Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 39)
- Language
- German
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39 Außerdem war jedes junge jüdische Ehepaar noch gezwungen, bei der Hochzeit zur Einrichtung von diesem Porzellan zu kaufen, und zwar eine Quantität, welche ihre Bedürfnisse weit überstieg. — Diese Porzellansteuer war so drückend, daß die Nettesten der Jndenschaft zu wiederholten Malen dem Minister Herzberg die kläglichste» Vorstellungen machten, denen dieser aber nur ausweichend antworten konnte, da der alte Friß jedesmal, wenn der Minister die Sache zur Sprache brachte, ärgerlich rief: „Laß er mich ungeschoren, Herzbergdie Juden müssen zahlen!" Hcrzberg, dem wieder einmal auf seine Vorschläge zur Herabsetzung der Porzellansteuer diese Antwort geworden war, cntgegncte darauf: „Aber, Ew. Majestät, wenn sich nun die Juden taufen ließen?" — „I, rief der König erschreckt, sie werden doch nicht des Teufels sein!" Als im Jahre 1759 eine philosophische Kritik eines Gedichtes, dessen Verfasser der große Friedrich war, in den „Berliner Literaturbricfen" erschien, wurde der Kritiker, Moses Mendelssohn, vom Gencralfiscal zur Verantwortung gezogen. Da sagte Mendelssohn: „Wer Verse macht, schiebt Kegel, und wer Kegel schiebt, er sei König oder Bauer, muß sich gefallen lassen, daß der Kcgcljunge sagt, wie er schiebt." — Die Sache war damit abgethan; der König erfuhr nichts davon. Die Zeitschrift: die Grenzboten, berichten folgendes Curivsum: Ein russischer Soldat nahm einem armen Juden seinen Pelz. Der Jude beklagte sich beim Hauptmann. Wer hat Dir den Wolfspelz genommen? fragte der Hauptmann erzürnt. — Iwan Toratowitsch war's, sprach der Jude zitternd. — Wie ist das möglich? rief der Hauptmann, das ist ja ein ganz braver Soldat. Er ließ den Soldaten kommen und befragte ihn. Ja wohl habe ich den Wolfspelz dem Juden genommen, sagte Iwan ruhig, aber ich war dazu vollkommen berechtigt. Ich habe den Pelz erkannt. Auf den Wolf, dem er früher gehörte, habe ich einmal geschossen, ich