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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 47

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 47 (sequence 47)
Language
German
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47 ihren Vortheil zu sorgen. Denn die Menge strömte zu dem einmal anerkannten Bal Schein, man erbat für die Kinder seinen Segen, für die Kranken seine Berührung, man ließ sich von ihm in Verlegenheiten rathen, die Zukunft deuten, Amulette schreiben, und gab ihm dafür die reichsten Geschenke, indem man den Heiligen, den Freund Gottes nie genug zu ehren und zu b lohnen meinte. Indessen geschah das alles nur, wenn der Ruf schon für den Mann als einen Bal Schein entschieden hatte, und um so vertrauungsvollcr und leichtgläubiger sich dann das Volk zeigte, um so argwöhnischer war cs, wenn ein Unbekannter als Wunderthätcr auftretcn wollte, wie cs Baruchs Absicht war. Beide Marschälke wußten auch recht gut, daß ihr Unternehmen mißlingen mußte, wenn sic nicht ein Mittel ersannen, den fehlende» Ruf zu ersetze», und besonders dem angeblichen Cantor, auch ohne daß er den Gottesdienst versah, zu einer Einnahme zu verhelfen. Denn wenn auch der neue Bal Schein alle Kenntnisse besaß, um seine Nolle mit Ehren durchzuführen, so war doch der Cantor verloren, sobald er nur den Mund zum Singen öffnen mußte. Alles daS hatten aber die Schälke wohl bedacht und demnach ihren Plan entworfen. In einer polnischen kleinen Stadt, die aber eine zahlreiche und wohlhabende jüdische Gemeinde i» sich faßte, fuhr an einem Freitage in einer sehr frühen Morgenstunde ein ärmlicher Wagen ei» und hielt vor dem einzigen Gasthause des Ortes. Der Wirth, wie damals fast überall in Polen, ein Jude, sprang herbei, und half einem anständig gekleideten Manne aussteige», der ihn sogleich fragte, ob er hier über Sabbath Herberge erhalten könne. Auf die bejahende Antwort erkundigte er sich »ach den Namen und Wohnungen der Gemeindevorsteher. „Ich wünsche nämlich hier den Gottesdienst des Sabbaths abzuhalten," fügte er hinzu, „und habe mich daher beeilt, frühzeitig hier einzutreffc», um die Vorsteher besuchen und ihre Erlaubnis, einholen zu können." „Wen habe ich die Ehre bei mir zu scheu?" fragte der Wirth mit gespannter Neugier. „Ich bin der Cantor David aus Czarnikow," erwiederte der Fremde. „Ihr werdet schon von mir gehört haben. Nicht? Das sollte mich wundern. Nun freilich, Czarnikow ist weit

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