Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 53)
- Language
- German
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53 uiigcrn den Glanz verdunkelt sah, den die Anwesenheit eines heiligen Mannes, wenn dieser anerkannt wurde, über sein Haus verbreiten mußte. Er verthcidigte also seinen Gast lebhaft, und trug, theils um dessen Gelehrsamkeit darzuthun, thcils um die Zweifler cinzuschüchtern, die Erklärung derBibelstellc vor, die er von jenem mit so vielem Entzücken vernommen hatte. Nun bemerkte Niemand den argen Mißbrauch der so aus allem Zusammenhang gerissenen, ihres wahren Sinnes beraubten und sogar in einzelnen Wörtern falsch gedeuteten Verse, denn dieses Verfahren war nichts seltenes, und wenn auch die mit so willkührlicher Deutung gegebene Erklärung einer Bibelstelle nicht als die richtige galt, so gab man doch zu, daß die Stelle neben ihrem einfachen, natürlichen Wortsiunc auch noch den Sinn haben könnte, den der Erklärer hinein legte. Niemand beschuldigte also den Fremden der Entweihung der heiligen Schrift, Manche fanden sogar die Verse passend angewendct, und einige warfen dem ebenfalls anwesenden Schulmeister neckend vor, daß er die Bibel nicht so gewandt auslegen könne. Dies erbitterte den Schulmeister gegen den Fremden, ans den er daher unbarmherzig loszog. Sein Eifer und der dadurch augefachte Zorn des Wirths erregte ei» allgemeines Gelächter, und der Lärm in der Stube nahm überhand, bis zuletzt ein Greis aufstand und es dem Schulmeister verwies, daß er sich gegen einen Unbekannten, der ihm nie etwas zu Leide gcthan, und der doch möglicherweise wirklich ein Bal Schein sein könne, aus der Lust 'gegriffene Schmähungen erlaube. Kaum hatte dieser verständige Tadel die Ruhe wieder hergestellt, als der Cantor David von seinem Rundgangc mit freudig strahlendem Gesichte heimkehrte, und in die Schcnlstubc trat, wo ihn der Wirth der Gesellschaft vorstelltc. David, der sich mit vieler Höflichkeit den Anwesenden näherte und bescheiden um die Erlaubuiß bat, in ihrem Kreise ein Frühstück nehmen zu dürfen, zeigte sich bald als einen so heiteren, unterhaltenden Mann, daß einige, die sich schon wieder entfernen wollten, ihre Gläser von Neuem füllen ließen, um nur länger seine Gegenwart zu genießen. Das Gespräch wurde immer fröhlicher und belustigender. Wenn Jemand von dem bevorstehende» Gottesdienste anfing und in dieser Beziehung eine Frage aufwarf, so wich David mit stolzer Bescheidenheit