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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 61

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 61 (sequence 61)
Language
German
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61 bringen, und ihn zu vermögen, die Zustrümenden vvr sich zu lussen. Sie durften nun in einzelnen Abtheilungcn vor ihm erscheinen, und Alle wurden durch seine Milde, sein liebreiches Benehmen, seinen tröstenden Zuspruch, seine frommen Ermahnungen bezaubere. Diejenigen, die indessen unten warten mußten, hörten einstweilen das Hundegebclle, und sahen auch, wenn ein Muthiger die Thürc ein wenig öffnete, die unausgesetzten Sprünge des unglücklichen Cantors. Wenn sie nun dadurch in eine Angst versetzt wurden, daß sic nur mit Beben an den Augenblick denke» konnten, wann die Reihe an ihnen sein werde, vor dem Wunderthätcr zu erscheinen, so flößten ihnen die Zurückkommenden durch ihr Entzücke» über die gefundene Ausnahme und ihre begeisterte Schilderung der herzgewinnende» Freundlichkeit des heiligen Mannes wieder M»th ein. Tic Zahl der Hcrbcikomuicndcn vermehrte sich fortwährend, es fand sich eine Familie nach der andern ein, alle waren Zeugen der wunderbaren Verwandlung, alle wurden von der Liebenswürdigkeit des Rabbi hingerissen, und nach Verlauf von mehreren Stunden war fast kein Mensch mehr in der Stadt, der sich nicht rühmen konnte, ein Wunder geschaut und den Segen eines Heiligen empfangen zu haben. Da nun Jeder eine bestens nach seinem Vermögen und seinen Kräften gemessene Gabe dem Rabbi als Opfer der Verehrung darbrachte, so hatte der Marschalk kaum in einem Jahre so viel eingenommen, als in die Kaffe des Bal Schein in einem halben Tage floß. Indessen war der Nachmittag hcrangekommen, die Personen, die den Zutritt bei dem Rabbi gewünscht hatten, waren befriedigt nach Hause gegangen, das Gedränge hatte sich bedeutend vermindert, und meistens waren es nur noch unbeaufsichtigte Kinder, lärmende Knaben, die das Wirthshaus belagerten, zuweilen keck bis an die Thüre des Eantors traten, und dann, wenn sie das Bellen hörten, furchtsam zurückliefen. Der Segen des Rabbi bewährte sich zuerst am Wirth, denn die Schcnkstube war überfüllt, und in den Borräthcn des mit Getränken und Speisen reich versehenen Hauses zeigten sich bereits bedeutende Lücken. Das Gespräch der schmausenden und zechenden Gäste drehte sich nur um die große Tagesbegebenheit, und je später es wurde, je mehr sing man an, den Eantor zu bedauern. Der Sabbath rückte immer näher heran,

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