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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 74

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 74 (sequence 74)
Language
German
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74 sich ordentlich ansiedel» durften, und selbst in ihren zahlreichern Gemeinden oft aufgeschreckt und auseinander gesprengt wurden, so daß sie trotz aller beschränkenden Gesetze über fast alle Länder der Erde, wo nur staatliche Ordnung mit Christenthum oder Islam eingedrungcn ist, sich verbreiteten. Es ist natürlich, daß nur ein sehr lang dauernder Aufenthalt solche neue Ansiedler dahin bringt, daß sie die Landessprache annehmcn, und folglich bleibt, wenn dies einmal erfolgt ist, die einmal angenommene Sprache auch bei weiterer Zerstreuung die Muttersprache einer solchen Masse, die in der neuen Fremde immer erst wieder ganzer Jahrhunderte bedarf, um durch Sprache und Sitte sich den Eingeborenen anznschließen. Dazu haben die Gesetze den Juden selten Zeit gelassen. Der weitere Erfolg davon war, daß die Inden durch eine gemeinsame Sprache in aller Welt im Zusammenhänge blieben, und daraus zu viel gegenseitige Unterstützung zogen, um nicht die gemeinschaftliche Sprache und die ganz damit verbundene Einseitigkeit lieb zu gewinnen. Merkwürdig bleibt dabei immer der Umstand, daß in den frühcrn Jahrhunderten des Mittelalters die Juden auf der pyrenäischen Halbinsel einer- und im deutschen Reiche andrerseits bereits so weit fest angesicdelt waren, daß sie sich die Landessprachen ganz und gar, wenn auch nur mundartlich, aneigneten, und daß diese zweier großen Massen Muttersprachen wurden, zu denen sich in Spanien späterhin die arabische noch gesellte, deren man im Verkehr mit den Moslemen nicht entbehren konnte. Die deutschen Inden nun sprachen hochdeutsch, ein Beweis, daß ihre ursprüngliche Masse hauptsächlich diejenigen Gegenden Mitteldeutschlands bewohnt hatte, wo diese Mundart zu Hause war, besonders finden wir sie früh auf der südöstlichen Seite von Thüringen und Sachsen an bis an die Donau und den Ober- und Mittel-Rhein, und dann weiterhin in den allemannischcn Gegenden bis an die Rhone und die östliche Loire und weiterhin nach Norden bis nach Belgien. Von diesen zum Theil schon im 13. Jahrhundert unter französischem Sccpter stehenden Gebieten wandcrte eine sehr große Masse nach den bittern Verfolgungen unter Ludwig IX- und Philipp IV. ans und fand Aufnahme in Polen, wo seitdem der eigentliche Gesammtwohnsitz der deutschen Juden war, und von

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