere deutlich zu unterscheidende Mundarten der jüdisch-deutschen Sprache nach den Wohnsitzen der größer» Massen, die nicht umhin konnten, von der Umgebung gewisse Färbungen anzunehmcn. — An vielen Orten hat diese Sprache, durch den wachsenden Verkehr der Juden mit den übrigen Landcsbewohnern einen Einfluß auf die Volkssprache geübt, und dieser manche Ausdrücke mitgetheilt, die sich als sehr bezeichnend anempfahlen, oder wegen ihrer Seltsamkeit beliebt wurden. Wir haben dahin zu rechnen: sch ächten und Schächter (schlachten und Schlächter), schachern (vom Hebr. ßachar, verdienen), kauscher (erlaubt zu essen, fig. rein), Knas (Strafe), pletcn, gehen (mit fremdem Gute davon laufen), meschugge (verrückt), Schote (Narr), welches letztere doch auch erst mit

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