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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 45

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 45 (sequence 45)
Language
German
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45 tüchtigen Cantor einträglich und belohnend war, während ein ungeschickter Sänger sich nur einer spärlichen Gabe, die ihm eigentlich mir das Mitleid reichte, zu versehen hatte. Am besten war ein Cantor daran, dein ein großer Ruf voranlies. Er hatte die Meinnng im Voraus für sich und war sicher, zu gefallen. Man hätte sich geschämt, ihn mit einer geringen Gabe abznfertigcn, selbst das Honorar aus der Gemeindekasse mußte dem Ruhm des Mannes angemessen sein, und so verließ er dann gewöhnlich die Stadt mit vermehrtem Ruf und wohlgcfüllter Börse. David aber konnte nur dem übelsten Erfolge seines Unternehmens entgegensehcir, und dies um so gewisser, da er nicht im Stande war, einen einzigen Ton zu singen. Noch weniger ließ die Rolle, die Baruch übernommen hatte, einen Vortheil erwarten. Die Kabbala ist eine Wissenschaft, die sich mit philosophischer Betrachtung über die Gottheit, die Schöpfung, das Gesetz, das Dasein in einer höheren Welt u. s. w. beschäftigt. Diese Philosophie ist schon an und für sich schwer zu fassen, und da diese Schwierigkeit noch durch das geheünmßvolle Dunkel und den svmbolischen Ausdruck ihrer Lehren erhöht wird, wagten sich von jeher nur die fähigsten Geister an das Studium derselben. Dazu kam noch, daß die Gelehrten dieses Studium jüngeren Personen verboten und nur älteren, die bereits gründliche talmudische .Kenntnisse besaßen, erlaubten, weil man es einerseits für Pflicht hielt, die Jugend vor jener Gedankenverwirrung und Schwärmerei zu bewahren, in die sie ein falsches Auffassen und Deuten der Kabbala stürzen konnte, andererseits aber diese Wissenschaft ihres hohen Inhalts wegen für zu heilig achtete, um die Beschäftigung mit ihr Unvorbereiteten zu gestatten. Es waren daher nur ausgezeichnete Gelehrte im vorgerückten Alter mit der Kabbala mehr oder weniger vertraut, je nachdem sic ihnen verständlich erschien, und sie durch dieselbe Aufschluß über tiefer liegende religiöse Lehren zu erhalten glaubten, oder sie in ihr eine verschlossene und geheimnißvolle Wissenschaft erblickten, die mehr geeignet sei, die Klarheit der im Talmud gegebenen religiösen Lehren zu trüben, als darüber ein helleres Licht zu verbreiten. Die größere Menge wußte also von der Kabbala gar nichts, hatte aber vor ihr die höchste Achtung, ja eine heilige Scheu, denn das Gerücht war allgemein im

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