Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German
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- ll8 - von hier, und ihr macht wohl nicht Reisen in so große Ferne. Indessen, das schadet nicht. Ihr werdet mich nun kennen lernen, ihr werdet mich hören, nnd dann wollen wir uns sprechen. Was soll ich auch jetzt sagen? Wir haben die Regel: laß dich von Andern rühmen, nicht von deinem eignen Mund. Zwar mich wird mein Mund rühmen, aber nicht durch leere Worte, nein, durch meinen Gesang. Jedoch zur Sache. Wo wohnen die Vorsteher?" Er erhielt den gewünschten Bescheid, und nachdem er sich in dem ihm angewiesenen Gastzimmer, das zu ebner Erde der Schenkstube gegenüber lag, nur flüchtig vom Reisestaube gereinigt hatte, entfernte er sich. Der Wirth aber eilte in die Schenkstubc, wo schon einige Gäste ihr Mvrgcngläschen tranken, um die große Neuigkeit mitzutheilcn, daß sich ein fremder Kantor hören lassen würde. Da nun der Name des Säugers Allen unbekannt war, so wurde die Nachricht theils mit Gleichgiltigkeit, theils mit Unmuth ausgenommen. Mau sei schon oft durch solches fremdes Volk getäuscht worden, äußerten einige, man habe am Orte einen wackeren Kantor, der besser sänge, als so viele Fremde, die nur darauf ausginge», den Leuten Geld abzulocken. Es sei dies nur eine feinere Manier zu betteln und eine Belästigung der Gemeinde, wozu die Vorsteher nicht die Genehmigung erthcilcn sollten. Dagegen bemerkten Andere, daß man von jeher in allen Gemeinden reisenden Kantoren zu singen erlaubt habe, es sei Unrecht, sich gegen einen herkömmlichen Gebrauch aufzulehncn, die Gemeindekasse werde durch eine geringe Gabe nicht erschöpft, den einzelnen Mitgliedern aber stehe es ja frei, viel oder wenig zu spenden. Gefiele der Kantor, so würde ihm Jeder mit Vergnügen ein ansehnliches Geschenk geben, mißfiele er, so würde es eben auch kein Unglück sein, einem armen Manne ein Almosen zu verabreichen. Nllmählig stellten sich noch viele andere Gäste ein, die sämmtlich schon bei ihrem Eintritt die Ankunft des Kantors erfuhren, und indem sie an dem Streite über die Zulassung eines solchen Fremden zum Gottesdienste Antheil nahmen, den Lärm vermehrten. Indessen fuhr abermals ein Wagen vor, und der Wirth stürzte hinaus, um einen stattlich anssehenden Fremden in Empfang zu nehmen, der ebenfalls den Wunsch