Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 49)
- Language
- German
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49 äußerte, hier über Sabbath zu wohnen, und vom Wirth eine Treppe hinauf in ein Zimmer geführt wurde, in welches er sogleich sein leichtes Gepäck bringen ließ. Auf einem kleinen Koffer war eine Inschrift angebracht, die dem scharfen Blicke des Hausherrn nicht entging. Sic nannte den Besitzer des Koffers Rabbi Baruch Bal Schein aus Jassy. Die Bestürzung des Wirths nach Lesung dieser Inschrift wurde von dem Fremden bald bemerkt. „Aha!" rief er mit feinem Lächeln aus, „inein Koffer hat mich verrathen. Nun, es liegt weiter nichts daran, wenn ihr nun auch wißt, wer ich bin." „Wollte denn der Rabbi seinen heiligen Stand verschwiegen halten?" fragte der Wirth mit sckener Ehrfurcht. „Das darf wohl kein Bal Schein," erwiederte jener; „er versündigt sich dann leicht an den Gaben, die ihm Gott, gelobt sei er, verliehen hat." „Gewiß!" versicherte der Wirth, „ein so heiliger Mann muß seine Gaben zeigen, damit arme Leidende Nutzen davon ziehen können. D, wir habe» hier auch Kranke und Bedrängte genug, die die Hilfe des Rabbi »achsuchen werden." „Haltet ein!" rief der Rabbi, „so habe ich es nicht gemeint. Ich wollte blos sagen, daß ein Bal Schein seinen Stand nicht verleugnen dürfe, wenn dieser einmal erkannt ist; daraus folgt aber nicht, daß er ihn selbst bekannt machen müsse." „Nun aber seid ihr ja einmal hier erkannt," sagte der Wirth. „Von wem?" versetzte der Rabbi; „doch nur von euch, da ihr die Inschrift des Koffers gelesen und auf mich bezogen habt. Würdet ihr aber, wenn ihr lediglich meinen Namen erfahren hättet, meinen Stand erkannt haben? Habt ihr, oder hat sonst Jemand in dieser Stadt schon einiges über mich gehört? „Run, daS wohl nicht," sagte der Wirth verlegen. „Da seht nun selbst, wie behutsam ein Bal Schein in der Fremde sein muß, um nicht, was Gott verhüten möge, Unglück zu stiften," versetzte der Gast. „Ich finde in euch einen frommen, einfachen nnd verständigen Mann, der das Heilige mit gläubigem Gemüthe verehrt. Aber wir leben in einer verderbten Zeit. Wißt ihr nicht, was im 32. Capitel